JAHRESSTATISTIK
tiersentwicklung und Stadtumbau, Digita
lisierung, Instandsetzung und Sanierung
sowie für den bezahlbaren Wohnungsbau
bis 2030 Investitionen und Refinanzierun
gen in Höhe von 775 Milliarden Euro not
wendig sind.
Vieles davon ist aber infolge der extrem
hohen Kosten über die bisherige Aufga
benteilung zwischen den ‚bestellenden‘
staatlichen Ebenen einerseits und den
Finanzierenden andererseits weder sozial
noch wirtschaftlich verantwortlich zu refi
nanzieren. Ohne ein neu aufeinander abge
stimmtes Engagement von Bund, Ländern
und Kommunen werden diese Herausfor
derungen nicht zu stemmen sein – weder
von den Vermietern, noch von den Mie
tern. „Das zeigt ganz klar, wir brauchen die
#Wohnwende
für den Wohnungsmarkt“,
so der GdW-Präsident.
Dass es sich beim Wohnen um die soziale
Frage unserer Zeit handelt, ist mittlerweile
in Politik und Öffentlichkeit angekommen.
Die eigentliche Frage ist aber, warum die
Antworten nur häppchenweise und bis
weilen marktverstörend gegeben wer
den. Denn viele Rezepte, um die Krank
heitssymptome der beiden „Patienten“
– angespannte Wohnungsmärkte auf der
einen und schrumpfende Regionen auf der
anderen Seite – wirksam zu behandeln, lie
gen schon lange vor. Die Lösungen wur
den im Bündnis für bezahlbares Wohnen
und Bauen erarbeitet. Statt aber das kon
struktive Lösungspaket konsequent abzu
arbeiten, versucht sich die Politik an immer
neuen Placebo-Maßnahmen.
„In dieser für viele Menschen verzweifelten
Situation muss endlich Schluss damit sein,
konstruktive Lösungen aus parteitaktischen
Gründen zu blockieren. Es hilft nichts, den
Menschen Sand in die Augen zu streuen
und sie in dem Glauben zu lassen, die ideo
logischen Diskussionen um neue Zwangsei
gentümerstrukturen würden wirklich etwas
ändern. Genauso wenig kann ein Mieten
deckel zugleich klimapolitischen Zielen, den
Mietern und der Investitionsbereitschaft
sozial verantwortlicher Vermieter gerecht
werden. Das alles ist schlecht gemachtes
Stückwerk“, stellt der GdW-Chef fest.
Die Politik darf nicht länger einfach nur
bestellen und sich dann bei den sozialen
Folgen wegducken. Statt Placebos zu ver
abreichen, muss sie Verantwortung über
nehmen. Dazu zählt als Staatsziel insbe
sondere die Frage einer Neuordnung der
Finanzierung und eine sozial abgefederte
Refinanzierung von Klimaschutzaktivitäten
im Bestand der Wohngebäude. Dies muss
auf Basis einer neuen Mischung von CO
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Vermeidung und dezentraler Energieerzeu
gung sowie des direkten Verbrauchs vor
Ort (Mieterstrom) geschehen.
Kurzfristig ist es von zentraler Bedeu
tung, in den engen Märkten eine Über
brückung zu gewährleisten, bis in den
einzelnen Regionen wieder ausreichend
Wohnungen zur Verfügung stehen. Dazu
brauchen wir ein Maßnahmenpaket, das
weit über den engeren Wohnungsbausek
tor hinausgeht. Stadt- und Umlandbezie
hungen sollten attraktiver gestaltet wer
den. Dazu gehört es, Anbindungen des
Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV)
zu verbessern, neue Mobilitätsangebote
auch jenseits von Metropolen zu stärken,
Infrastrukturangebote in Ankerstädten zu
sichern und gegebenenfalls auch Stand
orte von Einrichtungen der öffentlichen
Hand zu verlagern.
Darüber hinaus sollten sich Kommunen
und Länder der Daueraufgabe stellen,
mehr Bauflächen zu schaffen, Nachver
dichtung und Dachaufstockung anzurei
zen statt auszubremsen und dem seriellen
Bauen bezahlbarer und architektonisch
wertvoller Gebäude zum Durchbruch
zu verhelfen. Dies alles muss vom Bund
durch Forschungsförderung, neue Förder
ansätze und eine bessere Ausgestaltung
der Bundesgesetze in den Bereichen Bau
leitplanung und Baunutzung sowie der
Erzeugung und Verwendung dezentraler
Energie- und der Steuergesetzgebung flan
kiert werden.
Die Wohnwende ist keineswegs nur ein
Aufruf unserer Branche allein – sie ist eine
Hauptforderung an die Politik im Sinne
aller Bürgerinnen und Bürger in Deutsch
land. Der GdW hat einen Maßnahmenka
talog erarbeitet, um kurzfristig den Druck
auf die Wohnungsmärkte im Sinne des
bezahlbaren Wohnens abzumildern. Die
sen Katalog können Sie auf der GdW-
Website herunterladen.
Die Jahresbilanz der Wohnungswirt-
schaft:
Neubauinvestitionen auf Rekordhoch
Die im GdW und seinen Regionalverbän
den organisierten Wohnungsunternehmen
haben im Jahr 2018 rund 16,9 Milliarden
Euro in die Bewirtschaftung und den Neu
bau von Wohnungen investiert. Das sind
zwei Milliarden Euro und damit 13,4 Pro
zent mehr als im Vorjahr. Im Durchschnitt
flossen damit im letzten Jahr rund 46 Mil
lionen Euro täglich in den Wohnungsneu
bau und in die bereits bestehenden Woh
nungen in Deutschland. Trotz des weiterhin
stabilen Aufschwungs bleiben die Investiti
onszahlen aber deutlich hinter den Erwar
tungen zurück. Die Unternehmen hatten
ursprünglich für das Jahr 2018 mit einem
Anstieg von über 18 Prozent und einem
deutlichen Überspringen der 17-Milliar
den-Euro-Marke gerechnet.
Der Aufschwung bei den Investitionen wird
durch das Rekordhoch beim Wohnungs
neubau getragen. Die GdW-Unternehmen
investierten 2018 rund 7,5 Milliarden Euro
in den Bau von Wohnungen. Das sind 18,7
Prozent und damit rund 1,19 Milliarden
Euro mehr als im Vorjahr.
Aber Achtung: Hier gibt es ein Alarmzei
chen. Die tatsächliche Neubautätigkeit
hinkt den Erwartungen der Unternehmen
hinterher. Denn im letzten Jahr prognos
tizierten sie noch eine Ausweitung der
Neubauinvestitionen für das Jahr 2018
um rund 27 Prozent. In der Realität waren
es dann acht Prozentpunkte weniger. In
Wohneinheiten ausgedrückt sind dies
1.700 Wohnungen weniger als ursprüng
lich geplant.
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GdW-Präsident Axel Gedaschko (Mitte) fordert die #Wohnwende – neben ihm GdW-Pressesprecherin
Katharina Burkardt (rechts) und Statistiker Klaus Schrader (links)
Foto: GdW
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25/2019