Region Report Frankfurt - page 14

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REGIONREPORT
FRANKFURT
I
FINANZSTANDORT
N
och lässt sich die Zeitschiene des
britischen EU-Austritts nicht abse-
hen. Zunächst muss Großbritannien
einen offiziellen Antrag zum Austritt ein-
reichen. Danach startet eine bis zu zwei
Jahre dauernde Verhandlungsfrist, in der
England und die EU über ihre künftigen
Beziehungen verhandeln. Zu den Haupt-
profiteuren des Brexit zählen nachAnsicht
der Immobilienbranche der deutsche
Immobilienmarkt und der Finanzplatz
Frankfurt. Laut einer aktuellen Befragung
durch das Beratungsunternehmen EY er-
warten 72 Prozent der Befragten, dass
Frankfurt am meisten von einem Austritt
des Vereinigten Königreiches aus der EU
profitierenwird. Gute Noten erhält Frank-
furt als Alternative zum Standort London
Brexit:
Who is the winner?
Knapp 60 Prozent der Bürger Großbritanniens stimmten im
Juni in einem Referendum für den Austritt ihres Landes aus
der Europäischen Union. Marktexperten zu den möglichen
Auswirkungen des Brexit auf den Finanzstandort Frankfurt
und seinen Büro- und Wohnimmobilienmarkt.
Foto: Helaba; Jones Lang LaSalle; Bulwiengesa AG; TH Real Estate; GEG; Stadt Frankfurt
auch von 360 Bankern aus Großbritan-
nien, Frankreich, den USA und Deutsch-
land, so eine Umfrage der Boston Consul-
ting Group. Geschätzt werde vor allemdie
ökonomische und politische Stabilität in
Deutschland und die Verfügbarkeit qua-
lifizierter Arbeitskräfte. Die Bedeutung
Frankfurts als Finanzplatz wird noch stei-
gen, wenn sich die Stadt als Sitz der fusio-
nierten Börse etablieren kann. Nach den
Aktionären der Londoner Börse gaben am
26. Juli auch die Anteilseigner der Deut-
schen Börse grünes Licht zum deutsch-
britischen Zusammenschluss. Nun müs-
sen noch die hessische Börsenaufsicht und
die EU-Kommission zustimmen.
«
Gabriele Bobka
„Frankfurt ist der größte Finanzplatz auf dem Kontinent.
Wir geben ein Signal an Unternehmen in London, die sehr bald
einen Platz im Euroraum suchen. Wir sind mit unserer zentralen
Lage, einem Weltflughafen, einem großen Wissenschaftsap-
parat, vielen Finanzinstituten und hervorragend qualifizierten
Fachkräften ein erstklassiger Standort. Aber wir müssen für uns
werben, denn es wird ein starker Wettbewerb mit Paris, Dublin
oder Amsterdam. Wir sehen große Chancen für uns, aber es
wird kein Selbstläufer.“
Volker Bouffier,
hessischer Ministerpräsident
STATEMENTS
HELGE SCHEUNEMANN:
„Dass dem Referendum auch ein
realer Brexit folgen wird, dürfte un-
strittig sein. Offen ist die Frage nach
der konkreten Umsetzung und – vor
allem – den daraus resultierenden
Rahmenvereinbarungen für die
künftigen Beziehungen der EU mit
dem Vereinigten Königreich. Inso-
fern ist auch die Frage nach den
Auswirkungen des Brexit auf Frank-
furt inhaltlich und zeitlich relativ zu
sehen. Wann genau was passieren
wird, ist nicht vorhersehbar. Um
es auf den einfachsten Nenner zu
reduzieren: Negativ werden die
Folgen für die Finanzmetropole am
Main unter gar keinen Umständen
sein. Der positive Rest gehört ins
Reich der Hoffnungen, Erwartungen
und Vermutungen. Unter bestimm-
ten Voraussetzungen könnte
Frankfurt fraglos zu den Brexit-
Gewinnern zählen, neben Dublin
und Paris. Bekanntlich ist Frankfurt
nach London Europas größter Fi-
nanzplatz. Zudem sitzen wichtige
Institutionen wie die Europäische
Zentralbank und die Versicherungs-
aufsicht Eiopa am Main. Als Über-
siedlungskandidat an vorderster
Front von London nach Frankfurt
wäre die Europäische Bankenauf-
sichtsbehörde (EBA) zu nennen.
Und ob die fusionierten Börsen von
Frankfurt und London tatsächlich an
die Themse ziehen werden, ist zu-
mindest eine offene Frage. Konkret
könnten in den nächsten drei bis
fünf Jahren 5.000 neue Arbeitsplät-
ze in Frankfurt geschaffen werden.
Vornehmlich durch Unternehmen
aus dem Bereich Finanzdienstleis­
tungen, aber auch durch FinTechs
und Start-ups. Dass dies positive Ef-
fekte auf den Immobilienmarkt ha-
ben dürfte, liegt auf der Hand. Auf
Investorenseite könnte es sogar
ein erhöhtes Interesse am Erwerb
von Projektentwicklungen (Forward
Deals) geben, um sich hochwertige
neue Büroflächen zu sichern.“
Helge Scheu-
nemann,
Head
of Research
Germany, JLL
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