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Gepäckförderanlage erreichte die Expan-
sion des Flughafens in den 1970er Jahren
eine bis dato ungekannte Dynamik. Mit
den ständig steigenden Passagierzahlen
begann der konfliktreiche Bau der Start-
bahn West, die 1984 in Betrieb genom-
men wurde. Demonstrationen, Waldbe-
setzungen, gewalttätige Auseinanderset-
zungen mit der Polizei und am Ende zwei
tote Polizisten überschatteten die Baupha-
se und die Zeit nach der Inbetriebnahme.
In den 1990er Jahren beflügelten größere
Infrastrukturprojekte das Wachstum des
Flughafens. Terminal 2 und die Hochbahn
Sky Line, die beide Terminals miteinan-
der verbindet, ermöglichten mittlerweile
über 100 Fluggesellschaften die Nutzung
des Flughafens. Auch der Luftpost- und
Frachtverkehr verbuchte ein starkes
Wachstum und wurde durch den Bau der
Cargo City Süd noch beschleunigt.
Heute sind am Frankfurter Flughafen
mehr als 80.000 Menschen beschäftigt.
Im Oktober 2015 erfolgte der erste Spa-
tenstich für das Terminal 3. Damit wird
die Infrastruktur des Flughafens abermals
an denweiterhin stark wachsenden Bedarf
angepasst.
REGIONREPORT
FRANKFURT
I
STADTGEFLÜSTER
M
it der ersten Landung einer „Jun-
kers Ju 52/3m“ wurde der Frank-
furter Flughafen am 8. Juli 1936
in Betrieb genommen. Bei der Eröffnung
war noch nicht abzusehen, welches Aus-
maß der damalige „Flug- und Luftschiff-
hafen Rhein-Main“ einmal haben würde.
Doch seit dem Ersten Weltkrieg gab es in
der zivilen Luftfahrt deutliche Zuwächse.
Bereits im Jahr 1937 hatte der Flugplatz
knapp 71.000 Passagiere. „Dennoch glich
der Flughafen in dieser Zeit noch sehr
einem landwirtschaftlichen Betrieb“, be-
tont Markus Grossbach, Leiter des Fra-
port-Zentralarchivs. „Das Flugfeld wurde
mit Schafen beweidet und dieGrünflächen
durch Kartoffelanbau von Gehölzauf-
wuchs freigehalten“, so Grossbach.
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs
kam die Entwicklung des internatio-
nalen Luftverkehrs zu einem abrupten
Halt. Rund 2.000 Bomben fielen auf das
Gelände des Frankfurter Flughafens, der
dadurch fast völlig zerstört wurde.
AUFBAUHILFE AUS DEN USA
Mit Hilfe des
US-Militärs wurde der Flughafen nach
dem Zweiten Weltkrieg wieder instand-
gesetzt. „Noch vor der Entwicklung eines
geordneten politischen Lebens machten
Schafe und Kartoffeln
auf dem Rollfeld
Der Frankfurter Flughafen ist mit rund 61 Millionen
Passagieren im Jahr und über 297 Flugzielen in 104 verschiedenen Ländern eine der größten
Luftverkehrs-Drehscheiben der Welt. In diesem Jahr feiert er den 80. Geburtstag.
sich ehemalige Flughafenmitarbeiter mit
Schaufel und Spitzhacke daran, vorhan-
denes Material aus den Ruinen zu retten.
Sie wollten ihr Tor zur Welt wieder auf-
richten“, sagt Grossbach.
Im Zuge der Teilung Berlins war der
Flughafen Bestandteil der „Berliner Luft-
brücke“. Über sie brachten amerikanische
„Rosinenbomber“ Lebensmittel und Koh-
le von Frankfurt und anderen Flughäfen
nach Westberlin. So wurde etwa ein Jahr
lang die auf dem Landweg von allen Ver-
sorgungsmöglichkeiten abgeschnittene
Bevölkerung versorgt. Seit der Wieder-
aufnahme des regulären Passagierver-
kehrs 1950 wuchs die Zahl der Fluggäste
stetig. Im vergangenen Jahr zählte der
Frankfurter Flughafen insgesamt rund 61
Millionen Fluggäste.
AUSBAU DES FLUGHAFENS
In den vergan-
genen Jahrzehnten wurde der Flughafen
deutlich ausgebaut. Nach dem Bau neu-
er Start- und Landebahnen sowie Passa-
gierabfertigungsgebäude entwickelte sich
die 1953 neu gegründete Lufthansa zum
Hauptnutzer des Flughafens. Mit der Er-
öffnung des Terminals 1, des Flughafen-
bahnhofs und der Inbetriebnahme der
weltweit größten und leistungsfähigsten
Gabriele Bobka
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Fotos: Fraport AG/Zentralarchiv
1936
1954
2016