DIE WOHNUNGSWIRTSCHAFT 05/2015 - page 32

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5|2015
Forschungsprojekt zum altersgerechten Wohnen
„Ready“ – den Bestand bei Bedarf flexibel anpassen
Wir bauen die falschen Wohnungen! Stimmt, denn die wenigsten Wohnungen sind geeignet, Menschen
ein Leben lang aufzunehmen. Besonders Ältere und Hochaltrige finden selten eine ihren Bedürfnissen
angepasste Wohnung. Ein durch die Forschungsinitiative „Zukunft Bau“ des BMUB und die Firma Knauf
gefördertes Projekt an der Universität Stuttgart fragt, wie Neubau so zu planen ist, dass er später flexibel
angepasst werden kann und somit Senioren-„ready“ ist.
Dass Ältere und Hochaltrige selten eine ihren
Bedürfnissen angepasste Wohnung finden, ist ei-
nerseits in dem sehr hohen Aufwand begründet,
bestehendeWohnungen altengerecht umzubauen.
Die Ursache liegt andererseits an der fehlenden
Einsicht, bereits den Neubau altengerecht zu pla-
nen. Insbesondere die außerordentlich hohen Kos-
ten der Bestandssanierung haben die Forschungs-
idee ausgelöst, den Neubau so zu planen, dass er
bei Bedarf flexibel angepasst werden kann (siehe
auch DW 12/2014, Sonderheft Bad, S. 17). Dies
kann mit dem Leitbegriff „ready“ gekennzeich-
net werden – Senioren-ready, Rollator-ready, aber
auch Familien-ready.
Airbag für Wohnungen
DiemeistenWohnungen taugen nicht für „lebens-
längliches“ Wohnen. Das liegt nicht daran, dass
sich Lebensphasen und -konstellationen sowie
Haushaltsgrößen verändern können. Vielmehr
sind die Wohnungen zu wenig anpassbar. Erst
bei den hochaltrigen Menschen wächst der An-
teil derjenigen stark an, die tatsächlich auf einen
Rollstuhl angewiesen sind. Hier wird ein genereller
Konflikt sichtbar: Für diemeisten älteren Personen
besteht keine Notwendigkeit, einemöglicherwei-
se in vollem Umfang rollstuhlgerechte Wohnung
zu bewohnen – sie werden zeitlebens in aller Re-
gel keinen Rollstuhl benötigen. Auf der anderen
Seite wächst mit zunehmendem Alter das Risiko,
nach einem langen gesunden Leben schlagartig an
den Rollstuhl gefesselt zu werden. Dieses Risiko
ist latent immer vorhanden, selbst für jüngere
Personen.
Worin besteht die Lösung? In einer hohen Pla-
nungsflexibilität, die eine schnelle und kosten-
günstige Anpassung an die tatsächlichen Be-
dürfnisse ermöglicht – eine Anpassung, die auch
wieder rückgängig gemacht werden kann. Es wer-
den alsoWohnungen vorgeschlagen, die sich nach
Bedarf und im Notfall schnell anpassen lassen.
3-stufiger Standard:
basic – standard – comfort
Dafür können Standards festgelegt werden, die
unter Berücksichtigung der Kosten für die meis-
ten Menschen eine altengerechte Wohnung defi-
Prof. Dr. Thomas Jocher
Fakultät Architektur und
Stadtplanung
Institut Wohnen und Entwerfen
der Universität Stuttgart
Klassischer Wohnungs- und Gebäudegrundriss mit normalen Familienwohnungen
Quelle: IWE
NEUBAU UND SANIERUNG
THEMA DES MONATS
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