CONTROLLER Magazin 3/2016 - page 6

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Der Unternehmenskultur wird ein bedeutender
Einfluss auf Unternehmenserfolg und Wettbe-
werbsfähigkeit zugeschrieben. Ihr Einfluss
wächst angesichts der wachsenden Bedeutung
von Innovation und Veränderungen, Digitalisie-
rung und Wissen. Die Unternehmenskultur ist
aber auch eine komplexe Größe, die schwer zu
erfassen und zu gestalten ist. Als „weiche Grö-
ße“ unterliegt sie zahlreichen Besonderheiten.
Wie kann man die Unternehmenskultur gestal-
ten und beeinflussen, ihren Wert- und Erfolgs-
beitrag erfassen und berichten, vielleicht auch
bewerten? Diese und weitere Fragen sind Ge-
genstand des nachfolgenden Dialogs.
Biel:
Herr Dr. Schönborn, verfolgt man die Be-
richterstattung über Probleme und Schieflagen
von Unternehmen, fällt neben Strategie bzw.
Strategiewechsel, Compliance usw. vielfach
auch das Stichwort Unternehmenskultur oder
Kulturwandel. Werden Kulturfragen neu ent-
deckt oder nun wichtiger genommen?
Dr. Schönborn:
„Entdeckt“ ist die Unterneh-
menskultur allenthalben, sie erlebt sogar eine
regelrechte
„Themenkarriere“
, die mit dem
Schlagwort der Worklife Balance ausgedrückt
wird und mit dem soziodemografischen Wandel
begründet ist, der zur Verknappung der Res-
source Mitarbeiter geführt hat. Es gibt kaum ein
Unternehmen, das von sich nicht behauptet, die
Unternehmenskultur wichtig zu nehmen, viele
behaupten sogar, sie in den Vordergrund zu
stellen.
Biel:
Welche Gründe oder Anlässe sehen Sie
für diese Entwicklung?
Dr. Schönborn:
Dies steht im Zusammenhang
mit einer wahrnehmbaren Abkehr von der ratio-
nalistischen, ökonomischen Schule
hin zu ei-
ner werteorientierten oder ethikbasierten
Sichtweise auf die Wirtschaft.
Sie entwickelt
sich zu einer Anspruchshaltung, die wir inzwi-
schen auch in den Leitartikeln wirtschaftsnaher
Medien lesen – Werte gehören inzwischen zum
guten Ton.
Biel:
Gibt es betriebliche Funktionen, die sich
hinsichtlich der von Ihnen skizzierten „neuen
Sichtweise“ besonders hervortun?
Dr. Schönborn:
Dies haben zwei Disziplinen in
den Unternehmen besonders gut erkannt. Das
ist zum einen die
Unternehmenskommunika-
tion
, die werteorientiertes Wirtschaften in die
Positionierung der Unternehmen bringt und
zum anderen sind das die Personaler, die für
das Employer Branding zuständig sind. Sie
erkennen, dass die Bewerber der Generation Y
Unternehmenskultur – Sozialromantik oder
betriebswirtschaftlicher Erfolgsfaktor?
Interview mit Dr. Gregor Schönborn, Deep White GmbH
von Alfred Biel
Interview zum Thema: Unternehmenskultur – Sozialromantik oder betriebsw. Erfolgsfaktor?
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