Immobilienwirtschaft 1/2026

37 · Immobilienwirtschaft · 01 / 2026 Instrument auf den Weg gebracht, um Wohnungsneubau erheblich zu vereinfachen. „Das Gesetz hat zu einer Beschleunigung der Genehmigungsprozesse beigetragen. Noch wichtiger ist jedoch, dass die Senatsverwaltung unter der derzeitigen Regierung bei Wohnbauprojekten mit einem spürbar geänderten ‚Mindset‘ agiert“, urteilt Rechtsanwalt Jakob Hans Hien von der Kanzlei Knauth. DIE STADT ALS HABITAT DER TIERE Doch die als Bedienhilfe für die Bauämter gedachte Maßnahme kollidiert mit den Realitäten im jeweiligen Bezirk. Der Fall „Pankower Tor“, an dem der Möbelunternehmer Kurt Krieger 2.500 Wohnungen errichten möchte, ist sicherlich das prominenteste Beispiel für politisch bedingte Verschleppungen im Wohnungsbau. Eigentlich sollten beim 2018 bekanntgemachten Projekt 2021 die ersten Kräne kreisen. Doch die Umsiedlung von 800 Kröten wurde zum Zankapfel, der Naturschutzbund Deutschland (NABU) geht juristisch gegen das Projekt vor. Ein ähnliches Schicksal erleidet die Groth Gruppe mit geplanten 2.500 Wohnungen in Berlin-Lichterfelde. Nach der bereits erfolgten Umsiedlung von Zauneidechsen sorgte im Herbst 2025 der Fund einer Ameisenpopulation, deren Repopulation nur von März bis Mai gestattet ist, für eine weitere Verschiebung des Baustarts. Die bekannten Verzögerungen bei der Entwicklung der „Urban Tech Republic“ auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel brachten Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey auf die Idee, Mittel aus dem Infrastruktursondervermögen des Bundes hierfür einzusetzen. So soll sich die Fertigstellung des Projekts nicht um fünf Jahre bis 2035 verzögern. Der Löwenanteil der bis 2037 für das Land Berlin reservierten 5,2 Milliarden Euro aus den Bundestöpfen fließt gleichwohl in eine Klimaschutzmaßnahme: Eine Milliarde wird der Senat für Baumpflanzungen ausgeben, auf Platz zwei folgt der Wohnraumförderfonds mit 750 Millionen Euro. Mit Blick auf die Wahl zum Abgeordnetenhaus im September 2026 scheint sich die für die Immobilienwirtschaft schwierige Gemengelage zu zementieren. Aktuelle Umfragen sehen die CDU als stärkste Partei. Die Linke liegt mit rund 18 Prozent auf Platz zwei und könnte gemeinsam mit den Grünen und der SPD eine neue Mehrheit erreichen. Die Spitzenfunktionäre der Linken in Berlin haben daher schon verbal aufgerüstet: „Vonovia ist einer der dreistesten Vermieter Berlins“, sagt die Spitzenkandidatin Elif gestellten Hochhauspläne haben sich sechs verschiedene Protestbündnisse gebildet. Sie richten sich besonders gegen die nicht vorhandene Verkehrsinfrastruktur angesichts der zu erwartenden Pendlerströme. Allen voran aber geht es um die Bewahrung eines historischen Stücks Berlin. Initiativen dieser Art hemmen vielerorts auch den Wohnungsneubau: „Viele Vorhaben leiden weniger an formalen Hürden als an partikularen Interessen einzelner Akteursgruppen, die mit hoher medialer Resonanz auftreten und sehr selten die Mehrheit repräsentieren – häufig Gruppen, die selbst nicht auf Wohnungssuche sind“, sagt Periskop-Chef Simon Kempf. Der schwarz-rote Senat hat reagiert und mit dem im Dezember 2024 verabschiedeten „Schneller-Bauen-Gesetz“ ein 1 1 SAATWINKLER DAMM Rund 1.000 Mietwohnungen hat Ten Brinke auf einem ehemaligen Siemens-Gelände am Saatwinkler Damm in Spandau errichtet „ALLEIN IN BERLIN BESTEHT IM BÜRO-REFURBISHMENT EIN MARKTPOTENZIAL VON EINER MILLIARDE EURO.“ Dietmar Reckow, Goldbeck

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