Personalmagazin 8/2017 - page 68

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SPEZIAL
_PERSONALDIAGNOSTIK
personalmagazin 08/17
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an
dafür gerade unseren Webauftritt. Den
„Kulturmatcher“ haben wir bereits als
Self-Assessment für potenzielle Bewer-
ber online gestellt. Etwa ein Drittel der
Bewerber nutzt den Test vorab. In den
drei Monaten, die das Tool in seiner
Endversion online steht, haben schon
400 User den Test abgeschlossen und
70 Prozent von ihnen empfehlen ihn
weiter. Etwa 75 Prozent der User haben
einen guten Matching-Score.
personalmagazin:
Wie hilft Ihnen das Tool
also im Recruiting?
Reiser:
Der „Kulturmatcher“ soll die
Selbstselektion der Bewerber erhöhen –
wer einen niedrigen Score im Test hat,
erhält eine verhaltene Rückmeldung
zum „Cultural Fit“ und bewirbt sich
dann eher nicht. Und in Auswahlinter-
views sprechen Kandidaten mit uns
deutlich öfter über Kultur – das steigert
natürlich die Qualität der Besetzungs-
entscheidung. Daneben nützt uns das
Tool nicht nur im Recruiting, sondern
auch in der Personalentwicklung.
personalmagazin:
Wie das?
Reiser:
Wir haben den Kulturmatcher
zum Beispiel vor einem Entwicklungs-
training in einer nicht ganz einfachen
Teamkonstellation eingesetzt. Alle
Teammitglieder haben zunächst den
Test ausgefüllt. Die Ergebnisse hat der
Trainer erhalten. So konnte er schon
vorab feststellen, wo im Team das Pro-
blem liegt und dann im Training ganz
zielgerichtet darauf eingehen.
„Qualität ist gestiegen“
INTERVIEW.
Stefan Reiser hat bei der Lechwerke AG den „Kulturmatcher“ eingeführt –
und ist zufrieden mit den Auswirkungen auf Recruiting und Employer Branding.
personalmagazin:
Herr Reiser, wie wichtig
ist der „Cultural Fit“ von Mitarbeitern für
die Lechwerke AG?
Stefan Reiser:
Enorm wichtig. Wir wissen,
dass Mitarbeiter, die zu unserer Unter-
nehmenskultur passen, eine höhere
Motivation haben und sich an unser
Unternehmen gebunden fühlen. Auch
für die Performance neuer Mitarbeiter
ist die Passung bedeutend. Das Onboar-
ding geht schlichtweg schneller. Am
Ende zahlt sich also eine hohe kulturelle
Passung für das Unternehmen aus. Wir
stellen die Unternehmenskultur in un-
serem Employer Branding auch beson-
ders heraus.
personalmagazin:
Oft strotzen Stellenanzei-
gen aber nur so von „Buzzwords“ rund
um die Unternehmenskultur …
Reiser:
Das stimmt – denn es ist Bewer-
bern ungemein wichtig, genau zu erfah-
ren, wie das Unternehmen tatsächlich
tickt. Darum haben wir uns dazu ent-
schieden, unsere Unternehmenskul-
tur mithilfe des „Kulturmatchers“ erst
einmal unter die Lupe zu nehmen. Wir
wollten tiefer schürfen als dies mit gän-
gigen Mitarbeiterumfragen möglich ist
und wir wollten echte empirische Daten
zu unserer Kultur erhalten.
personalmagazin:
Was kam bei der Analyse
heraus?
Reiser:
Zunächst einmal waren wir über-
rascht, dass unsere Unternehmenskul-
tur homogener ist über alle Abteilungen,
als wir vermutet hatten. Das Wertefun-
dament ist über die verschiedenen Be-
reiche hinweg ähnlich: Die Dimension
„Wir-Orientierung“ ist bei uns stark
ausgeprägt und auch, dass wir ein fa-
miliär geprägtes Unternehmen sind, ist
bei uns durchweg spürbar. Außerdem
verstehen sich viele unserer Mitarbeiter
als Unternehmer – ein Faktor, den vie-
le Bewerber vielleicht erstmal so nicht
sehen. Die Lechwerke werden häufig als
vermeintlich öffentlicher Arbeitgeber
wahrgenommen. Es herrscht bei uns
aber deutlich mehr Dynamik.
personalmagazin:
Wie nutzen Sie diese
Erkenntnisse für Ihren Außenauftritt als
Arbeitgeber?
Reiser:
Wir stellen unser Kulturprofil
nun ins Zentrum bei unserer Arbeit-
geberpositionierung und überarbeiten
Das Interview führte
Kristina Enderle da Silva.
STEFAN REISER
ist im strategischen
HR-Management beim Energieversorger
Lechwerke AG, Augsburg, tätig.
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