wirtschaft und weiterbildung 05/2015 - page 16

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wirtschaft + weiterbildung
05_2015
R
Schulsystem lernen, wollen wir mit dem Projekt „Augenhöhe“
auch dort ansetzen und das Thema ins Gespräch bringen. Wir
haben im letzten Semester schon mit der Fresenius Hochschule
in Hamburg zusammen gearbeitet und gemeinsam mit Stu-
denten eine Guerilla-Kampagne für „Augenhöhe“ entwickelt.
Das Feedback der Studenten war hammermäßig. Plötzlich hieß
es nicht mehr, ich stelle eine Frage und darauf gibt es eine
fertige Antwort. Nun wurden sie gefragt. Sie haben uns gesagt,
dass sie noch nie so hart für einen Schein arbeiten mussten,
aber auch noch nie so viel gelernt hätten. Da sieht man, wie
groß der Nachholbedarf ist.
Wie wird es mit dem Projekt „Augenhöhe“ weitergehen?
Franke:
Wir sind gerade dabei, eine Plattform für Unterneh-
men zu schaffen, die das Thema Augenhöhe angehen möch-
ten. Angedacht haben wir eine Art Selbstverpflichtung, die mit
der Auflage einhergeht, regelmäßig auf einem Blog über die
Entwicklung zu berichten – also über Fortschritte und Rück-
schritte zu sprechen. Aber auch dem Medium Film möchten
wir treu bleiben – mit einem weiteren Film oder einer the-
matischen Aufbereitung unseres Filmmaterials. Viele unserer
Zukunftspläne sind noch nicht spruchreif, aber wir haben noch
viel vor.
Interview: Stefanie Hornung
Veranstaltungstipp:
Sven Franke hält jeweils einen Vortrag und diskutiert mit In-
teressierten auf der Messe „Personal 2015 Nord“ in Hamburg
(7. Mai 2015, 16.40 Uhr,
d auf der
Messe „Personal 2015 Süd“ in Stuttgart (19. Mai.2015, 16.40
Uhr,
Film ab.
Der Film „Augenhöhe“
zeigt ganz normale Werkshal-
len und nicht die „üblichen“
Internet-Start-ups, die ohnehin
keine Hierarchie kennen.
„Augenhöhe“ – ein Film über den Wandel der Arbeitswelt
Mit der Frage nach mehr Wertschätzung, Fairness und
Demokratie im Berufsalltag beschäftigt sich das Projekt
„Augenhöhe – Film und Dialog“. Das Filmteam hat Unter-
nehmen, die als Pioniere einer modernen Arbeitswelt gel-
ten, über mehrere Monate hinweg besucht. Ungewöhnliche
Denk- und Arbeitsweisen wurden dokumentiert und eine
von Werten geprägte Unternehmenskultur wurde sichtbar
gemacht. Der Dokumentarfilm wurde rein über Crowdfun-
ding finanziert.
Zu den fünf Vorzeigeunternehmen, die in diesem Film zu
Wort kommen, gehört zum Beispiel die Allsafe Jungfalk
GmbH aus dem badischen Engen. Außerdem wird über den
Getränkehersteller „Premium Cola“ in Hamburg berichtet,
der von einem Internetkollektiv nach dem Prinzip der Kon-
sensdemokratie gesteuert wird. Mit dabei ist auch das
New Work.
Führungskräfte, Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten arbeiten auf Augenhöhe
zusammen. Beispiele aus der Praxis zeigen, dass diese Form der Zusammenarbeit nicht nur
zeitgemäß, sondern auch sehr erfolgreich sein kann. Was genau macht den Wandel aus?
Unternehmen „Hhpberlin“ und das „Systelios Gesund-
heitszentrum“. Selbst bei den Konzernen Adidas und Uni-
lever ging das Filmteam der Frage nach, welche ermuti-
genden New-Work-Ansätze es in sehr großen Unternehmen
bereits zu beobachten gibt. Ein Interview mit Querdenker
Thomas Sattelberger fehlt auch nicht.
Das Projekt sei selbst auch eine Erfolgsgeschichte von
Gründergeist und eigenverantwortlich gestalteter Zusam-
menarbeit, berichtet Regisseur Daniel Trebien. Außerdem
gebe der Film Antworten auf die Frage, wie Menschlichkeit,
Anstand und Vertrauen in der Wirtschaft des 21. Jahrhun-
derts neu definiert werden können. Besucher des Films
fanden es ausgesprochen anregend, was Menschen aus
Betrieben mit flachen Hierarchien, hoher Eigenverantwor-
tung und viel Transparenz zu sagen hatten.
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