Immobilienwirtschaft 1/2026

52 · Immobilienwirtschaft · 01 / 2026 Menschen & Märkte Portrait I M M O - P O R T R A I T INGEBORG ESSER Eigentlich sei ihr Mann Schuld an allem: Er habe die Bewerbung damals abgeschickt. Das Gespräch mit dem späteren Verbandsdirektor Heinz Werner Götz war gut. Sie wurde genommen, arbeitete dort als Prüfungsassistentin. Aber schon bald suchte man einen Assistenten des damaligen Direktors, der auch zuständig sein sollte für das interne Rechnungswesen, den Jahresabschluss. Pech für sie, er sollte männlich sein. Glück für sie, keiner der in Betracht kommenden Männer hatte große Lust, mit Gerhard Runge zusammenzuarbeiten. „Als ich mich bei ihm bewarb, war er nicht sehr begeistert. Fragte dann aber einmal, ob wir es nicht miteinander versuchen wollten. Vor Kurzem ist er gestorben. Seine Frau meinte zu mir, ihr Mann habe die Zusammenarbeit damals sehr genossen. Das hat mich bewegt.“ Runge hatte ihr früh die Möglichkeit gegeben, Führungsverantwortung zu übernehmen. Später wechselte ihr Mann als Vertriebsleiter zum Kölner Stadtanzeiger. Nach einem Jahr Fernbeziehung folgte Ingeborg Esser ihm 1993. Es hatte sich eine neue Berufsmöglichkeit ergeben. Die Wohngemeinnützigkeit war weggefallen. Der GdW brauchte dringend einen Steuerberater. Ihr Steuerberaterexamen hatte sie in München gemacht. Das passte. PARTY WAR DAMALS 1999 ging der Verband nach Berlin. Mit ihrem Mann ging sie 1998 voraus. Sie wurde besondere Vertreterin des GdW. Damit zog sie in die Leitungsebene ein. Ingeborg Esser arbeitete mit daran, die Kooperation mit den Regionalverbänden zu stärken. Unter Lutz Freitag wählte man sie als erstes weibliches Mitglied in den Vorstand. Ob das mit Gender-Gerechtigkeit zu tun hatte oder ob es einfach der Lohn war für eine, wie es scheint, hervorragende Arbeit, muss offen bleiben. Jedenfalls war sie fortan zuständig für den Prüfungsbereich. Ich hätte etwas darum gegeben, sie in den Anfängen ihres beruflichen Werdegangs kennenzulernen. Wenn sie jetzt davon spricht, wie blauäugig Der Weg zum Haus des GdW führt vorbei an der syrischen Botschaft. Davor hektische Stimmung, Polizei. Ich werde Hauptgeschäftsführerin Ingeborg Esser treffen. Sie ansprechen auf diese turbulente Zeit. Ob sie ein politischer Mensch sei? Eher rhetorische Frage. Ja, sagt sie, wenngleich nicht parteipolitisch engagiert. Als Verbandsvertreterin müsse sie offen sein in alle Richtungen. Sie sagt, sie habe lange gehofft, ihr Sohn könnte jetzt in der besten Zeit überhaupt leben. Doch so sei es nicht. Klingt ein bisschen resigniert. Ich habe trotzdem nicht den Eindruck, als sitze mir eine Pessimistin gegenüber. Aber als weltoffener Mensch scheint sie die Rückkehr zu Nationalismen, die Tendenz zur Abschottung vieler Länder, besonders zu bedauern. WAS IST EIN VERBAND? Sie betont das Wort „Weltoffenheit“ sehr, auch im Zusammenhang mit dem GdW. Sie spricht darüber, dass der Verband nicht nur Heimat sei für das CDUMitglied Axel Gedaschko, sondern genauso für die SPD-Männer Jürgen Steinert und Lutz Freitag, der sogar aus der Gewerkschaftsszene stamme. Für Ingeborg Esser ist es diese Weltoffenheit, die die Präsidenten verbindet. „Alle sind Hamburger“, sagt sie. „Und Hamburg ist das Tor zur Welt.“ Sie selbst näherte sich dieser Stadt zwar immer mehr an. Von Süden. Von Salzburg über Regensburg, Augsburg und Köln. Aber sie ist da glücklich, wo sie jetzt ist. Der GdW Bundesverband Deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. ist auch ihre Heimat geworden. Sie hat ihn mitgebaut. Er sitzt inzwischen in Berlin. Weiter nördlich ist nicht geplant. Hätte man Ingeborg Esser nach dem Studium geweissagt, dass sie eines Tages für den GdW brennen würde, hätte sie es kaum geglaubt. „Was ein Verband ist, davon hatte ich zu dieser Zeit nur höchst oberflächliches Wissen“, meint sie. Nach ihrem Studium wollte sie eigentlich in eine Bank. Bewarb sich aber auch auf eine Stellenanzeige des VdW Bayern. Die bundesweit gleiche Auslegung der Aktivierung von MODERNISIERUNGSKOSTEN hat einen gewissen Charme. Doch den erkennt nicht jeder.

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