Anhang: Master-Studium
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mba kompendium
2017/18
So richtig durchgesetzt hat sich der Grundgedan-
ke der Bologna-Reform in Deutschland noch nicht.
Denn der eigentliche Charme des Konzepts liegt da-
rin, dass Bachelor-Absolventen erst einmal Berufs-
erfahrung sammeln und später vielleicht noch ein
Master-Studium absolvieren, sei es um ihr Fachwis-
sen zu vertiefen oder sich in einem anderen Bereich
weiterzubilden. Doch derzeit nutzen die meisten
Bachelor-Absolventen diese Möglichkeit nicht und
beginnen direkt nach ihrem Bachelor-Abschluss mit
einem Master-Studium.
Dabei hat das „späte“ Master-Studium durchaus
seine Vorteile. Man weiß aufgrund seiner Praxiser-
fahrungen, ob einem ein Fachbereich überhaupt
liegt. Manche entdecken auch ganz neue Bereiche,
in denen sie gern arbeiten wollten. Da erkennt
der Bachelor-Absolvent eines technischen Studi-
engangs vielleicht sein Faible für Personal- oder
Finanzthemen, der Absolvent eines betriebswirt-
schaftlichen Bachelor-Studiums interessiert sich
plötzlich für Nachhaltigkeit oder Technologiema-
nagement. Dabei wird zwischen konsekutiven und
nicht-konsekutiven Studiengängen unterschieden.
Bei den ersteren dient der Master der Vertiefung
oder Spezialisierung des im Bachelor-Studium ab-
solvierten Fachbereichs. Wer Betriebswirtschaft
studiert hat, fokussiert sich im Master zum Beispiel
auf Personalmanagement. Konsekutive Master sind
damit das ideale Anschlussprodukt an duale Bache-
lor-Studiengänge. Beim nicht-konsekutiven Master
haben die Teilnehmer ihren Bachelor-Abschluss in
ganz unterschiedlichen Fächern gemacht. Beispiel:
Ein Bachelor in Biologie, der ein Studium zum Mas-
ter in Health Management absolviert.
Seitdem es das zweistufige Studienkonzept mit dem Bachelor- und Master-Abschluss gibt,
bieten immer mehr Hochschulen berufsbegleitende Master-Studiengänge an. Beachten Sie
bitte die Anbieterübersicht ab Seite 61.
Der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkon-
ferenz (HRK) zeigte Anfang März genau 743 weiter-
führende, berufsbegleitende Master-Studiengänge
an. 372 davon lagen im Bereich Wirtschafts- und
Rechtswissenschaften (dazu zählen auch die MBA-
Programme) und 273 davon an Fachhochschulen
und Hochschulen ohne Promotionsrecht. Die meis-
ten berufsbegleitenden Master-Programme gibt es
mit jeweils 70 Angeboten in Baden-Württemberg
und Nordrhein-Westfalen. An dritter Stelle liegt
Bayern mit 53 Programmen.
Master of Arts eher praxisorientiert
Auch im HR-Bereich haben sich inzwischen eini-
ge Master-Programme gut etabliert. Dazu kommen
immer wieder neue Angebote. Manche verschwin-
den allerdings auch mangels Nachfrage wieder vom
Markt, wie Anfang des Jahres der Executive Master
in Human Resource Management – kurz HRM-Mas-
ter – an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU)
in München.
Neben den inhaltlichen Schwerpunkten variieren
auch die Abschlüsse. Das reicht vom Master of Arts
(M.A.) über den Master of Science (M.Sc.) bis zum
schlichten Executive Master. Grundsätzlich sollte
der M.Sc. eher technisch oder mathematisch aus-
gerichtet sein. International gilt er als eher wissen-
schaftlich, während der Master of Arts eher praxis-
orientiert ist. So ganz klar ist der Unterschied aber
leider oft nicht. Das gilt auch bei der Abgrenzung
zum spezialisierten MBA-Studium. Per Definition
gilt ein MBA als eine Weiterbildung in General Ma-
nagement, bei der alle Kernfächer von Accounting,
Upgrade mit dem Master