Immobilienwirtschaft 1/2026

Herr Freudenberg, was unterscheidet die Erste Hausverwaltung von anderen Plattformmodellen? Viele Plattformen im Verwaltermarkt sind primär als Finanzinvestment angelegt. Der operative Betrieb folgt häufig erst im zweiten Schritt. Unser Ansatz ist ein anderer: Wir sind überzeugt, dass Wohnungsverwaltung nur dann zukunftsfähig ist, wenn man operativ eingreift und Wertschöpfung gemeinsam mit den Teams vor Ort neu denkt. Ein zentraler Unterschied ist, dass wir einen großen Teil unserer Software selbst entwickeln. IT ist für uns kein Hilfsmittel, sondern das Rückgrat unseres Operating Models. Prozesse, Daten, Steuerung und Qualitätssicherung greifen eng ineinander. Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz bei Ihnen konkret? Wenn wir von KI sprechen, meinen wir nicht punktuelle Automatisierung, sondern Technologie, die hochmanuelle Tätigkeiten deutlich verschlankt und spürbar beschleunigt. Ein greifbares Beispiel ist die KI-gestützte Dokumentenverarbeitung bei Objektübernahmen. Unsere Systeme erkennen, klassifizieren und strukturieren Dokumente automatisiert im DMS. Der Zeit- und Kostenaufwand sinkt um deutlich über 90 Prozent. Das entlastet die Teams spürbar und beschleunigt die Integration erheblich. Welche Unternehmen kommen für Übernahmen in Frage? Wir suchen Verwaltungen mit belastbarer Substanz – meist ab rund einer Million Euro Umsatz, mit stabilen Teams und idealerweise einer funktionierenden Management-Ebene. Ebenso wichtig ist die Haltung der Verkäufer. Wir bevorzugen Partner, die ein bis zwei Jahre aktiv mitgestalten wollen. Wir sind kein Restrukturierer, sondern ein Umsetzungspartner, der positives Momentum verstärkt. Unser Ziel ist es, übernommene Unternehmen innerhalb von sechs bis zwölf Monaten operativ zukunftsfähig aufzustellen. Wie ist die Gebührenlogik Ihres Unternehmens gestaltet? Wir arbeiten nicht mit Pauschalen. Unsere Vergütung orientiert sich am tatsächlichen Leistungsumfang. Neben kaufmännischer und technischer Verwaltung verfügen wir über eigene Kompetenzen in Facility Management, Architektur sowie Projekt- und Baumanagement. Unser Anspruch ist exzellenter Service, nicht der günstigste Preis. Wie vermeiden Sie Systembrüche nach Zukäufen? Integration ist bei uns ein eigener Kompetenzbereich. Ein erfahrenes Team hat bereits mehr als zehn vollständige Integrationen begleitet. Ergänzend unterstützen zentrale Taskforces – etwa in der Buchhaltung – temporär in Übergangsphasen. Für jede Übernahme entwickeln wir einen individuellen Integrationsplan, der IT, Personal, Finance und Prozesse gleichermaßen berücksichtigt. Wo endet Zentralisierung? Zentralisierung ist für uns ein Werkzeug, kein Dogma. Leistungen mit hoher lokaler Relevanz – insbesondere im WEG-Bereich – bleiben vor Ort. Bereiche wie Buchhaltung, IT, HR, Finance oder Automatisierung lassen sich zentral viel effizienter organisieren. Welche Wachstumsziele verfolgen Sie? Wir wollen wachsen, aber mit Augenmaß. Unser Leitsatz lautet: so schnell wie möglich, aber so langsam wie nötig. Langfristig wollen wir zu den führenden Anbietern im deutschen Hausverwaltungsmarkt gehören, indem wir Menschen und Technologie konsequent zusammenbringen. „MIT AUGENMASS WACHSEN“ Justus Freudenberg erklärt die ÜBERNAHMESTRATEGIE der Ersten Hausverwaltung. Der CEO will langfristig zu den führenden Unter- nehmen im Hausverwaltungsmarkt gehören. I N T E R V I E W JUSTUS FREUDENBERG TEXT Manfred Godek „WOHNUNGSVER- WALTUNG IST NUR ZUKUNFTSFÄHIG, WENN MAN OPERATIV EINGREIFT UND WERTSCHÖPFUNG NEU DENKT.“ Justus Freudenberg, CEO der Ersten Hausverwaltung Eine L’Immo mit Justus Freudenberg gibt es ab 23.2. 81 · Immobilienwirtschaft · 01 / 2026

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