40 · Immobilienwirtschaft · 01 / 2026 Frau Bojens, welche Herausforderungen sehen Sie aktuell auf dem Berliner Immobilienmarkt? Saidah Bojens: Der Berliner Wohnungsmarkt ist stark politisiert, besonders vor den Wahlen. Es fehlt mitunter an Sachlichkeit, was uns als Projektentwickler stark herausfordert. Ein großes Problem ist der Personalmangel in der Verwaltung, der Genehmigungen verzögert. Projekte bleiben dadurch jahrelang liegen, was die Wohnungsnot verschärft. Es gibt immer auch überambitionierte Anforderungen und viele interne Hürden, die den Fortschritt bremsen. Doch in Bezug auf die Verwaltung spüren wir neuerdings einen stärkeren politischen Willen, Ergebnisse zu liefern. Herr Brumbauer, sind erschwingliche Mieten für den Mittelstand überhaupt noch realistisch? Michael Brumbauer: Das ist äußerst schwierig. Mietkosten von über 20 Euro pro Quadratmeter, gestiegene Zinsen und hohe Grundstückspreise treiben die Gesamtkosten enorm in die Höhe. Dazu kommen staatliche Abgaben, die den Wohnungsbau zusätzlich belasten. Fördermaßnahmen könnten helfen, aber im freifinanzierten Wohnungsbau ist es kaum möglich, rentabel zu bauen und gleichzeitig erschwingliche Berlin – von politischen Diskussionen über Vergesellschaftung bis hin zu Fragen der Zukunftsfähigkeit von Büro und Wohnprojekten. Wie ist die Lage? Was bewegt die Branche? Welche Lösungen sind notwendig, um die BERLINER IMMO- BILIENWIRTSCHAFT voranzubringen? BERLIN – DIE CHANCEN 1 UNTERNEHMERRUNDE Berlin ist immer einen Talk wert – besonders zu Themen der Immobilien- und Wohnungswirtschaft Mieten anzubieten. Die Kalkulationen zeigen, dass ohne signifikante Unterstützung durch die Politik der Neubau für den Mittelstand in Berlin kaum noch realisierbar ist. Es gibt zwar Diskussionen über staatliche Maßnahmen, aber bislang fehlen konkrete Ansätze. Herr Maaß, wie wirken sich denn die Enteignungsdebatten auf das Investitionsklima aus? Heiko Maaß: Diese Diskussionen führen bei Investoren durchaus zur Zurückhaltung. Berlin wird oft als risikobehaftet wahrgenommen, was dem Wirtschaftsstandort Berlin schadet und Unsicherheiten in den Markt gibt. Allerdings sehen internationale Investoren auch Chancen, da die Marktpreise mittlerweile den Boden erreicht haben. Auch wenn die Diskussionen über Vergesellschaftungen großer Wohnungskonzerne bei manchen Marktteilnehmern zu Vorsicht führen und diese lieber in andere Städte ausweichen, nutzen andere gezielt diese Phase, um selektiv zu investieren und von der langfristigen Attraktivität des Standorts Berlin zu profitieren. Wie, Herr Wolters, erleben Sie die Kreditvergabe für gewerbliche Projekte? 1 TEXT Jörg Seifert FOTOS Marcus Glahn
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