Region Report Frankfurt - page 18

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REGIONREPORT
FRANKFURT
I
BÜROMARKT
hat bereits 10.000 Quadratmeter in der
City-West abgeschlossen, andere Banken
werden wenigstens in ähnlicher Größen-
ordnung folgen. Interessant ist in diesem
Zusammenhang allerdings, dass wir be-
sonders größere Gesuche eher in den
an den Central Business District (CBD)
angrenzenden Teilmärkten sehen. Hier
finden wir Firmen, die noch in weniger
attraktiven Teilmärkten sitzen und sich
lagetechnisch verbessern möchten. Hoch
imKurs sind die Gebäude um den Haupt-
bahnhof und dicht an der Bankenlage: Sie
profitieren zweifelsfrei von guter ÖPNV-
Anbindung und passender Infrastruktur,
freilich ohne die hohen Premiummieten
des CBD aufrufen zu müssen.
Beste Beispiele für diese Sonderlagen
sind nicht zuletzt die Gebäude Pollux und
Kastor, mit deren Vollvermietung bis zum
Ende des Jahres zu rechnen ist. Sind diese
letzten Schlupflöcher allerdings vermietet,
müssen sich Firmen zukünftig kompro-
misslos zwischen den hohen CBD-Mieten
und deutlich entfernteren Lagen wie zum
Beispiel der City-West entscheiden. Das
kann im Einzelfall sehr schnell auf die
Stimmung drücken, wenn sich der rasche
Entscheider durchsetzt und die eine oder
andere Firma gegen ihren ursprünglichen
Plan im Bestand verlängern muss. Wäre
einUmzug zwingend erforderlich,müssten
Abstriche bei der Lage gemacht werden
oder es wäre ein höherer Mietpreis zu ent-
richten. BeimBlick auf die aktivenGesuche
in der Bankenlage sticht ins Auge, dass
der Teilmarkt momentan eher CLD, also
Central Lawyer District, heißen müsste,
da momentan über 30.000 Quadratmeter
Z
um besseren Verständnis der Gegen-
wart und um dem Blick in die Glasku-
gel einen halbwegs stabilenRahmen zu
geben, sollten wir zunächst einmal einen
Blick auf das Jahr 2015 und besser noch
auf die Jahre 2013 bis 2015 werfen.
In dieser jüngeren Vergangenheit war
es nicht einfach, dem Frankfurter Büro-
markt überhaupt eine erwähnenswerte
Meldung abzuringen – beispielsweise lag
die größte Anmietung 2015 lediglich bei
eher bescheidenen 7.000 Quadratmetern
(nicht berücksichtigt der fünfstellige Ei-
gennutzerabschluss). Die traditionellen
Akteure der hessischen Immobilienhoch-
burg, die Banken und Finanzdienstleister,
waren hauptsächlich mit sich selbst be-
schäftigt. Eine Nabelbeschau ohne Ende.
Und auch sonst schien sich niemand, der
nicht unbedingt musste, mit dem Thema
Büro oder gar Büroanmietung auseinan-
dersetzen zu wollen.
DIE SUCHE NACH NEUEN IMPULSEN
Nicht
ohne Grund wurden in diesen zurücklie-
genden drei Jahren zwangsläufig Überle-
gungen angestellt, wer demMarkt zukünf-
tig denn überhaupt neue Impulse geben
könne. Der Blick richtete sich zunehmend
auf andere Branchen und Nutzer außer-
halb des „Establishments“, wie zum Bei-
spiel Start-ups und die viel beschriebene
FinTech-Branche (siehe auch Beitrag auf
Seite 20/21). Man blieb ratlos.
Aber die zaghaften Versuche, Frank-
furt 4.0 herbeizureden oder gar zu gestal-
ten, werden wohl jetzt schnell wieder zur
Seite gelegt werden, da die guten altenMo-
toren wieder zu laufen beginnen. 2016 hat
Nach dem großen Stillstand im Büromarkt:
Wieder Business as usual am Main?
Die jüngere Vergangenheit auf dem Bürovermietungsmarkt in Frankfurt war geprägt von
quälender Ruhe, ja schon fast von einem Gefühl des Stillstands. Nichts und niemand bewegte
sich. Inzwischen zieht die Nachfrage wieder an. Also alles gut, kein Grund zur Sorge?
die Nachfrage der Hauptplayer – Banken,
Finanzdienstleister und Kanzleien – wie-
der deutlich angezogen. Plötzlichwird von
einem Stau gesprochen, der sich in den
letzten Jahren quasi unmerklich unter-
halb derWahrnehmungsschwelle gebildet
hat und der sich erfreulicherweise nun in
Form von aktiven Bürogesuchen wieder
auflöst. Also alles gut, keinGrund zur Sor-
ge? Business as usual am Main?
Selbst wenn es tatsächlich ein Stau ge-
wesen sein sollte, der sich im Mainhattan
des Jahres 2016 auflöst und der sogar, was
sehr unüblich für diese Stadt wäre, dazu
führt, dass Firmenmit größerenGesuchen
imWettbewerb umdie besten Flächen ste-
hen – wie geht es zukünftig weiter? Was
sind die Perspektiven für den Büromarkt
der deutschen Finanzmetropole?
BEDARF VOR ALLEM IN TEILMÄRKTEN
Schauen wir uns zunächst das aktuelle
Marktgeschehen an. Hier tummeln sich
die üblichen Verdächtigen: Die Bahn mit
einem potenziellen Großgesuch bis zu
40.000 Quadratmeter, die Commerzbank
Wer sind in Frankfurt
die Büronutzer von mor-
gen? Diese unbequeme
Frage steht in der Stadt
seit Jahren im Raum –
und sie bleibt konse-
quent unbeantwortet.
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