PERSONALquarterly 3/2019 - page 7

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03/19 PERSONALquarterly
oder „Neuronale Netze“ bewerben. Worauf sollten Unternehmen
achten, wenn sie solche Angebote genauer prüfen möchten?
Stefan Strohmeier:
Ein erster Punkt betrifft die Prüfung, ob An-
bieter tatsächlich KI verwenden oder ob lediglich das derzeit
große Interesse an KI für Marketingzwecke verwendet wird.
Damit eng zusammenhängend sollten Anbieter zweitens in
der Lage sein, ihr Produkt und die darin implementierten
KI-Methoden umfassend und verständlich zu erklären. Mit
„Black Box“-Anbietern, die dies nicht können oder nicht wol-
len, sollte man vorsichtig sein. Drittens sollten Anbieter eine
Validierung ihrer Produkte vorgenommen und diese veröf-
fentlicht haben. Die Ergebnisse lernender KI-Algorithmen
sollten beispielsweise an Testdatenmengen überprüft worden
sein und daraus resultierende KI-spezifische Gütemaße, wie
zum Beispiel Support, Konfidenz oder Fehlerrate, sollten auf-
geführt sein. Weiter sind statistisch abgesicherte Vergleiche
der Ergebnisse der KI mit den Ergebnissen anderen Verfah-
ren sinnvoll. Prognostiziert ein KI-Algorithmus beispielswei-
se Persönlichkeitsfaktoren von Bewerbern, ist ein Vergleich
mit den Ergebnissen eines konventionellen berufsbezogenen
Persönlichkeitstests hilfreich, um die Validität einzuschätzen.
Von nichtvalidierten Produkten sollte Abstand genommen wer-
den, weil letztlich keine Aussage über die Güte der generierten
Entscheidungsunterstützung möglich ist. Schließlich sollten
Anbieter angesichts einer kürzlich verschärften Datenschutz-
gesetzgebung die Rechtssicherheit ihrer Produkte nachweisen
können, um unangenehme Überraschungen für den Anwender
zu vermeiden.
PERSONALquarterly:
Sie sprechen die „Black Box“ an, dass also
die tatsächliche Entscheidung durch den KI-Algorithmus nicht
nachvollziehbar ist. Wie kann die Transparenz für Entscheider
und für Mitarbeiter erhöht werden, die von den Entscheidungen
betroffen sind?
Stefan Strohmeier:
Leider gibt es auf diese Frage nur eine eher
unbequeme Antwort: Man muss sich auf KI einlassen, das
heißt, zumindest dem Grundsatz nach muss man verstehen,
was KI ist, welche Algorithmen existieren, wie diese vorgehen,
und was mögliche Anwendungsgebiete und Ergebnisse sind.
Nur auf dieser Basis kann ein Verständnis für die Einsatz­
UNIV.-PROF. DR. STEFAN STROHMEIER
Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere
Management-Informationssysteme
Universität des Saarlandes
E-Mail:
Univ.-Prof. Dr. Stefan Strohmeier ist Inhaber des Lehrstuhls für
Management-Informationssysteme an der Universität des Saar-
landes. Er forscht, lehrt und berät im Bereich HR-Technologien
und digitales Personalmanagement.
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