Immobilienwirtschaft 1/2026

86 · Immobilienwirtschaft · 01 / 2026 Verwaltung & Vermarktung Makler-Franchising 1 GRETCHENFRAGE Was steckt wirklich im Leistungspaket des Franchise- Systems, und passt es zu meinen unternehmerischen Zielen? 1 sich nicht als klassisches Franchise mit strikten Vorgaben, sondern als Transformationspartner und Dienstleister für selbstständige Maklerunternehmer, erklärt Chief Operations Officer Simon Schülke. „Die Makler unterschreiben keinen Franchisevertrag, sondern einen Netzwerkvertrag. Sie behalten die Hoheit über Strategie, Kundenarbeit und ihren eigenen Markenauftritt.“ Die Verwendung des Labels „Powered by Keller Williams“ ist jedem Partner freigestellt, wird aber als „Qualitätssiegel für globalen Erkennungswert“ empfohlen. Ein Gebietsschutz ist nicht vorgesehen; Maklerinnen und Makler sollen Kunden und Objekte auch überregional oder international betreuen können. Organisatorisch wächst Keller Williams über „Market Center“, die von einem als eigenständiges Unternehmen agierenden Operating Principal aufgebaut werden. Zurzeit arbeitet KW mit 60 Partnern. Deren Zahl soll kurzfristig stark anwachsen, so Schülke im Interview. Ebenfalls als Netzwerk ohne „klassischen Franchisevertrag“ positioniert sich Fidania. Die Partner treten einheitlich unter einer Marke auf und nutzen zentrale Services. Zugleich sind sie als Mitaktionäre am System beteiligt und können, etwa über die Gesellschafterversammlung oder einen Partnerbeirat, mitbestimmen – eine mit EDEKA vergleichbare „genossenschaftsähnliche“ Organisationsform. „Das Residualeinkommen, welches Franchise-Geber üblicherweise dem System entziehen, verbleibt, wo es verdient wird: bei den Partnern“, betont der Vorstandsvorsitzende und Gründer Uwe Welzel. Man wolle 2026 die Zahl der Partner von aktuell sieben auf bis 15 steigern. Mittel- bis langfristig sollen es 70 bis 100 werden. RE/MAX Germany ist zertifiziertes Vollmitglied des Deutschen Franchise-Verbandes. Man folge zwar den Mechanismen des Franchising, habe das Ganze aber deutlich unternehmerfreundlicher ausgestaltet: mit fixen Vertragslaufzeiten und partnerschaftlicher Logik, so Samina Julevic, Geschäftsführerin in Deutschland. Anders als bei anderen: „Wir arbeiten nicht mit klassischem Gebietsschutz, der Partner künstlich voneinander trennt oder Geschäft geradezu verhindert. Stattdessen ermöglichen wir ein System echter Netzwerk- und Gemeinschaftsgeschäfte“, sagt die Managerin. RE/MAX Germany formuliert als Langfristziel 10.000 Maklerinnen und Makler bis 2033; zurzeit sind es nach eigenen Angaben rund 800 – statt 850, wie es der DFV veröffentlichte. Für das sehr ehrgeizige Ziel wird kräftig an der Gebührenschraube gedreht. Gestartet mit 20 Prozent Umsatzabgabe, zudem ohne Eintrittsgebühr, wird voraussichtlich im Sommer 2026 eine Reduzierung auf 18 Prozent beschlossen werden. Langfristig soll die Umsatzabgabe nur noch fünf Prozent betragen. Zielgruppe sind vor allem bestehende Maklerbüros, die man gern auch von anderen Franchise-Systemen loseist. BÜROADRESSE ODER PARTNER? Kensington kommuniziert lediglich die Zahl seiner Standorte – laut DFV sind es zurzeit 60. Laut CEO Daniel Malek sollen es Ende 2027 rund 150 bis 200 sein. „GESCHÄFTE ZWISCHEN EINZELNEN BÜROS EINER FRANCHISE SIND IN DER PRAXIS HÄUFIG ÜBERSCHAUBAR. DIE NETZWERK-RHETORIK WIRD NICHT IMMER IN ENTSPRECHENDER GRÖSSENORDNUNG EINGELÖST.“ Stephan Kippes, Professor für Immobilienmarketing 5 Nur etwa fünf Prozent der etwas mehr als 28.000 Maklerbetriebe, die laut Branchenanalyse von IBIS World in Deutschland aktiv sind, sind im Deutschen Franchise-Verband (DFV) gelistet.

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==