wirtschaft und weiterbildung 10/2015 - page 46

training und coaching
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wirtschaft + weiterbildung
10_2015
ziale in Freiburg. Bereits seit über einem
Jahr biete man Anwendern von Motiv-
analysen die Möglichkeit, mit der MPA
„Deutschlands erste Motivdiagnostik mit
wissenschaftlicher Empfehlung“ paral-
lel einzusetzen. 140 MPA-Experten habe
man bereits zertifiziert. Die MPA erfasst
26 Motive, darunter zum Beispiel „Na-
türlichkeit“ als das Streben nach boden-
ständigem Verhalten oder „Durchführung
als das Streben nach der Umsetzung von
Vorgaben.“ Im Gegensatz zum Instru-
ment „Reiss Profile“ wird nicht danach
gefragt, was „wichtig“ ist, sondern, was
„Freude bereitet“ – also „gezielt nach der
Emotion“. Das Entwickler-Team habe in
den Jahren 2012 und 2013 gemeinsam
mit der Diagnostik-Expertin und Diplom-
Psychologin Dr. Susanne Steiner am
Lehrstuhl für Motivations- und Volitions-
Die Reaktion kam recht prompt. Kaum
war bekannt geworden, dass die Reiss
Profile Europe B.V. den Lizenzvertrag für
„Reiss Profile“ in Deutschland zum 30.
Juni 2017 gekündigt hatte, verschickte
Stefan Lapenat am 9. Juli eine Presse-
meldung zum „Kennenlern-Angebot der
Motivations-Potenzial-Analyse (MPA)“
für Reiss-Nutzer. Lapenat ist Geschäfts-
führer des Instituts für Motivationspoten-
„Wie ein Test aus einer
Frauenzeitschrift“
TESTVERFAHREN.
Weil die Lizenz für den psychologischen Test „Reiss Profile“ im Jahr
2017 auslaufen wird, werben drei Coachs für die von ihnen entwickelte „Motivations­
potenzialanalyse MPA“ als „wissenschaftlich empfohlene“ Alternative. Doch Belege für
die Aussagekraft des Tests gibt es bisher nicht.
Motivationsanalyse „Reiss Profile“: rätselhaftes Zerwürfnis
„Wir mussten einfach feststellen, dass Steven Reiss in den
letzten Monaten neue Vorstellungen zum Geschäftsmodell
des Reiss Profile entwickelt hat, die nicht mit dem zusam­
menpassen, was in unserem gültigen exklusiven Lizenz­
vertrag mit ihm vereinbart ist“, erklärt RPE-Gesellschafter
Thomas Staller auf der Website
in
News.
Die Reiss Profile Europe B.V. (RPE) beendet ihre Zusammenarbeit mit der IDS Publishing
Corporation (IDS), dem Unternehmen des Amerikaners Professor Steven Reiss, zum 30. Juni 2017.
Steven Reiss (rechts)
und einer seiner Statthalter in
Europa (Peter Boltersdorf) im Jahr 2011 in Wien.
Vertrauen und das seiner Mitgesellschafter Peter Bolters­
dorf und John Delnoy sei daher erschüttert. Aus Sorge,
„bei einer Fortsetzung der Zusammenarbeit wichtige qua­
litative Entwicklungsschritte des Geschäfts nicht gehen
zu können“, habe man den Vertrag gekündigt. Man wolle
mit einem neuen Angebot auf den Markt kommen und für
einen reibungslosen Übergang sorgen. Was genau hinter
dem Zerwürfnis steckt und wie das neue Angebot ausse­
hen soll, bleibt rätselhaft. Eine Anfrage an Boltersdorf blieb
unbeantwortet.
Professor Steven Reiss erklärt dagegen, das Reiss Pro­
file werde auch weiterhin in Deutschland verfügbar sein.
Obwohl er bereits seit 2008 im Ruhestand weile, sei er wei­
ter in der Forschung aktiv. Im Oktober werde sein neues
Buch „16 Strivings for God: New Psychology of Religious
Experiences“ veröffentlicht, das sich mit der Motivation für
religiöse Erfahrungen beschäftige. Eine Gefahr der fehlen­
den Weiterentwicklung sehe er nicht. Er sei geradezu stolz
auf seine aktuelle Forschung zu Motivation bei Autismus.
Bärbel Schwertfeger
Foto: Pichler
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