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REGIONREPORT
FRANKFURT
I
INTERVIEW
Foto: : Wirtschaftsförderung Frankfurt GmbH
junge Finanztechnologie-Unternehmen
(FinTechs). Das „Tech Quartier“ stellt
Büro- und Arbeitsräume für Start-ups
zur Verfügung, bietet Möglichkeiten für
Austausch und Vernetzung und stellt den
Kontakt zu Beratern und Investoren her.
Auf dem Vormarsch sind in Frankfurt
auch Property Technology Unternehmen
(PropTechs), deren Geschäftsfeld die Ver-
knüpfung von Immobilien und Technolo-
gie umfasst. Mit dem Gründerpreis, der
jährlich verliehen wird, zeichnet die Stadt
junge Unternehmen wie 2016 Mobileeee
für besonders innovative Konzepte aus.
Über die Initiative „Frankfurt Forward“
bringt die Wirtschaftsförderung Frank-
furter Industrieunternehmen und aus-
gewählte Start-ups zusammen und bietet
diesen eine gemeinsame Plattform, um
neue Geschäftsmodelle umzusetzen.
Die Digitalisierung ist ein entschei-
dender Faktor im internationalen Wett-
bewerb. Welche Bedeutung kommt der
technischen Infrastruktur zu?
Frankfurt
verfügt über den größten Internetknoten-
punkt Deutschlands und hat sich zu einer
der führenden digitalen Drehscheiben
Europas entwickelt. Die Stadt hat schon
in den 1990er Jahren die Entscheidung für
die Bereitstellung eines leistungsfähigen,
dichten Glasfasernetzes getroffen. Davon
profitieren nicht nur Institutionen wie die
Deutsche Börse und die Frankfurter Mes-
se, sondern auch die Rechenzentren und
Unternehmen. Aufgrund umfangreicher
Nachrüstungen in den vergangenen Jah-
ren sind auch die Frankfurter Industrie-
und Gewerbegebiete in hohem Maße mit
Glasfaserleitungen erschlossen.
Herr Schwebel, Großbritannien hat sich
für den EU-Austritt entschieden. Welche
Auswirkungen hat das auf Frankfurt?
Das kann im Moment noch niemand
genau sagen. Wir haben ein Brexit-Team
gebildet, das Banken und Unternehmen
als Ansprechpartner zur Verfügung steht.
Setzt sich Frankfurt im Wettbewerb um
Standortverlagerungen durch, rechnen
Experten mit mindestens 10.000 neuen
Arbeitsplätzen in der Region. Die Auswir-
kungen auf die Immobilienmärkte gestal-
ten sich tendenziell positiv. Die Unterneh-
men fragen zusätzliche Büroflächen nach
und dies führt zu einer weiteren Belebung
der Nachfrage. Wir rechnen daher mit ei-
ner weiteren deutlichen Reduzierung der
Leerstandsquote von aktuell rund zehn
Prozent. Auf dem Wohnungsmarkt ori-
entieren sich die zahlungskräftigen Mit-
arbeiter internationaler Unternehmen
überwiegend an hochwertigem Wohn-
raum, wie er verstärkt in Wohnhochhäu-
sern entsteht. Eine Konkurrenzsituation in
dem ohnehin angespannten preiswerten
Segment ist daher kaum zu befürchten.
In Frankfurt tretenWohn- und Gewerbe-
flächen in Nutzungskonkurrenz. Welche
Strategieverfolgt die Stadt zur Sicherung
nutzerorientierter Gewerbeflächen?
Im
Rahmen des Masterplans Industrie ent-
wickelte die Stadt das „Räumlich-funkti-
onale Entwicklungskonzept“ (RfEk). Der
bis 2030 ermittelte Gewerbeflächenbedarf
kann jedoch nicht in allen Segmenten ge-
deckt werden. Daher erarbeitet die Stadt
bis 2017 ein Flächensicherungsprogramm,
das auch Umwandlungsverbote von Ge-
werbe- in Wohnnutzungen umfasst.
Neben der Sicherung vorhandener Ge-
werbeflächen spielt deren Anpassung an
Die Zukunft im Blick
Der internationale Wettbewerb stellt hohe Anforderungen an die Innovationsfähigkeit
der Stadt:
Oliver Schwebel
über die Auswirkungen des Brexit, über die Etablierung einer
lebendigen Gründerszene und den Ausbau der technischen Infrastruktur am Main.
moderne Standards und die Optimierung
der Energieeffizienz eine wichtige Rolle. In
diesemZusammenhang fördert Frankfurt
die Entwicklung nachhaltiger Gewerbe-
gebiete, die ökologische, wirtschaftliche
und soziale Kriterien berücksichtigen.
Erstmals umgesetzt wird das Konzept in
Fechenheim-Nord und Seckbach.
Eine lebendige Gründerszene prägt
die Innovationsfähigkeit einer Region.
Wie ist Frankfurt hier aufgestellt?
Sehr
gut. Frankfurt genießt das Image eines
erfolgreichen Wirtschaftsstandortes und
bietet den Gründern unterschiedlichster
Branchen umfassende Unterstützung.
So entsteht aktuell im Hochhaus Pollux
das Frankfurter Gründerzentrum für
«
Gabriele Bobka
ZUR PERSON
Oliver Schwebel
ist seit Mai
2015 Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung
Frankfurt GmbH und Mitglied der Geschäftsfüh-
rung der FrankfurtRheinMain GmbH Internatio-
nal Marketing of the Region. Begonnen hat der
1969 in Kronberg geborene Wirtschaftsförderer
seine Tätigkeit 2010 als Leiter der Servicestelle
Wirtschaft.