CONTROLLER Magazin 6/2017 - page 107

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CM November / Dezember 2017
dass bei aller Liebe zur
Innovation auch der Profit
gesichert war und klar
wurde: Ein Controller inter-
essiert sich für viel mehr
als nur für Zahlen.
Wie kann der ICV den
Controller unterstützen?
Vorab: Controlling als „sexy“ zu vermitteln,
ist und bleibt schwer. Auch deshalb, weil so
mancher CFO oder CEO gar keinen emanzi-
pierten Controller möchte aus Angst, dass
ihm daraus Konkurrenz erwächst. Immer
mehr Firmen erkennen aber glücklicherweise
inzwischen, dass sie das „Silo-Denken“ im
Unternehmen beenden müssen. Die Abteilun-
gen und Experten müssen übergreifend mit-
einander arbeiten und füreinander da sein,
ohne Angst eines Machtverlusts. Ich erfahre
aber immer häufiger, dass andere das
genauso sehen und sich deshalb da wirklich
viel tut, was ich sehr begrüße.
Als ICV schauen wir immer nach vorne, be-
richten, was wir am Horizont als kommende
Herausforderungen entdecken und sorgen
dafür, dass wir uns innerhalb des Vereins mit
diesen Themen frühzeitig auseinandersetzen.
Wir haben dafür eine sehr wichtige Institu-
tion, die ICV-Ideenwerkstatt. Dort sind die
Trendscouts im Verein versammelt. Was die
Ideenwerkstatt als Trend und Herausforde-
rung erkennt, geben wir in unsere Fachkreise
mit konkreten Arbeitsaufträgen. Die schriftli-
chen Ergebnisse dieser Arbeiten etwa in
Form von Statements kommen unseren Mit-
gliedern zugute, die damit klare, präzise und
immer praxisrelevante Informationen an die
Hand bekommen – ein klarer Vorteil, der nur
mit einer Mitgliedschaft im ICV erworben
werden kann!
Derzeit ist auch das Stichwort „Digitali-
sierung“ im Controlling ein wichtiges...
Richtig! Deshalb haben wir unter der Feder-
führung von Prof. Dr. Andreas Seufert, ICV
Fachkreisleiter BI/Big Data und Controlling,
auch die ICV-Digitalisie-
rungsoffensive gestartet.
Für mich ist die Digitali-
sierung aber nur ein wei-
terer Baustein auf dem
Weg zu einem Umdenken
in den Unternehmen und
im Controlling: Wie
schafft es der Controller,
aus seinem Silo zu kommen und sich die
angemessene Akzeptanz für seine Arbeit zu
verschaffen? Das hat natürlich zum einen
auch etwas mit der Persönlichkeit des Con-
trollers zu tun, er muss das schon auch wol-
len. Vor allem aber hat es mit den Strukturen
im Betrieb zu tun: Ein Controller ist immer
nur so gut, wie das Unternehmen es zulässt.
Was braucht ein moderner Controller
neben einer großen Portion Überzeu-
gungskraft noch?
Er muss bereichsübergreifend arbeiten, um
für sein Unternehmen Mehrwert zu bringen.
Dazu muss er das Produkt verstehen, den
Markt kennen und wissen, wie der Kunde
tickt. Er muss serviceorientiert und sozial
kompetent sein. Und bei allem Wissen und
Können darf er niemals oberlehrerhaft auftre-
ten – vor allem bei den Vertrieblern kommt
das ganz schlecht an.
Gibt es in 10 Jahren überhaupt noch Con-
troller – und den dazu gehörenden Verein?
Controller und Controlling wird es immer
geben, da bin ich fest überzeugt. Ich glaube
sogar, dass gutes Controlling wichtiger denn
je ist und sein wird. Wo wir als Verein an
unsere Grenzen stoßen, sind zwei Dinge: die
Ehrenamtlichkeit und die persönliche Mit-
gliedschaft. Gerade junge Menschen wollen
sich nicht mehr festlegen, weder mit verbind-
lichen Verpflichtungen in einem Verein noch
mit längerfristigen vertraglichen oder finanzi-
ellen Bindungen. Sie wollen frei und unver-
bindlich leben, flexibel für Änderungen blei-
ben. Eine Vereinszugehörigkeit ist heute
nichts mehr, was zu einem Lebensentwurf
gehört. Auch das Konsumverhalten ändert
sich. Informationen und Erfahrungen werden
lieber gezogen als angeboten, was im Zeit-
alter des Internets auch schnell und einfach
möglich ist.
Wir müssen deshalb den Controllerinnen und
Controllern mehr denn je den Vorteil unserer
Community vermitteln. So, wie ich es auch in
meiner Anfangszeit erlebt habe: Aufgrund des
ständigen persönlichen Austauschs mit Ande-
ren in meinem Beruf konnte ich mir Einblicke
verschaffen und habe Sichtweisen und Tipps
erhalten, die ich sonst nie bekommen hätte.
Diese haben mir und meinem Arbeitgeber
geholfen, immer einen Schritt voraus zu sein.
Gerade heute, wo Wandel und Rollenwechsel
im Controlling gang und gäbe ist, ist der Aus-
tausch mit anderen innerhalb unserer Com-
munity enorm wichtig. Er trägt auch dazu bei,
die Denkweise in „Silos“ zu verlassen und
die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln.
Der Controller muss raus aus dem stillen
Kämmerlein. Der ICV bietet ihm dazu eine
tolle Plattform. Das ist und bleibt ein wertvoller
und unschlagbarer Vorteil des Internationalen
Controller Vereins.
Hat der ICV Sie auch persönlich verändert
oder weitergebracht?
Als Vorstandsmitglied in einem Verein habe
ich tatsächlich eines gelernt: Demut. Man
muss darauf achten, was die anderen im Ver-
ein denken, sagen und wollen. Man darf nicht
einfach über die Köpfe derjenigen, die den
Verein tragen, hinweg entscheiden. Man
muss wirklich alle überzeugen, auch wenn
das manchmal langwierig und aufreibend ist.
Aber es lohnt sich und ist überlebensnotwen-
dig für einen Verein. Genau das habe ich hier
im ICV gelernt und das gehört heute auch zu
meinen persönlichen Stärken: Man muss
Menschen mitnehmen.
Q
Lesen Sie mehr über Siegfried Gänßlen auf der
ICV-Webseite:
verein/unsere-mitglieder/im-portrait/siegfried-
gaensslen.html
Karikatur, veröffentlicht im ICV-Bulletin
für nicht-deutschsprachige Mitglieder: P. Marzec
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