Wohnungspolitische Informationen 12/2019 - page 3

VERANSTALTUNG
AUS DEN VERBÄNDEN
Quelle: EUMB
Pöschk
Als Leitveranstaltung der Energiewende
in Deutschland bieten die Energietage
einen einmaligen Überblick über die
aktuellen politischen, wirtschaftlichen
und technischen Entwicklungen. Die fast
60 Fachveranstaltungen mit rund 350
Referenten richten sich an Entscheider
aus Politik, Verwaltung und Verbänden,
an Experten aus der Energie- und Woh-
nungswirtschaft oder öffentliche Einrich-
tungen sowie an Architekten, Ingenieure
und Consultants.
Der Spitzenverband der Wohnungswirt-
schaft GdW richtet gemeinsam mit dem
BBU Verband Berlin-Brandenburgischer
Wohnungsunternehmen am 20. Mai
einen „Praxischeck Smart Buildings“ aus.
Zudem ist GdW-Präsident Axel Gedaschko
am 21. Mai um 13:30 Uhr Teilnehmer
einer hochkarätigen Diskussionsrunde
zum Thema „CO
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-Minderung und bezahl-
bares Wohnen zusammendenken“ des
Bundesministeriums des Innern, für Bau
und Heimat (BMI).
(mau/schi)
Weitere Infos zur Programm und Anmeldung
finden Sie unter
21. – 22. Mai 2019, Berlin
Berliner ENERGIETAGE – bundesdeutscher Treffpunkt zum Thema Energiewende
Untersuchung zur Bezahlbarkeit des Wohnens in Sachsen:
Wohnungsgenossenschaften präsentieren aktuelle Ergebnisse
Dresden – Die Antwort auf die Frage, wer sich welche Miete leisten kann, hängt von vielen Faktoren wie dem Einkommen,
den im Haushalt lebenden Personen, der Wohnungsgröße und den Neben- und Betriebskosten ab. In einer fallgruppenbe-
zogenen Betrachtung hat der Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften (VSWG) 2016 die individuell maximal finan-
zierbare Miete für verschiedene Personengruppen in Sachsen berechnet. Die Untersuchung wurde nun aktualisiert und um
12 neue Fallgruppen erweitert. Der Fokus der Neuauflage liegt dabei auf Familien und Alleinstehenden mit Kindern.
„Welche Stilblüten das Thema Bezahlbar-
keit und Wohnen treibt, lässt sich aktuell
an zahlreichen Beispielen feststellen: Unter
dem Begriff Mietpreisbremse wird versucht,
mit einem Placebo die Miethöhen zu beein-
flussen, unter dem Titel Milieuschutz wird
faktisch in Teilen der Stadt jegliche Moder-
nisierung von Wohnungen verhindert und
in der Bundeshauptstadt werden Hausbe-
setzung und Enteignung von extremen
Lagern, ja sogar von Teilen der Regierung
legitimiert“, so Dr. Axel Viehweger, Vor-
stand des VSWG.
Die Wohnung soll vieles leisten
In der Wohnung kumuliert vieles. Die Woh-
nung soll das Klima retten, Gesundheits-
standort sein und soziale Mieten gewähr-
leisten. Somit steht die Wohnungswirtschaft
zwischen den Forderungen von Politik und
Gesellschaft auf der einen und der Leis-
tungsfähigkeit der Mieter auf der anderen
Seite. Dies hat dazu geführt, dass die Kos-
ten in den letzten Jahren zum Teil deutlich
stärker gestiegen sind als die Mieten. Die
Entwicklung erfolgte also oft zu Lasten der
Wohnungswirtschaft. Dieser Zustand ist auf
Dauer im Hinblick auf einen nachhaltigen
Wohnungsmarkt nicht tragbar.
„Wir fordern eine ehrliche und gerechte
Diskussion über die Kosten des Wohnens.
Dabei geht es darum, einen gemeinsamen
Weg zu beschreiten, die Ziele aller Betei-
ligten miteinander zu verbinden und einen
Kompromiss der Maximalforderungen zu
finden. Insbesondere bei zukünftigen poli-
tischen Entscheidungen zu Anforderun-
gen im Bau, Klimaschutz oder Mobilität
bedarf es vorher einer qualifizierten Fol-
genabschätzung hinsichtlich der Wohn-
kosten“, so der VSWG-Vorstand. „Ausge-
hend von den unzähligen Konstellationen
von Einkommenshöhe, Beschäftigungsum-
fang und Kinderzahl wurden insgesamt 30
repräsentative Fallgruppen ausgewählt“,
erläuterte Sven Winkler, Referent Betriebs-
wirtschaft des VSWG. Die Basis der Berech-
nungen bilden die sogenannten Wohn-
kosten. Darunter versteht der VSWG die
Kosten für die Wohnung – die Kaltmiete
– einschließlich der Betriebs- und Neben-
kosten. Zur Beurteilung der maximal finan-
zierbaren Mieten in Sachsen wurde mit
einer maximalen Wohnkostenbelastung in
Höhe von 35 Prozent vom Nettohaushalts-
einkommen gerechnet.
30 Fallgruppen in vier Kategorien
Ausgehend vom verfügbaren Haushalts-
nettoeinkommen betragen die maximal
finanzierbaren Kaltmieten zwischen 3,88
Euro für alleinstehende Rentner und 14,18
Euro für ein kinderloses Paar mit zwei Voll-
zeiteinkommen je Quadratmeter Wohnflä-
che. Die ermittelten Werte können aber erst
dann sinnvoll bewertet werden, wenn sie in
Relation gestellt werden. Werden die Fall-
gruppen mit den durchschnittlichen Net-
tokaltmieten im Bestand der sächsischen
Wohnungsgenossenschaften in Höhe von
4,82 Euro pro Quadratmeter mit einer kal-
kulatorischen Miete im Bestand von 6,77
Euro pro Quadratmeter, die ein Investor
für die gleiche Wohnung verlangen würde,
beziehungsweise der kalkulatorischen Neu-
baumiete von 10,48 Euro pro Quadratmeter
verglichen, lassen sich die 30 Fallgruppen in
die vier Kategorien „Die Armutsgefährde-
ten“, „Versteckte Verlierer“, „Die Goldene
Mitte“ und „Loftbewohner“ einteilen.
Familien und Alleinerziehende im
Brennpunkt
Eine klare, wenngleich sehr traurige Bot-
schaft der Untersuchung war die Tendenz,
dass Familien mit Kindern gegenüber ihren
Vergleichsgruppen ohne Kinder deutlich
benachteiligt sind. Noch deutlicher tritt die-
ser Effekt bei Alleinerziehenden auf.
Sachsen hat ein Einkommensproblem
– kein Mietenproblem
„Zusammenfassend lässt sich sagen, dass
Sachsen kein Mietenproblem hat, sondern
ein Einkommensproblem. Der zentrale
Schlüssel zur Verbesserung der Situation ist
daher die Verbesserung der Einkommens-
situation. Letztlich ist jeder Wohnungs-
markt so gut wie die zugrundeliegende
Wirtschaft. Eine langfristig angelegte
Wirtschaftspolitik kann dazu beitragen,
Regionen außerhalb der Ballungszentren
zu stärken und dem Schwarmverhalten in
die Ballungszentren entgegenzuwirken.
Somit könnten Abrissförderungen auf der
einen und Neubauförderung auf der ande-
ren Seite zum Teil reduziert werden“, resü-
mierte Dr. Axel Viehweger.
(jak/schi)
Die Publikation „Wohn(T)räume 2.0 –
Untersuchung zur Bezahlbarkeit des Wohnens
in Sachsen“ sowie eine Präsentation finden Sie
unter
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