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EINZELHANDEL
In den vergangenen fünf Jahren zeigte sich
der Retail-Investmentmarkt sehr lebhaft
und erreichte ein durchschnittliches jähr-
liches Volumen von über 660 Millionen
Euro. Seit 2011 ist die Spitzenrendite für
Geschäftshäuser in den besten innerstäd-
tischen Lagen um 70 Basispunkte auf 3,75
Prozent gesunken. Allerdings fehlt esmitt-
lerweile an einemausreichendenAngebot,
wie der auf lediglich knapp 50 Millionen
Euro geschrumpfte Investmentumsatz im
ersten Halbjahr 2016 belegt.
Und wie geht es weiter? Die Nachfra-
ge sowohl von nationalen als auch von in-
ternationalen Brands wird anhalten, weil
Frankfurt als Stadt einfach zu interessant
ist. Allerdings scheint es so, dass die Miet-
preisniveaus ihren Zenit erreichen und in
einigen Fällen (wie der Zeil) auch schon
leicht überschritten haben. Auch dem
Investmentmarkt geht im Moment etwas
die Puste aus, weil nicht genug Objekte am
Markt sind, sodass dieses Jahr wohl ein
spürbar niedrigeres Transaktionsvolumen
zu erwarten ist als in den Vorjahren.
F
rankfurt gehört traditionell zu den
wichtigsten und beliebtesten deut-
schen Einkaufsmetropolen. Allerdings
hat die Dynamik zuletzt etwas nachgelas-
sen. Ein Grund: Die Zeil war in der jün-
geren Vergangenheit mit einigen nicht
ganz einfachen Rahmenbedingungen
konfrontiert. Hierzu gehören nicht zu-
letzt mehrere Baumaßnahmen. Aktuell
sind vereinzelt Leerstände zu beobachten
– ein Phänomen, das in der Vergangenheit
kaum aufgetreten ist.
Ein weiteres Indiz für das momentan
etwas herausfordernde Umfeld ist in der
leicht rückläufigen Mietentwicklung zu
sehen. Im ersten Halbjahr 2016 ist die
Spitzenmiete auf der Zeil weiter, auf jetzt
300 Euro pro Quadratmeter, gesunken.
Allerdings darf nicht vergessen werden,
dass dies immer noch die fünfthöchste
Miete aller deutschen Top-Lagen ist. Und
auch die Tatsache, dass der etwas schwä-
Frankfurter Einzelhandel: Weiter top,
aber mit nachlassender Dynamik
Der stetige Aufwärtstrend im Frankfurter Einzelhandel ist etwas ins Stocken geraten.
Es läuft nicht mehr alles ganz so rund, wie man dies viele Jahre gewohnt war.
Woran liegt’s – und wie geht es weiter?
cheren Entwicklung auf der Zeil leichte
Mietpreisanstiege in anderen Lagen (wie
der Biebergasse, dem Steinweg und der
Kaiserstraße) gegenüberstehen, zeigt, dass
die Frankfurter Einzelhandelslandschaft
insgesamt gut positioniert ist.
ES GIBT BEWEGUNG
Auch die Nachfragesi-
tuation für Shopflächen ist trotz allem als
gut zu bewerten. Weiterhin im Fokus der
Retailer steht vor allem die Goethestraße,
aber auch die Kaiserstraße, der Roßmarkt
oder der Steinweg. Erfreulich ist, dass es
Bewegung gibt undmehrere neue Projekte
der Innenstadt Impulse verleihen werden.
Zu nennen sind hier unter anderem der
Neubau UpperZeil an der Stelle der alten
Zeilgalerie oder das ma'ro Opernquartier.
Bis 2018 wird zudem das Flare of Frank-
furt fertiggestellt. Damit wird perspekti-
visch auch dem Investmentmarkt wieder
ein neues Produkt zugeführt.
Der Einzelhandel in Frankfurt brummt nicht mehr ganz so wie früher.
Christoph
Scharf,
Ge-
schäftsführer
der BNP Paribas
Real Estate
GmbH und Head
of Retail Ser-
vices, Frankfurt
AUTOR
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Christoph Scharf, Frankfurt