19
BÜROMARKT
don werden Anfang 2017 erwartet. Erst
dann wird sich herausstellen, in welchem
Ausmaß neue Arbeitsplätze in Bankfurt
entstehen werden und ob die Stadt mal
wieder mehr Glück als Verstand hat,
wenn sich der Brexit in die lange Kette
von glücklichen Zufällen nach EZB, EBA
und Bundesbank einreiht und die Unent-
schlossenheit von Politik und Wirtschaft
auf das Angenehmste vernebelt.
Bürofläche von Kanzleien verhandelt wer-
den und die klassischen Banken in dieser
Lage deutlich hinterherhinken.
DER BREXIT ALS GLÜCKLICHER ZUFALL?
Die
Auflösung des Staus wird also zu einer
deutlich erhöhten Nachfrage nach Büro-
fläche in 2016 führen, vielleicht auch noch
in 2017. Aber was kommt dann? Fallenwir
dannwieder auf das Niveau der Jahre 2013
bis 2015 zurück und schauen uns einmal
mehr verdutzt an, was denn „plötzlich“
los ist? Natürlich nicht, denn wir haben
ja noch den Brexit, der – wie von Zauber-
hand gesteuert – alles von selbst richten
wird in Deutschlands Wolkenkratzer-
Metropole. Schauen wir uns doch nur die
im Bau befindlichen Hochhäuser an. Das
WinX wird 2018 fertiggestellt, hier sind
noch etwa 10.000 Quadratmeter verfüg-
bar. Im Jahr 2019 werdenMarienturmund
Marienforum mit 55.000 Quadratmetern
fertig, von denen noch kein Quadratme-
ter vermietet ist. 2020 folgen dann weitere
45.000 unvermietete Quadratmeter Büro-
flächen imOmniTurm. Und dann werden
mit demMax auf demheutigen Deutsche-
Bank-Areal an der Großen Gallusstraße
schrittweise noch einmal 90.000 Qua-
dratmeter Top-Bürofläche zur Verfügung
stehen. Ein gewaltiges Flächenpotenzial,
das nach Nutzern dürstet.
Frankfurt scheint die Abwanderung
der Londoner Banken offensichtlich schon
fest in seinen Plänen verankert zu haben.
Sollte es allerdings nicht zu einem großen
Umzug der Banken von der Themse an
den Main kommen, der Brexit also nicht
die erwartete Wirkung zeigen, stellt sich
wieder die unbequeme Frage, wer in dieser
Stadt die Nutzer vonmorgen sein werden.
Diese Frage steht nun seit Jahren imRaum
und bleibt konsequent unbeantwortet.
Die viel zitierten FinTechs können ma-
ximal die Richtung weisen, werden aber
nicht die Lücke füllen können, die vom
Bankensektor hinterlassen werden würde.
Die ersten konkreten Anfragen aus Lon-
«
Christian Lanfer, Frankfurt
ENTWICKLUNG
Frankfurter Bürovermietungsmarkt
*inkl. Untermietflächen, **Prognose; Stand: Juli 2016; Quelle: JLL
600.000
500.000
400.000
300.000
200.000
100.000
0
40,00
35,00
30,00
25,00
20,00
15,00
10,00
5,00
0
Fertigstellungen
in m²
Flächenumsatz
in m²
2011
2012
2013
2014
2015
*
H1 16
2016
**
m²
Euro/m²/Monat
bzw. Prozent
Spitzenmiete
Euro/m²/Monat
Leerstandsquote
*
in Prozent
Christian Lanfer
(42) ist
seit 2004 im Bereich Tenant
Representation für JLL tätig.
Seit April 2011 ist er Team
Leader der Frankfurter Office-
Leasing-Abteilung und berät
Eigentümer bei der Vermark-
tung ihrer Flächen.
AUTOR