51 · Immobilienwirtschaft · 01 / 2026 Monsieur Boffi, die Immobilienbranche steht weltweit vor komplexen Herausforderungen. Wie kann die Mipim zur Bewältigung beitragen? Die Immobilienbranche befindet sich in einer Phase großer Spannungen. Unsicherheit ist die neue Normalität. Aber diese Krise wirkt auch als Katalysator. In diesem Zusammenhang spielt die Mipim 2026 eine entscheidende Rolle. In Zeiten geopolitischer und wirtschaftlicher Instabilität müssen Entscheidungsträger im Immobilienbereich die Herausforderungen mit absoluter Klarheit begreifen. Die Mipim ist der Ort, an dem Menschen Antworten finden, ein Forum, das Transparenz und Weitsicht schafft. Die Wahl des Ökonomen Philippe Aghion als Keynote-Speaker verkörpert unser Bestreben, wichtige wirtschaftliche und technologische Herausforderungen zu beleuchten. Als Gewinner des Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaften 2025 liefert seine Arbeit zu Innovation, Wachstum und Energiewende wichtige Erkenntnisse für die Antizipation neuer Herausforderungen. Die Investitionstätigkeit auf den Immobilienmärkten in Europa und den USA hat in der zweiten Hälfte 2025 leicht zugenommen. Könnte die Mipim nun der Startschuss für eine nachhaltige Trendwende sein? Auf jeden Fall. Es gibt klare Anzeichen von Optimismus. Das Vertrauen in die Märkte ist gestiegen. Vergangenes Jahr drehten sich viele Gespräche um das Thema „Survive ’till 25“ – Durchhalten bis 2025. Dieses Jahr wird es um die Frage gehen: „Wo liegen die ersten Chancen, die es wert sind, genutzt zu werden?“ Tatsächlich? Ja. Sehen Sie, nach zwei Jahren schmerzhafter Neubewertungen sind Käufer und Verkäufer wieder näher aneinandergerückt. Die Segmente Wohnen und Gesundheitswesen sind im Aufschwung, in Deutschland haben sich die Transaktionen im Gesundheitswesen im Vergleich zum Vorjahr sogar mehr als verdoppelt. Institutionelles Kapital fließt wieder in krisenresistente Vermögenswerte, die von der Demografie Rückenwind erhalten. In mehreren wichtigen Segmenten hat die Wende bereits begonnen. Jetzt geht es darum, das einsatzbereite institutionelle Kapital mit den richtigen Projekten zu verbinden. Hohe Finanzierungskosten und attraktive Anleiherenditen ziehen Kapital von Immobilien ab: Viele institutionelle Anleger bevorzugen Staats- und Unternehmensanleihen. Die Finanzierungskosten entwickeln sich endlich in die richtige Richtung. Die Zinsen sind von ihren Höchstständen zurückgekommen. Gleichzeitig sind die Schulden der meisten Staaten höher als vor der Corona-Pandemie, weiten sich aber nicht mehr aus. Diese Gemengelage führt zu einer Neugewichtung von Staatsanleihen und Immobilien. Das bedeutet zwar keinen plötzlichen Kapitalanstieg, aber in Sektoren mit korrigierten Preisen und dauerhafter Nachfrage – Wohnen, Logistik – kehren institutionelle Anleger bereits zurück. Nun beginnt eine Phase, in der sich die Marktwerte von Liegenschaften stabilisieren. Immobilien gewinnen dadurch wieder eine stärkere Position im Vergleich zu festverzinslichen Alternativen. Das verändert die Stimmung; institutionelle Anleger signalisieren mehr Vertrauen in die Immobilienmärkte. Banken zögerten 2023 und 2024 bei der Finanzierung von Immobilieninvestitionen, u. a. wegen strengerer Basel-IV-Vorgaben. Neue Marktanalysen zeigen nun zunehmenden Wettbewerb, der Kreditgeber zu niedrigeren Margen im Neugeschäft bewegt. Ja, der Wettbewerb nimmt wieder zu, die Margen sinken. Die Banken wollen nach zwei schwachen Jahren wieder Geschäfte machen. Die meisten Institute konzentrieren sich auf risikoarme, einkommenssichere Sektoren, die die Kapitalkosten rechtfertigen – Wohnimmobilien, erstklassige Vermögenswerte, stabilisierte Logistikimmobilien und alles, was über starke ESG-Referenzen verfügt. Die Banken lockern ihre Standards nicht, aber sie positionieren sich neu, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Kreditnehmer mit soliden Vermögenswerten, klaren Geschäftsplänen und starken Berichtsstrukturen finden mehr offene Türen als vor einem Jahr. Dieses neue Engagement ist ein klares Zeichen dafür, dass der Markt seine restriktivste Phase hinter sich lässt. NICOLAS BOFFI folgte im September 2025 Nicolas Kozubek als Direktor der Mipim nach „KREDITNEHMER FINDEN WIEDER OFFENE TÜREN“ Der neue Mipim-Direktor Nicolas Boffi sieht die Immobilienmärkte auf dem Pfad der Erholung und die diesjährige Messe als Startschuss für eine nachhaltige TRENDWENDE. I N T E R V I E W NICOLAS BOFFI TEXT Richard Haimann
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