Region Report Frankfurt - page 24

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REGIONREPORT
FRANKFURT
I
WOHNEN
rung, die nur partnerschaftlich zu lösen
ist“, sagt Frankfurts Oberbürgermeister
Peter Feldmann. Er strebe Kooperationen
über Gemarkungsgrenzen hinweg an, die
das dringend benötigte Gemeinschaftsge-
fühl in der Region stärken. „Wohnungs-
neubau muss zu unserem gemeinsamen
Projekt werden, die angespannte Wohn-
situation endet nicht an der Frankfurter
Stadtgrenze“, betont Feldmann.
FRANKFURT AUF DER SUCHE NACH WOHN-
RAUM
In der Kernstadt Frankfurt fehlen
nach dem aktuellen Bericht des Woh-
nungsamts schon jetzt 30.000 Woh-
nungen. Rund 372.000 Wohnungen ste-
hen 401.000 Haushalte gegenüber. Das
entspricht einem Versorgungsgrad von
nur 92,6 Prozent. Aufgrund des Woh-
nungsmangels stieg die Durchschnitts-
miete von 2008 bis 2014 um 10,5 Prozent
auf 7,90 Euro pro Quadratmeter, die
Wohnimmobilienpreise kletterten um
25 Prozent. Zur Schaffung von neuem
Wohnraum setzt die Stadt auf die Inten-
sivierung von Bebauungsplanverfahren,
eine verstärkte Ausweisung von Bauland,
die Konversion von Brachen, die Um-
nutzungen von Gewerbe- in Wohnraum
und auf die Nachverdichtung bestehender
Areale. Das Wohnbaulandentwicklungs-
programm 2015 der Stadt geht von einem
Gesamtpotenzial von 40.000 Wohnungen
aus. Weiteres Flächenpotenzial bietet der
Frankfurter Baulückenatlas, der rund 550
Grundstücke ausweist. Um diese Brachen
und mindergenutzte Grundstücke ei-
ner neuen Bebauung zuzuführen, wurde
ein kommunaler Liegenschaftsfonds mit
D
ie Bevölkerung der Region Frank-
furtRheinMain wächst und dieWirt-
schaft brummt. Eine Folge dieser po-
sitiven Entwicklung ist die Verknappung
vonWohnraum, vor allem impreiswerten
Segment. Die Prognosen gehen davon aus,
dass die Bevölkerungszahl bis 2030 um8,5
Prozent auf 2,4 Millionen ansteigen wird.
Der Regionalverband FrankfurtRhein-
Main hat darauf aufbauend einen Bedarf
von gut 184.000 Wohnungen bis 2030
ermittelt. Der Bestand von heute (gut 1,1
MillionenWohnungen)müsste imDurch-
schnitt des Verbandsgebiets bis dahin um
rund 17 Prozent steigen. Allen Kommu-
nen ist gemein, dass sie einen hohenWoh-
nungsbedarf bis 2030 haben. Dieser liegt
zwischen acht und 22 Prozent gemessen
am heutigen Bestand. Allein in Frankfurt
fehlen bis 2020 noch 38.000 Wohnungen,
für den langen Zeitraum bis 2030 sogar
73.000. Für den Zeitraum bis 2020 liegt
der Wohnungsbedarf in der Region bei
14.600 Wohnungen pro Jahr, zwischen
2020 und 2030 bei 8.200 Wohnungen pro
Jahr. Rund 15 Prozent des Gesamtbedarfs
sind für Flüchtlinge eingeplant.
Da von 2010 bis 2014 nur knapp 6.500
pro Jahr gebaut wurden, wäre zur De-
ckung des Bedarfs von 14.600Wohnungen
pro Jahr bis 2020 eine Verdoppelung der
derzeitigen Bauintensität erforderlich. Im
vergangenen Jahr wurden im Verbands­
gebiet 8.979 Wohnungen fertiggestellt
und 10.215Wohnungen genehmigt. „Alle
Städte undGemeinden imVerbandsgebiet
müssen sich der Herausforderung stellen,
die Angebotslücke im Wohnungsbau zu
schließen“, appelliert Verbandsdirektor
Foto: HHVISION
Ludger Stüve (SPD). Dazu sei es auch er-
forderlich, in Stadt undUmland dichter zu
bauen, gezielt Innenentwicklungsflächen
zu mobilisieren und neue Baugebiete aus-
zuweisen.
KOMMUNEN MÜSSEN WOHNUNGSPOTEN-
ZIALE AKTIVIEREN
Dem ermittelten Woh-
nungsbedarf stehen laut Verband allein
auf den rund 2.100 Hektar Reserveflä-
chen des Flächennutzungsplans Kapazi-
täten für bis zu 92.000 Wohnungen zur
Verfügung. Hinzu kommen bis zu 40.000
Wohnungen, die in Baulücken realisiert
werden könnten. Eine vom Verband be-
auftragte Auswertung zu den Potenzialen
von Aufstockungen der TU Darmstadt
sieht zudem im Verbandsgebiet ein the-
oretisches Aufstockungspotenzial für
93.000 Wohnungen. Von diesen könnten
schätzungsweise bis zu 15.000 Woh-
nungen kurzfristig realisiert werden. Wei-
teres Potenzial besteht zudem in der Nach-
verdichtung bestehender Siedlungen und
im Bau von Hochhäusern. Zwar stoßen
Nachverdichtungen nicht immer auf Ge-
genliebe bei der bereits dort wohnenden
Bevölkerung, sie dürften aber nach Ein-
führung des neuen Baugebietstyps „Ur-
banes Gebiet“ in das Bauplanungsrecht
zunehmen. Gerade Siedlungen der 1950er
und 1960er Jahre weisen häufig großzü-
gige Grün- und Hofflächen auf. Zudem
lassen sich über den Erlös der Neubauten
auch die Sanierungen und Anpassungen
an die heutigen Nutzerwünsche wirt-
schaftlich darstellen. „Der Wohnungsbau
ist für den gesamten Ballungsraum im Sü-
denHessens eine erhebliche Herausforde-
Perspektivenwechsel
Bis 2030 wird Frankfurt weiter wachsen. Wohnraum ist
knapp, die Flächenpotenziale ungleichmäßig verteilt.
Die Zusammenarbeit in der Region ist gefragt und Brachen
und Nachverdichtung gewinnen an Attraktivität.
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