WOHNUNGSPOLITISCHE INFORMATIONEN 21/2019 - page 6

AUS DEN VERBÄNDEN
Mehr als 50.000 Euro pro Stunde investierten die sächsischen Wohnungs­
genossenschaften in 2018
Dresden – Der Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften (VSWG) präsentierte am 21. Mai 2019 seine Zahlen zur Jah-
resstatistik 2018. Die 209 im VSWG organisierten Wohnungsgenossenschaften sind ein bedeutender Faktor im sächsischen
Wohnungsmarkt. Sie bewirtschaften mit insgesamt 269.834 Wohneinheiten und damit 18,1 Prozent des gesamten Miet-
wohnungsbestandes im Freistaat Sachsen. Sie bieten rund einer halben Million Menschen ein zukunftssicheres Zuhause.
Die sächsischen Wohnungs-
genossenschaften haben im
Geschäftsjahr 2018 ihre Investi-
tionen von 427,3 Millionen Euro
auf 447,7 Millionen Euro deut-
lich gesteigert. Das entspricht
einem Anstieg von 4,8 Pro-
zent oder 20,5 Millionen Euro.
Sowohl die investierten 239,8
Millionen Euro in die Instand-
haltung als auch die 130,6 Milli-
onen Euro in die Modernisierung
lagen deutlich über dem Vorjah-
resniveau. Lediglich die Investiti-
onen in den Neubau gingen von
2017 mit 85,4 Millionen Euro
auf 77,3 Millionen Euro im Jahr
2018 leicht zurück.
Im Geschäftsjahr 2019 planen die sächsi-
schen Wohnungsgenossenschaften, insge-
samt rund 510,6 Millionen Euro und somit
nochmals fast 63 Millionen Euro mehr als
im Vorjahr zu investieren. Schwerpunkt-
mäßig erfolgen Anpassungen des Woh-
nungsbestands an eine älter werdende
Gesellschaft die Gestaltung von größeren
Wohnungen für Familien im Bestand. Auch
die Nachrüstung mit Aufzügen nimmt
deutlich zu, obwohl dies ein sehr großer
Eingriff in das Gebäude und wirtschaftlich
oft nur sehr schwer darstellbar ist.
„Dank der großen Anstrengungen seit
1990 ist fast jede Wohnung beziehungs-
weise jedes Gebäude mittlerweile mindes-
tens einmal angefasst worden. Aufgrund
dieser Anstrengungen ist der Bestand
heute nahezu vollständig modernisiert
bzw. teilmodernisiert“, so Dr. Axel Vieh-
weger, Vorstand des VSWG.
Neubau geht langsamer weiter
Der Neubau hat sich in den letzten vier
bis fünf Jahren auf einem relativ konstan-
ten Niveau zwischen 300 und 600 Woh-
nungen eingependelt. Auch im Jahr 2018
wurden insgesamt 306 Wohneinheiten
durch Neubau fertiggestellt. Für 2019 ist
die Fertigstellung von 456 Wohneinheiten
geplant. Die Schwankungen zwischen den
Jahren ergeben sich vor allem aufgrund
von Bauverzögerungen im Zusammen-
hang mit fehlenden Baugenehmigungen,
dem zunehmenden Handwerkermangel
und langen Bewilligungszeiträumen von
Finanzierung und Fördermitteln. „Als eine
der Ursachen für die stagnierenden Neu-
bauzahlen kann die zur Refinanzierung
erforderliche Miete herangezogen wer-
den, die mittlerweile zum Teil deutlich
über 10 Euro pro Quadratmeter kalt liegt.
Wie wir in einer Analyse zur Bezahlbarkeit
des Wohnens nachgewiesen haben, lässt
sich dieses Mitniveau jedoch nur von den
wenigsten Einwohnern Sachsens finan-
zieren“, erklärte Sven Winkler, Referent
Betriebswirtschaft des VSWG.
Teilrückbau als Instrument
Bis zum Ende Dezember 2018 haben die
sächsischen Wohnungsgenossenschaften
insgesamt 33.757 Wohnungen und damit
einen erheblichen Teil ihres Vermögens
durch Abriss oder teilweisen Rückbau vom
Markt genommen. Davon entfallen auf das
abgeschlossene Geschäftsjahr 2018 insge-
samt 647 Wohnungen. Die Zahlen verdeut-
lichen den weiterhin vorhandenen Bedarf
an Rückbaumaßnahmen, insbesondere im
ländlichen Raum. Gleichzeitig wird ersicht-
lich, dass sich der Leerstand zunehmend
nicht mehr auf gesamte Gebäude, son-
dern vermehrt auf die oberen Geschosse
ohne Aufzüge beschränkt. Insgesamt
zeichnet sich derzeit ein Spannungsfeld
zwischen weiterhin hohem und sogar stei-
gendem Rückbaubedarf auf der einen und
einer rückläufigen, insgesamt ungewissen
Zukunft der Städtebauförderung auf der
anderen Seite ab.
Leerstände steigen wieder
Der Leerstand in den sächsischen Woh-
nungsgenossenschaften betrug bis zum
Ende des Jahres 2018 insgesamt 22.127
Wohnungen, damit ergibt sich eine Leer-
standsquote von 8,2 Prozent. „Gegenüber
den Vorjahren hat sich im Geschäftsjahr
2018 der Leerstand zum ers-
ten Mal um durchschnittlich
0,2 Prozentpunkte erhöht,
so dass zu befürchten bleibt,
dass die Leerstandsquote mit
einer erhöhten Geschwindig-
keit zunehmen wird“, betonte
der VSWG-Vorstand.
Ursächlich hierfür sind vor
allem die demografische Ent-
wicklung der Regionen sowie
die Altersstruktur der Mitglie-
der im Wohnungsbestand.
Nicht wenige Wohnungsge-
nossenschaften haben einen
Anteil über 80-Jähriger von
25 Prozent und mehr. Die zu erwartenden
hohen Kündigungszahlen in den nächs-
ten Jahren können eher selten durch Neu-
einzüge kompensiert werden. Gleichwohl
zeigt sich insgesamt, dass die Leerstände
der sächsischen Wohnungsgenossenschaf-
ten deutlich unter dem Gesamtmarkt lie-
gen. Während die drei Ballungszentren
über durchschnittlich gerade einmal 5,3
Prozent verfügen, reicht der Leerstand im
Landkreis Zwickau bis 15,1 Prozent und
liegt somit fast 10 Prozent über den Städ-
ten.
Bezahlbares Wohnen als Grundwert
der Genossenschaft
Die in sächsischen Wohnungsgenossen-
schaften gezahlte Kaltmiete betrug 2018
durchschnittlich 4,90 Euro pro Quadratme-
ter. Damit ist sie im Durchschnitt gegen-
über dem Vorjahr um 0,08 Euro oder knapp
1,7 Prozent pro Quadratmeter Wohnflä-
che moderat gestiegen. Die Erhöhung der
Nutzungsgebühr ist vor allem auf die Neu-
bauaktivität zurückzuführen. Aufgrund der
baulichen Anforderungen und des Hand-
werkermangels stark steigenden Baupreise
lässt sich eine wirtschaftliche Refinanzie-
rung kaum noch unter 10,00 Euro pro
Quadratmeter Wohnfläche darstellen. Wei-
terhin variiert die Höhe der Kaltmiete inner-
halb Sachsens stark. Dabei reicht die Band-
breite von 3,18 Euro pro Quadratmeter bis
5,74 Euro pro Quadratmeter. Die Gesamt-
miete inklusive aller Betriebskosten liegt im
Durchschnitt bei 7,07 Euro pro Quadratme-
ter und somit 12 Cent über dem Vorjahres-
niveau. Damit garantieren die sächsischen
Wohnungsgenossenschaften weiterhin
bezahlbares Wohnen für rund eine halbe
Million Sachsen.
(jak/koch)
Baugenehmigungen und Handwerkermangel führen auch bei den säch-
sischen Wohnungsgenossenschaften dazu, dass der Neubau nur langsam
vorangeht
Quelle: VSWG
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