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SOFTWAREGUIDE
REAL ESTATE
2018
I
MAKLER-IT
E
s war ein Frühlingstag vor gut zwei Jah-
ren, als das Berliner Start-up smmove
zur Pressekonferenz lud. Vorgestellt
wurde ein Portal, das der Wohnungsver-
mietung neue Impulse geben sollte: Nach
dem Matching-Prinzip sollten Vermieter
diejenigen Interessenten aussuchen kön-
nen, die am besten ihren Anforderungen
entsprachen. Von einer „Revolution der
Immobilienfindung“ sprachen die sm-
move-Macher und warfen den etablier-
ten Immobilienportalen vor, „auf halbem
Weg“ der Digitalisierung stehen geblieben
zu sein.
Heute ist von den ehrgeizigen Ankün-
digungen nichts übrig geblieben. Smmove
ist genauso längst vomMarkt verschwun-
denwie Vendomo, ein vonRocket Internet
auf den Weg gebrachtes Start-up, und an-
dere Jungunternehmen, welche die neu-
en technologischen Möglichkeiten für die
Vermittlung vonWohnungen nutzbarma-
chen wollten. „Wir haben eine erhebliche
Marktbereinigung gesehen“, stellt deshalb
Stephan Kippes fest, Geschäftsführer der
IVD-Institut GmbH und Professor im
Studiengang Immobilienwirtschaft an der
Hochschule für Wirtschaft und Umwelt
Nürtingen-Geislingen.
Und doch tummeln sich noch immer
Start-ups auf diesem Feld, die zumindest
teilweise den Anspruch erheben, sowohl
die klassischen Makler als auch die eta-
blierten Immobilienportale anzugreifen.
Revolutioniert innovative Makler-IT also
das Geschäft mit der Wohnungsvermitt-
lung? Wie wirken sich die Umwälzungen
Algorithmus versus Makler
Vor gut zwei Jahren haben sich die ersten Start-ups angeschickt, die Welt der Immobilien-
vermittlung zu revolutionieren. Trotz innovativer Software im Einsatz wird deutlich:
Den klassischen Makler wird es auch künftig geben. Nur seine Aufgabe verändert sich
gerade. Doch damit stehen auch die großen Immobilienportale unter Druck.
der Branche auf die großen Portale aus?
Und werden amEnde gar dieMakler kon-
ventionellen Typs überflüssig?
DAS SOFTWARE-UNTERNEHMEN
„Unsere
Softwaremacht denMakler nicht überflüs-
sig“, antwortet Nicolas Jacobi, Mitgründer
des Hamburger Start-ups Immomio. „Wir
sind auch kein Makler, sondern ein reines
Software-Unternehmen, dasMaklern und
Hausverwaltungen eine innovative Soft-
ware zur Verfügung stellt.“ Diese Software
digitalisiert den Vermietungsprozess und
filtert per Algorithmus diejenigen Inte-
ressenten heraus, die den Kriterien des
Vermieters am besten entsprechen. Das
erinnert an das einstige smmove-Prinzip
– doch anders als die gescheiterten Ber-
liner verstehen sich die Hamburger eben
nicht als Immobilienportal, sondern als
IT-Dienstleister. Damit haben sie sich auf
dem Markt etabliert: Jacobi zufolge hat
Immomio mittlerweile über 70 Kunden
von kleinen Hausverwaltungen bis hin zu
großen Wohnungsunternehmen.
Jacobi nennt auch den Treiber, der
den Anstoß für die Gründung seines und
zahlreicher anderer Start-ups gegeben hat:
die Einführung des Bestellerprinzips für
Mietwohnungen im Jahr 2015. Dadurch
seien die Provisionen unter Druck gera-
ten, blickt der Immomio-Gründer zurück.
In diesem Bereich Geld verdienen könne
deshalb nur noch, wer den Aufwand re-
duziere – und da komme die Software von
Immomio ins Spiel. „Damit haben wir ein
hochskalierbares Produkt“, sagt Jacobi. Bei
Start-ups wollen mittels
innovativer Software die
Wohnungsvermittlung digita-
lisieren. Viele dieser jungen
Unternehmen sind jedoch
bereits wieder vom Markt
verschwunden.