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REGIONREPORT
HAMBURG
I
INTERVIEW
wie inHamburg generell üblich, einDrittel
Eigentums-, ein Drittel Mietwohnungen
und ein Drittel geförderten Wohnraum
gibt. Wir haben allerdings schon seit 2003
gezielt Baugenossenschaften und Bauge-
meinschaften integriert. Und wir legen
in der HafenCity als Konzept auch noch
die Feinkörnigkeit mit gewerblichen Nut-
zungen darüber. Wohnungsgebäude müs-
sen zumindest in den Lauflagen immer
auch öffentlichkeitsbezogene Nutzungen
haben, zum Beispiel Läden, Galerien,
Kindergärten etc. Das ist eine außerge-
wöhnliche Anforderung für ein Areal in
der Größe der HafenCity. So entstehen in
den Erdgeschossen der HafenCity insge-
samt etwa 300.000 Quadratmeter öffent-
liche Nutzungen, was für die Urbanität des
Stadtteils zentral ist.
Das Thema Baugemeinschaften spielt
eine große Rolle.
Die sind in der Hafen-
City eine echte Erfolgsstory. Dabei sind sie
sehr unterschiedlich aufgestellt. Sie treten
entweder als Eigentümergemeinschaften
oder als Mieterbaugemeinschaften auf. Es
gibt solche, die Wert legen auf technolo-
gische Innovationen und etwa ein acht-
geschossiges Holzhybrid-Haus bauen.
Auf der anderen Seite entstehen Wohn-
gemeinschaften, die sich nur aus Künst-
lern zusammensetzen, oder Konzepte, wo
Wohn- und Arbeitsflächen für Freiberuf-
ler oder auch generationenübergreifendes
Wohnen realisiert werden.
Warum sind sie so wichtig?
Baugemein-
schaften bewirken, dass die Identifikation
mit dem Stadtteil sehr groß wird. Viele
Herr Prof. Bruns-Berentelg, denken Sie
manchmal an die Anfänge der HafenCi-
ty zurück?
Natürlich. Das war in der Tat
mühselig. Auch im Jahre 2003 scheiterte
Hamburgs Olympia-Bewerbung. Damals
war die östliche HafenCity als Olym-
pisches Dorf geplant. Ich wurde gefragt,
was ich nun machen wolle, da die Hafen-
City doch tot sei ... Es hat damals ein Stück
HafenCity – das langfristige Quartier
Wer erhält hier ein Grundstück? Das Konzept ist zu 70, der Preis nur zu 30 Prozent wichtig.
Wenn ökonomische (Arbeitsplätze), soziale (Begegnungsfähigkeit) und ökologische Möglich-
keiten ausgeschöpft werden, wird ein Stadtteil resilient, so
Prof. Jürgen Bruns-Berentelg
.
weit das Denken gefehlt, dass man heraus-
ragende Stadtentwicklung machen kann,
die nicht an Events anknüpft …
Gut zehn Jahre später gibt es viel Le-
bendigkeit hier, wo stehen Sie jetzt?
Wir sind jetzt zu 70 Prozent mit der Pla-
nung fertig. Wir werden unseren Zeitplan
einhalten, wonach wir die Erstellung der
Gebäude zwischen 2025 und 2030 im
Wesentlichen beendet haben wollten.
Bereits 45 Prozent der Projekte in der
westlichen und zentralen HafenCity sind
baulich fertiggestellt oder im Bau. Die
Entwicklungsdynamik in der HafenCity
ist sehr hoch.
Wie sieht es beim Baakenhafen aus?
Im vergangenen Frühjahr wurde mit der
Erstellung der ersten großen Bauvorhaben
an der Nordwestseite begonnen, darunter
ein Familienhotel mit 220 Zimmern und
der „Campus Tower“ mit Wohnungen,
aber auch mit innovativen Büroflächen
für Start-ups. Auf der Südseite erfolgt der
Baubeginn imHerbst mit demQuartiers-
zentrum rund um den zentralen Markt-
platz, wo die ersten 430Wohnungen sowie
das Nahversorgungsangebot mit Frische-
markt, kleinen Läden und Gastronomie
entstehen wird.
Die HafenCity ist neue Wege gegangen
beim Thema Durchmischung ...
Ja, seit
2010 können wir mit dem geförderten
Wohnungsbau stärker sozial durch-
mischen, zunächst mit 20 Prozent, seit
2011 sogar zu einem Drittel. Normaler-
weise würde man zufrieden sein, wenn es,
ZUR PERSON
Prof. Jürgen Bruns-Berentelg
ist seit 2003 Vorsitzender der Geschäftsführung
der HafenCity Hamburg GmbH. Davor war er in
leitenden Positionen bei britischen, amerika-
nischen und deutschen Immobilienunterneh-
men tätig. Dabei hat er auch an Großprojekten
wie dem neuen Hauptbahnhof oder dem Sony
Center am Potsdamer Platz in Berlin gearbeitet.
Er studierte Geografie und Biologie; er ist eben-
falls Immobilienökonom (ebs). 2014 wurde er
zum Professor für Integrierte Stadtentwicklung
an der HafenCity Universität Hamburg ernannt.