personalmagazin 07/2015 - page 78

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PERSÖNLICH
_SOFTWARE-EINSATZ
personalmagazin 07/15
S
eit etwa fünf Jahren führen
viele Unternehmen vermehrt
IT-Systeme ein, um damit HR-
Prozesse zu unterstützen. Hin-
tergründe dieses Trends sind zum einen
die beschleunigte Entwicklung von Per-
sonal-IT-Systemen und zum anderen die
zunehmende Digitalisierung aller Ge-
schäftsprozesse und Businessmodelle,
die auch die Nachfrage nach digitalen HR-
Lösungen vorantreibt. Heute muss kaum
noch ein Prozess im Personalbereich
ohne Systemunterstützung auskommen.
Überall steht die Digitalisierung auf der
Agenda, HR-Profis sind als aktive Mitge-
stalter dieser Transformation gefragt.
Man muss kein IT’ler sein
Eine wichtige Botschaft vorneweg: Man
muss kein IT’ler sein, um IT-Projekte im
Personalbereich zu begleiten. Die Zeiten,
in denen man dafür system- oder techno-
logiespezifisches Know-how haben muss-
te, sind vorbei. Damit entfällt auch ein
Hauptgrund für die spontane Abneigung
gegen HR-IT-Projekte. Wichtig bleibt al-
lerdings, was man mit dem IT-System er-
reichen will. Denn das System selbst löst
die Probleme nicht. Systeme können nur
dann erfolgreich sein, wenn HR-Profis
zuvor Ziele und Prozesse klar definieren.
Der Charakter der Projekte hat sich
deutlich verändert. Der Prozessteil do-
miniert inzwischen klar. Es kommt ab
und zu noch vor, dass die IT-Abteilung
strategische Vorgaben macht, was Liefe-
ranten angeht, um die Systemlandschaft
sinnigerweise homogen zu halten. Doch
Von
Armin von Rohrscheidt
dank der Marktkonsolidierung und der
dadurch stetigen Erweiterungen des
Portfolios der einzelnen Anbieter hat das
kaumnoch negative Auswirkungen. Auch
die bis vor Kurzem noch heiß diskutierte
Frage „Cloud oder nicht Cloud?“ stellt
sich eigentlich kaum noch. Denn heute
stehen zum Beispiel die Rechenzentren
in Europa und werden nach höchsten
europäischen Sicherheitsanforderungen
betrieben.
Chancen für HR-Profis
Für HR-Profis bedeutet diese Trans-
formation von analogen zu digitalen
HR-Prozessen eine große Chance. Sie
bietet sich auf ganz unterschiedlichen
Ebenen. Zum einen fordert und fördert
die Transformation Kompetenzen, die
sich nicht einfach durch ein Training
oder Seminar aneignen lassen. Sie bil-
den sich erst durch den aktiven Einsatz
in Transformationsprojekten aus. Dieser
Lernprozess fängt mit dem Projektma-
nagement an. Auch hier hat sich in den
vergangenen Jahren viel getan. Projekt-
management ist viel agiler geworden.
Statische Meilensteinprojektpläne, die
stur avisiert einmal pro Woche in einem
Jour fixe besprochen und dann doch
nicht eingehalten werden, gehören der
Vergangenheit an. Die durchschnittliche
Dauer von HR-IT-Projekten verkürzt sich
dadurch zunehmend. Haben Unterneh-
men früher Projekte in Zeiträumen von
zwei bis vier Jahren geplant, aufgesetzt
und ausgerollt, so sind es heute meist
wenige Monate – besonders wenn es
sich um Cloud-Anwendungen handelt.
Neue, agile Entwicklungsmethoden
wie Scrum, aber auch die Nutzung von
Kollaborationsplattformen wie Share-
point oder Projectplace sind inzwischen
Standard geworden. Die Rückmeldezyk­
len verkürzen sich deutlich, Projekt-
teams rücken virtuell zusammen, die
Transparenz erhöht sich. Durch das
Wirken an einem virtuellen Ort ist für
alle Beteiligten der Status jederzeit er-
sichtlich.
Die hier erlernten Methoden lassen
sich für alle Arten von Projekten anwen-
den. Sie sind die ersten Vorboten für
die neue, digitalere und auch globalere
Arbeitswelt. Denn nicht selten sitzen
Teile des Projektteams nicht mehr im
gleichen Land, geschweige denn auf
dem gleichen Kontinent. Hierbei können
HR-Profis zum einen eine Vielzahl von
Kompetenzen stärken. Zum anderen ler-
nen sie am lebenden Beispiel, was diese
neuen und agileren Methoden für das
Business und für das HR-Management
insgesamt bedeuten und bereiten sich so
Eine einmalige Chance
TIPPS.
Die Digitalisierung von Prozessen im Personalbereich bietet den HR-Profis die
Möglichkeit, individuelle und teamübergreifende Schlüsselfähigkeiten zu entwickeln.
Die Transformation von
analogen zu digitalen
HR-Prozessen fordert
und fördert Kompeten-
zen, die sich nicht ein-
fach durch ein Training
aneignen lassen.
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