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personalmagazin 05/18
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TITEL
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PERSONALSTRATEGIE IM MITTELSTAND
I
rgendwo zwischen den Zukunfts-
hoffnungen der Start-up-Szene
und der überzeugenden Präsenz
der vielen Weltmarktführer über-
sieht man diejenigen, die tagtäglich als
Bindeglied zwischen groß und klein die
Dinge am Laufen halten: Mittelgroße
Unternehmen. Fast 70.000 an der Zahl
sind es im Deutschland. Mittelstand im
besten Sinne.
Worauf basiert der Erfolg des Mittel-
stands heute und in Zukunft?
Was sie erfolgreich macht, wie die Un-
ternehmensleitung denkt, wo die He-
rausforderungen liegen, dem sind wir
erstmals in einer gemeinsamen Studie
von Ernst & Young (EY) und Das Demo-
graphie Netzwerk (ddn) nachgegangen.
Mit teilweise überraschenden Ergebnis-
sen – und der Empfehlung zu einer neu-
en Perspektive.
Von
Eva Voß
und
Rudolf Kast
Unsere Ausgangsfrage lautete: Wo-
rauf basiert eigentlich der Erfolg der
mittelgroßen Unternehmen heute und
in Zukunft? Doch würden diese uns das
überhaupt offenlegen wollen? Um tat-
sächlich vertrauliche Einblicke in diese
und andere Fragen zu erhalten, haben
wir in unserer Studie einen qualitativen
Ansatz gewählt und eine Art „Blackbox“
geschaffen; einen geschützten Raum, in
dem Informationen aufgezeichnet wer-
den. Durch Zwischenschaltung eines
externen Marktforschers haben wir
Anonymität sichergestellt. In Tiefenin-
terviews von einer knappen Stunde mit
30 Inhaber/innen und Geschäftsführer/
innen aus unterschiedlichen Branchen
und Regionen haben wir einerseits Zeit
zum Reflektieren ermöglicht und ande-
rerseits einen Rahmen geschaffen, in
dem auch kritische Aspekte offen ange-
sprochen wurden.
Eine spannende Frage, die wir uns
im Vorfeld gestellt haben: Kann es rein
aufgrund der Größenklasse Gemeinsam-
keiten zwischen Pflegediensten und Bau-
unternehmen, Handwerksbetrieben und
IT-Beratern, Hotels und industriellen Pro-
duzenten geben? Tatsächlich stellten alle
Befragten von sich aus die Qualität ihrer
Produkte oder Leistungen und die damit
verbundene Kundenzufriedenheit in den
Mittelpunkt. Bei genauerer Betrachtung
lassen sich fünf verschiedene Muster
in unserer Gruppe erkennen, aber dazu
später. Denn noch eines wird klar: Nähe
und Persönlichkeit entscheiden.
Nähe und Persönlichkeit entscheiden
Dass Nähe gut fürs Geschäft ist, gehört
zum Standardwissen von Ökonomen.
Doch jenseits der geografischen Nach-
barschaft spielt Nähe bei unseren Be-
fragten in zwei Richtungen eine Rolle:
Die Nähe zu Kunden und die Nähe zu
Mitarbeitern. Und hätten wir nicht noch
zahlreiche weitere Einblicke bekom-
men, könnten wir es mit diesem Punkt
beinahe schon bewenden lassen. Denn
im Konzept der Nähe steckt vieles, was
sich Großunternehmen in umfangrei-
chen Programmen ständig selbst wieder
beibringen müssen, weil es wohl irgend-
wann einmal verloren ging. Ein paar
beispielhafte Zitate:
•„Gute Mittelständler haben hohe Pro-
duktaffinität, kennen ihre Mitarbeiter
persönlich und pflegen intensive Kun-
denbeziehungen.“
•„Der Mittelstand hat eine besonders
intensive Kundenbeziehung, ich ken-
ne unsere Kunden persönlich.“
•„Bis zum letzten Mitarbeiter kennen
wir jeden.“
Der Mittelstand macht‘s einfach
STUDIE.
Der Erfolg mittelgroßer Unternehmen hat gute Gründe. Flexibilität, Nähe zu
Markt und Beschäftigten sowie eine unaufgeregte Zuversicht sind die Grundlagen.
Das Institut Reimund Research aus Darmstadt hat für uns im Zeitraum von Januar bis
März 2018 telefonische Tiefeninterviews/Explorationen mit n=30 mit Inhabern, CEOs
und Geschäftsführern mittelgroßer Unternehmen aus 13 verschiedenen Branchen und
verschiedenen Regionen Deutschlands geführt. Diese entsprachen der EU-Definition
mittelgroßer Unternehmen mit 50 bis 249 Beschäftigten bei einem Umsatz zwischen
10 und 50 Millionen Euro oder einer Bilanzsumme zwischen 10 und 43 Millionen Euro.
Die durchschnittliche Dauer der Interviews lag bei circa 50 Minuten. Ausgangspunkt der
Befragung waren die Erfolgsfaktoren aktuell sowie für die Zukunft. Im Laufe der Gesprä-
che lag zudem ein Schwerpunkt auf den Themen Demografischer Wandel, Diversity und
Digitalisierung.
METHODE
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