WOHNUNGSPOLITISCHE INFORMATIONEN 25/2019 - page 3

JAHRESSTATISTIK
Warum die Unternehmen weniger bauen als
bisher geplant, hat verschiedene Gründe:
Es fehlt an Grundstücken. Und wenn kom­
munale Grundstücke für den Wohnungs­
bau vorhanden sind, werden sie häufig
zum Höchstpreisgebot abgegeben. In vielen
Städten ist das Neubauklima in der Bevölke­
rung eher negativ. Die Auslastung der Bau­
betriebe ist auf Höchstniveau und damit
auch die Preise. Zudem treibt eine steigende
Normen- und Standardflut die Baukosten.
Hohe Investitionen in die Zukunft des
Wohnens
Mit 9,4 Milliarden Euro flossen im Jahr 2018
rund 55 Prozent der Gesamtinvestitionen in
die Bestandsentwicklung der Gebäude. Mit
diesem Geld haben die Unternehmen Woh­
nungen und Gebäude modernisiert, instand­
gesetzt und instandgehalten. Im Vergleich
zum Vorjahr hat sich der Anteil der Bestands­
investitionen an den Gesamtinvestitionen
erneut verringert. 2017 flossen noch 57 Pro­
zent der Investitionen der GdW-Unterneh­
men in die Erhaltung und Modernisierung
der Bestände. Dafür sind die Investitionen in
den Neubau von Wohnungen erneut gestie­
gen. Knapp 45 Prozent der Gesamtinvesti­
tionen flossen 2018 in dieses Segment. Im
Jahr 2019 wird sich der Anteil der Neubauin­
vestitionen voraussichtlich weiter auf diesem
hohen Niveau halten.
Ausblick 2019: Wachstums- und Neu-
baudynamik sinkt
Für dieses Jahr prognostiziert der GdW
zwar einen weiteren Anstieg der Gesam­
tinvestitionen
um rund 11,2
Prozent.
Die
Wachstumsdy­
namik geht aller­
dings zurück.
„Wir rechnen
damit, dass wir
die 18-Milliar­
den-Euro-Marke
deutlich kna­
cken werden.
Die Investitio­
nen könnten bei
rund 18,8 Milli­
arden Euro lie­
gen“, erklärte
Axel Gedaschko.
Dennoch bliebe dieser Anstieg um mehr
als zwei Prozentpunkte hinter der Dyna­
mik des Jahres 2018 zurück. Hier zeigt sich
nun erstmals: „Dauernde Regulierungen
und Deckelungen haben sehr wohl Auswir­
kungen auf die Investitionen in den Woh­
nungsmarkt – und zwar keine guten“,
erläuterte der GdW-Präsident.
Besonders kann man dies an den Neu­
bauinvestitionen sehen. Hier wird sich der
Anstieg im Jahr 2019 nach den Planzahlen
der Wohnungsunternehmen fast halbie­
ren und beträgt nur noch 10,7 Prozent. Im
Vorjahr hatten die Unternehmen noch mit
einem Plus von 27 Prozent geplant. „Die
Rahmenbedingungen für den Wohnungs­
neubau sind schlecht: Zu teure Grundstü­
cke, hohe Baupreise, Probleme mit den
Baukapazitäten und eine fehlende Akzep­
tanz bei den Bürgern sorgen dafür, dass die
Wohnungsunternehmen trotz aller Bemü­
hungen in diesem Jahr deutlich zurückhal­
tender sein werden als im Vorjahr“, so der
GdW-Chef. Das hat zur Folge, dass immer
weniger bezahlbare Wohnungen auch
wirklich fertig gestellt werden und auf den
Markt kommen.“ Gleichwohl rechnen die
Unternehmen mit einer Steigerung der
Investitionen in den Wohnungsbestand
um 11,6 Prozent auf voraussichtlich 10,5
Milliarden Euro.
(burk/schi)
Weitere Infos unter
und
Mehr zur GdW-Jahresstatistik lesen Sie in den
kommenden wi-Ausgaben.
Fortsetzung von Seite 2
Quelle: Büro Roman Lorenz
EUROPA
International Social Housing Festival –
Projekte aus ganz Europa für soziale Verantwortung ausgezeichnet
Lyon – Im Rahmen des International Social Housing Festivals wurden am 7. Juni 2019 die „European Responsible Housing
Awards“ verliehen. In insgesamt fünf Kategorien fördert der Preis Konzepte und Projekte rund um die Gestaltung eines
sozialen und umweltfreundlichen Wohnungssektors. Neben der Preisverleihung bildeten eine Reihe von Konferenzen,
Workshops und Ausstellungen zum Thema bezahlbarer Wohnraum, innovative Ansätze der Stadtentwicklung und klima­
gerechte Politik den Schwerpunkt des Festivals.
Preisträger des European Responsible
Housing Award in der Kategorie „Mehr
als ein Dach – Chancengleich in Gemein­
schaften stärken" wurde mit der Berliner
Bau- und Wohnungsgenossenschaft
von
1892 eG
ein Mitgliedsunternehmen
des GdW. Im ausgezeichneten „Bauprojekt
Nettelbeckplatz“ wurde eine energetische
Sanierung, die Installation einer Photovol­
taikanlage sowie eine Aufstockung mit der
Einrichtung von Gemeinschaftseinrichtun­
gen, Studentenwohnungen und betreuten
Seniorenwohnungen verknüpft. Die Jury
hob ebenso die Schaffung zusätzlichen
Wohn- und Gemeinschaftsraums ohne
Verringerung der Gartenfläche hervor und
bezeichnete das Projekt insgesamt als vor­
bildliche Blaupause für andere Wohnungs­
unternehmen. Weitere Preise wurden an
herausragende Projekte aus ganz Europa in
den Bereichen Energiewende, Partizipation,
bezahlbarer Wohnraum und Mitarbeiter­
förderung vergeben.
Das
„Institut Municipal de l’Habitage i
Rehabilitacio“
der Stadt Barcelona bekam
für sein Engagement gegen Spekulationen
im lokalen Wohnungsmarkt den Preis in der
Kategorie „Faire Finanzierung für Bezahl­
barkeit von Wohnraum“ verliehen. Die
Non-profit Organisation
Alwel
aus den Nie­
derlanden wurde für die Umsetzung einer
gerechten Energiewende ausgezeichnet.
Unter besonderer Einbeziehung der Bewoh­
ner hat die Organisation eine Reihe sozi­
aler Mitwohnungen energetisch sanieren
lassen. Der Preis in der Kategorie „strate­
gische Allianzen, Stärkung partizipativer
Gemeinschaft“ ging an
Villeneuve-Saint-
Georges OPH
aus Frankreich. Durch Ideen­
austausch, Gesprächsrunden und ein Work­
camp mobilisierte das Projekt die Bewohner
eines Wohnquartieres zur gemeinschaftli­
chen Problemlösung. Besonderes Enga­
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