DIE WOHNUNGSWIRTSCHAFT 6/2015 - page 78

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6|2015
MARKT UND MANAGEMENT
Ledig, getrennt, verwitwet ...
Einpersonenhaushalte als Nachfragergruppen
Jede fünfte Person in Deutschland lebt allein (Statistisches Bundesamt 2012). Innerhalb von zehn Jahren
ist der Anteil Alleinlebender somit um 40% angestiegen und wird auch künftig zunehmen. Damit
verbunden steigt der Anteil der Einpersonenhaushalte noch weiter an. Für die Wohnungswirtschaft
stellt die Gruppe der Singles somit ein großes Potenzial dar, insbesondere in den Stadtstaaten.
Single ist nicht gleich Single, und nicht jeder zu-
sätzliche Einpersonenhaushalt bedeutet die Ver-
mietung einer weiteren Wohnung. Der klassische
Single der Ausprägung „jung, Berufseinsteiger,
mobil und weltoffen“ repräsentiert nur einen
geringen Anteil der Alleinlebenden. Lediglich
25% aller Singles sind unter 35 Jahre alt. Mehr
als jeder dritte Alleinlebende in Deutschland hat
hingegen das 65. Lebensjahr bereits erreicht oder
sogar überschritten. Diese Haushalte sind vielfach
alles andere als mobil oder auf der Suche nach
einer neuenWohnung oder Veränderungen. Hinzu
kommen temporär Alleinlebende. Das sind bei-
spielsweise Pendler, die in der Woche eine eigene
Wohnung bewohnen und amWochenende zu ihren
Familien zurückkehren. Auch getrennt lebende
Väter und Mütter, die zwar meistens allein leben,
aber auch zeitweise ihr Kind oder ihre Kinder für
mehrere Tage zu Besuch haben, gehören zu dieser
Gruppe.
Im Durchschnitt bewohnt ein Einpersonenhaus-
halt eine Fläche von 70m
2
. Die Bandbreite reicht
dabei vom jungen Studenten, der nur wenige
Quadratmeter in einemStudentenwohnheimbe-
wohnt, bis hin zu verwitweten älteren Personen,
die alleine ein großes Einfamilienhaus zur Ver-
fügung haben. Entsprechend höher ist die Miet-
belastungsquote, die ein alleinstehender Mieter
im Gegensatz zu einem Mehrpersonenhaushalt
tragen muss.
Alleinlebende und ihre Wohnvorstellungen
Die GdW-Studie „Wohntrends 2030“ hat unter
anderem die Wohnkonzepte unterschiedlicher
Nachfragergruppen untersucht. Welche Erkennt-
nisse ergeben sich daraus für die Alleinlebenden?
Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung haben die
Einpersonenhaushalte unterdurchschnittlich
häufig ein häusliches oder anspruchsvolles
Wohnkonzept. Der Anteil der Haushalte mit
funktionalem Wohnkonzept an dieser Gruppe
ist hingegen doppelt so groß wie in der Gesamt-
bevölkerung. Dieses Konzept steht für eine hohe
Unzufriedenheit mit den Gegebenheiten. Eben-
so verfügen Singles überdurchschnittlich häufig
über ein bescheidenes Wohnkonzept. Das ist auf
den hohen Anteil älterer Singles zurückzuführen.
Diese Menschen haben geringe Ansprüche und
führen ein eher nach innen gerichtetes Leben.
Der Anteil der Einpersonenhaushalte, die nur
über geringe Wohnkaufkraft verfügen, liegt um
fünf Prozentpunkte höher als bei Mehrpersonen-
haushalten.
Jüngere Singles: kommunikativ und
anspruchsvoll
Der junge Single bis 44 Jahremit kommunikativem
Wohnkonzept verfügt häufig über eine mittlere
Wohnkaufkraft und bevorzugt moderneWohnun-
gen mit offenen Grundrissen in zentralen Lagen.
Menschen mit diesem Wohnkonzept ist der hohe
Freizeitwert des Wohnumfelds wichtig. Ruhe und
Ordnung spielen eine untergeordnete Rolle. Sie
sind stark nach außen orientiert, dynamisch, fle-
xibel und mobil.
Im Gegensatz dazu sucht der junge Single bis
44 Jahre mit mittlerer Wohnkaufkraft und an-
spruchsvollem Wohnkonzept zwar ebenfalls
moderne Wohnungen, aber mit klassischen
Grundrissen. Allerdings meidet er die zentralen
Lagen und bevorzugt angesehene ruhige Stadt-
teile oder Stadtrandlagen mit hohem Grünanteil
und gutem Freizeitwert. Für diese Gruppe der
Alleinlebenden ist die Wohnung Ausdruck von
Selbstverwirklichung und Idealismus. Optimie-
rungsbestrebungen, häufig verbunden mit einer
hohen Leistungsbereitschaft, führen zu einer ho-
hen Anspruchshaltung.
Andere Wohnkonzepte im Alter
Singles im Alter von 45 bis 64 Jahren verfü-
gen häufig über ein konventionelles oder über
ein anspruchsvolles Wohnkonzept bei mittlerer
Wohnkaufkraft. Auch in diesem Fall gehen die
Wohnwünsche weit auseinander: Die Singles mit
konventionellem Wohnkonzept legen Wert auf
Funktionalität und Qualität der Wohnung und
Ausstattung. Die Wohnungsnachfrage ist daher
sehr stark auf den Nutzen auch in kommenden
Jahren ausgerichtet.
Auch technische und ökologische Entwicklungen
werden vor diesem Hintergrund bewertet. Bei
den älteren Singles mit anspruchsvollem Wohn-
Katrin Trunec
Analyse & Konzepte
Hamburg
VERTEILUNG WOHNKONZEPTE
EINPERSONENHAUSHALTE IN %
Quelle: Wohntrends 2030
20
18
8
27
16
12
bescheiden
funktional
konventionell
kommunikativ
häuslich
anspruchsvoll
1...,68,69,70,71,72,73,74,75,76,77 79,80,81,82,83,84,85,86,87,88,...92
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