Immobilienwirtschaft 1/2026

Regionreport Berlin Unternehmerrunde darüber sprechen. Das ist ganz wichtig. Wir können der Politik sagen: Lass uns das jetzt anders machen! Denn wenn Entscheidungen nicht getroffen, sondern delegiert werden, dann haben wir Genehmigungsverfahren, die 16 Jahre dauern. Das ist eine erschreckende Zahl. Der durchschnittliche Bebauungsplan braucht in Berlin übrigens elf Jahre im statistischen Mittel. Was wäre denn machbar? Wolters: Mit einer politischen Vorgabe von 36 Monaten wäre man in einem vernünftigen Rahmen. Wir wollen ja auch innovationsgetriebene Unternehmen an den Standort holen. Und wenn ich dann Genehmigungs- und Planungszeiträume von drei, fünf oder mehr Jahren habe, ist ja jede Innovation an sich schon wieder verändert. Ist das denn so schlimm angesichts des langen Lebenszyklus von Immobilien in Städten? Wolters: Natürlich müssen wir auch damit intelligent umgehen. Wir brauchen in Berlin lediglich die Grundgedanken: Wo möchte ich hin? Welches Zielbild habe ich eigentlich? Auf dieser Grundlage gilt es, vernünftige Entscheidungen zu treffen. Diese Kompetenz darf dann auch nicht in Frage gestellt werden. Denn in den Verwaltungen sitzen sehr viele kompetente, engagierte Menschen. Die wollen und können mitgestalten, mitentwickeln und Entscheidungen treffen. Herr Maaß, Bürobashing aller Orten. Ist der Büroimmobilienmarkt trotz des Leerstands von über 30 Prozent wirklich so unsexy? Maaß: Ich empfinde den Büromarkt als ausgesprochen attraktiv und spannend. Auch wir sitzen heute in einer Bürofläche. Wir werden auch weiterhin zusammenarbeiten und nicht ausschließlich aus dem Homeoffice heraus. Die Frage in der aktuellen wirtschaftlichen Situation ist: Wie muss die Bürofläche aussehen und wo steht die Büroimmobilie? Vor 2022 war das eher zweitrangig. Heute ist etwa das Thema ESG für Corporates wichtig. Das heißt, ich fokussiere mich auf Immobilien in Toplagen, die alle Nachhaltigkeits- und Ausstattungsvoraussetzungen erfüllen. Auch die Arbeitswelt hat sich verändert. In unserem Neubau etwa, im B-One in der Budapester Straße in Berlin, herrscht eine ganz andere Arbeitsumgebung. Die muss ich natürlich auch über den Grundriss und das Büromobiliar abbilden können. Die Immobilie muss zum Anforderungsprofil der heutigen Zeit passen. Wo steht denn was leer? Maaß: Wenn Sie die Leerstandsraten gewichten, erkennen Sie schnell, wo dieser Leerstand stattfindet: In der Regel in B- oder C-Lagen oder es sind Baujahre vor 1995, die die heutigen Anforderungen sowohl der Investoren als auch der Mieter nicht mehr erfüllen. Herr Brumbauer, braucht man überhaupt noch Büroneubauten? Brumbauer: Ich kann nur unterstreichen: Gute Verantwortlichen in den Ämtern auch einfach mal machen lassen. Was meinen Sie, Herr Wolters, als Öffentlicher hierzu? Wolters: Ich kann ein Lied davon singen, wie wir selbst bombardiert werden mit Anfragen. Das gilt nicht nur für die Landesgesellschaft, sondern natürlich auch für die Ämter. Und dann will genau an dieser Stelle die Politik sozusagen in Sachfragen mitentscheiden. Doch das ist mitnichten das, wofür Politik gedacht ist. Soll die Politik sich raushalten? Wolters: Politik muss den Rechtsrahmen regulatorisch vorgeben. Die Entscheidung in den Sachfragen jedoch muss auf der Verwaltungsebene erfolgen. Diese Balance müssen wir schaffen, indem wir „DIE POLITIK MUSS DEN RECHTSRAHMEN REGULATORISCH VORGEBEN. DIE ENTSCHEIDUNG IN DEN SACHFRAGEN JEDOCH MUSS AUF DER VERWALTUNGSEBENE ERFOLGEN.“ Frank Wolters

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