personalmagazin 5/2017 - page 46

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MANAGEMENT
_MBA
personalmagazin 05/17
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an
MBA. Da es bisher kein vergleichbares
Klassenzimmer gebe, müsse man erst
herausfinden, was wie am besten funk-
tioniert, so Boehm. Auch müsse man den
Professoren die Angst nehmen, dass ihre
Leistung damit ständig gemessen werde.
„Wir haben eine sehr lange Testphase
eingeplant und werden den Wow-Room
Schritt für Schritt in unsere Programme
integrieren“. Erste Tests gab es auch
bereits mit Managern. „Die Firmen fin-
den das toll und wollen den Wow-Room
am liebsten gleich in ihre interne Wei-
terbildung integrieren“, erzählt Boehm.
Im nächsten Schritt sollen dann fünf bis
zehn „Wow-Räume“ entstehen. Ihren
Erfolg verdankt die IE Business School
auch ihren langjährigen Investitionen. 25
Millionen Euro hat die Schule in den ver-
gangenen 15 Jahren in innovative Lern-
projekte investiert.
Auch Imperial-Direktor Lefevre ver-
weist auf den notwendigen langen Atem.
„Wir haben 2005 mit Online-Kursen an-
gefangen und erst 2015 den Online-MBA
gestartet.“ Das lasse sich nicht von heute
auf morgen umsetzen. Wenn sich eine
Topschule daher heute für einen Online-
MBA entscheide, dauere es sicher ein
paar Jahre bis zur Umsetzung. Dass
künftig mehr Topschulen Online-MBAs
anbieten werden, steht für den Imperial-
Direktor außer Frage. „Erstklassige On-
line-MBAs ziehen doch genau die hoch
qualifizierten Teilnehmer an, die alle
Business Schools wollen.“ Lefevre sieht
Imperial gut für die Zukunft gerüstet
und hofft künftig auf einen Spitzenplatz
im Ranking der „Financial Times“. Weil
das Programm erst vor zwei Jahren ge-
startet ist, kann die Schule bisher nicht
teilnehmen. Dafür müssen drei Klassen
das Studium abschlossen haben.
Wichtige Qualitätsmerkmale sind für
ihn neben den gut aufbereiteten Lern-
inhalten die strenge Auswahl der Teil-
nehmer, die besten Professoren und eine
intensive, herausfordernde Betreuung.
Jeder MBA-Student bekommt einen Kar-
riereberater, der mit ihm während des
Studiums arbeitet. Ein derartiger Online-
MBA sei daher teuer, so der Edtech-Lab-
Direktor. Am Imperial College kostet das
zweijährige Programm 34.800 Pfund.
Online- statt persönliche Kontakte?
Auch in den USA sind die Online-Ange-
bote von manchen führenden Schulen
kaum günstiger als beim Vollzeit-MBA.
So kostet der Online-MBA an der Tepper
School of Business (Carnegie Mellon
University) stolze 122.880 Dollar. An
der Kenan-Flagler Business School sind
es 104.610 Dollar. Dennoch steigt die
Nachfrage: An der Kenan-Flager Busi-
ness School haben sich zuletzt 1.047
Studenten eingeschrieben.
Einen anderenWeg geht die University
of Illinois in Urbana-Champaign, die seit
2015 ihren „I-MBA“ für nur 22.000 Dollar
anbietet. Der I-MBA setzt sich zusammen
aus einem selbstgesteuerten Non-Credit-
Teil und einem For-Credit-Teil, der ge-
meinsam und interaktiv in einer Klasse
durchlaufen wird. Der Non-Credit-Teil be-
steht aus Massive Open Online Courses
(Moocs) der Plattform Coursera. Für 79
Dollar pro Kurs erhalten die Studenten
ein Zertifikat. Nur wer den Non-Credit-
Teil absolviert hat, kann den zweiten Teil
auf der Plattform der Universität starten,
der aus wöchentlichen Live Sessions,
Fallstudien, Assignments und Prüfungen
besteht. „Hier lernt man, wie man sein
neu erworbenes Wissen anwendet“, er-
klärt Arshad Saiyed, Direktor des I-MBA.
Eine „Credit“-Stunde kostet 250 Dollar.
Das Absolvieren der Kurse führt je-
doch nicht automatisch zum MBA. Hier
gelten dieselben Aufnahmekriterien wie
bei den anderen MBA-Programmen der
Schule. Interessenten haben jedoch mehr
Möglichkeiten: Sie können sich gleich für
das Studium bewerben oder zunächst die
Moocs absolvieren und sich erst dann be-
werben. „So können sie uns nachweisen,
was sie können, und ihre Bewerbung
damit unterstützen“, sagt Saiyed. Bisher
haben sich rund 1.600 Interessenten für
den Studiengang beworben, rund 500
wurden zugelassen. In der ersten Ko-
horte waren es 114, in der zweiten 156
und in der dritten 240. Die Abbruchquote
liegt bei lediglich fünf Prozent. „Wir wol-
len langsam auf 250 bis 300 Teilnehmer
wachsen“, so Saiyed. Die Studenten sind
durchschnittlich 37 Jahre alt und haben
durchschnittlich zwölf Jahre Berufserfah-
rung. Die meisten kommen aus den USA,
der Anteil der internationalen Studenten
liegt bei 16 Prozent. Dabei erhofft sich die
renommierte US-Schule, mit dem I-MBA
in den nächsten Jahren auch stärker zu
einer globalen Marke zu werden.
Präsenzphasen gibt es beim I-MBA
nicht. „Wir glauben nicht, dass das ein
gutes Modell ist, weil es für die Teilneh-
mer schwierig ist, alle an einen Ort zu
kommen“, sagt der Direktor. Aber man
organisiere persönliche Treffen auch
außerhalb der USA, oder die Studenten
machen das selbst. Heute könne man
den persönlichen Kontakt durch Online-
kontakte ersetzen wie es längst auch an
vielen Arbeitsplätzen der Fall sei. „Wir
bereiten die Teilnehmer so auf ihre Ar-
VIDEO
In der Personalmagazin-App finden Sie
Videos zum Wow-Room der IE, zum
Imperial-MBA und zur Zukunft des MBA.
© WWWF.IMPERIAL.AC.UK
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Das komplette Online-MBA-Ranking der
„Financial Times“ finden Sie als Add-on
in der Personalmagazin-App.
ONLINE
Können Online-MBAs Präsenzprogramme
ersetzen? Lesen Sie dazu eine Pro-und Kon­
tra-Diskussion auf unserem Online-Portal:
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