DIE WOHNUNGSWIRTSCHAFT 6/2015 - page 38

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6|2015
ENERGIE UND TECHNIK
Das Ganze
im Blick
Die Wohnungswirtschaft hat eine Aufgabe: Sie bietet gutes und
sicheres Wohnen für breite Schichten der Bevölkerung. Es geht um
Quartiersentwicklung, Dienstleistungen für die Mieter, Ressour-
censchonung und selbstverständlich wirtschaftliche Rentabilität.
Das klingt überschaubar, ist aber kompliziert genug, weil mitei-
nander verwoben: Mehr von einem bedeutet fast immer weniger
vom anderen, denn die Summe der einsetzbaren Ressourcen (der
Arbeitskraft im Unternehmen, der Investitionsmittel, der ver-
fügbaren Zeit) ist im Wesentlichen konstant. Die Alternative sind
Mieterhöhungen.
Was das Wohnen betrifft, so fügt die Politik seit Jahrzenten ein Ziel
zum anderen. Als die Wohnungswirtschaft noch gemeinnützig war,
sollte Wohnen vor allem bezahlbar sein. Ab Ende der 1970er Jahre
sollte Wohnen Energie sparen. Seit den 1990er Jahren soll Wohnen
das Klima schützen, seit den 2000er Jahren barrierearm sein und
immer sicherer werden und aktuell ist die Debatte wieder bei der
Bezahlbarkeit gelandet.
Diese Ziele werden aber von verschiedenen Behörden in Gesetzen
und Verordnungen umgesetzt. Sie sind inzwischen kaum noch
überschaubar und überdies in ihren Folgen meist nicht aufeinander
abgestimmt. Berücksichtigt z. B. die Betriebssicherheitsverordnung
oder die Gefahrstoffverordnung an das Wohnen zur Miete? Gerade
im technischen Bereich ist eine Inflation detaillierter Anforderun-
gen entstanden – an Wärmezähler, Aufzüge, Trinkwassererwär-
mung, Heizkessel oder Rauchwarnmelder, an Kennzeichnung bzw.
Labeling, Information und Dokumentation, an Neubauten und
Modernisierungsmaßnahmen allgemein ...
Und nebenbei fragen wir uns, warum das Bauen so teuer geworden
ist. Das Ganze ist aus dem Blick geraten!
An alle „Macher“ von Forderungen und Anforderungen: Bedenkt die
übergeordnete Aufgabe, nämlich wie sich die Initiative auf das gute
und sichere Wohnen für breite Schichten der Bevölkerung auswirkt!
Wir sollten für jede neue Regelung eine alte abschaffen. Unbedingt
aber benötigen wir vor der Verabschiedung neuer Gesetze, Verord-
nungen und Normen eine verpflichtende Folgenabschätzung für die
Kosten des Wohnens.
Wohnen als Ganzes ist mehr als die Summe technischer Regeln.
KOLUMNE TECHNIK
Dr. Ingrid Vogler
Referentin Energie, Technik, Normung
GdW, Berlin
Zusammenarbeit
Herausforderungen für Energie-
und Wohnungswirtschaft
Im März fand die Konferenz „Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwi-
schen Wohnungswirtschaft und Stadtwerken“ des GdW Bundesverband
deutscher Immobilienunternehmen e. V. und des Verbandes kommunaler
Unternehmen (VKU) statt. GdW-Präsident Axel Gedaschko und VKU-
Präsident Ivo Gönner hoben hervor, dass sowohl die Energie- als auch die
Wohnungswirtschaft vor großen Herausforderungen stehen.
Der demografische Wandel, die Digitalisierung neuer Lebensbereiche
sowie die Energiewende würden neue Lösungen in den Bereichen Infra-
struktur und Wohnen erfordern. Die Zusammenarbeit von kommunalen
Unternehmen und der Wohnungswirtschaft böte beiden Seiten die Chan-
ce, neue Kundensegmente zu erschließen, meinte Gönner.
Dezentrale Energieerzeugung werde weiterhin an Bedeutung gewinnen,
sagte Gedaschko. „Wohnungsunternehmen sind ein wichtiger Bestandteil
der Energiewende, besonders im Bereich der dezentralen Stromerzeugung
im Quartier. Wohnungswirtschaft und Stadtwerke sollten dabei Partner
sein“, so Gedaschko. „Dafür sind passende Regelungen im Energiewirt-
schaftsrecht nötig.“
Weitere Informationen:
un
d
Neubau und Sanierung
Energie und Technik
Rechtssprechung
Haufe Gruppe
Markt undManagement
Stadtbauund Stadtentwicklung
Die dezentrale Energieerzeugung, z. B. durch Blockheizkraftwerke,
gewinnt an Bedeutung
Quelle: VKU/regentaucher.com
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