55 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2026 verbotssatzung ausschließlich auf die Nutzung von Wohnungen als Ferienwohnungen, nicht aber auf eine gewerbliche Nutzung. Studiert man die Satzung und das ihr zugrunde liegende sächsische Zweckentfremdungsverbotsgesetz, so ist das allerdings nicht so klar. Zwar wird dort als Zweckentfremdung lediglich definiert, wenn Wohnraum mehr als zwölf Wochen im Jahr für Kurzzeitvermietung genutzt wird oder länger als zwölf Monate leer steht. Einen Satz vorher steht allerdings: „Wohnraum wird zweckentfremdet, wenn er durch die/den Verfügungsberechtigte/-n und/ oder die/den Mieter/-in anderen als Wohnzwecken zugeführt wird“ – womit logischerweise auch eine gewerbliche Nutzung erfasst sein müsste. VERMIETUNG ALS BÜRO LUKRATIVER Bei alledem ist zu berücksichtigen, dass es auf Seiten der Immobilieneigentümer sehr unterschiedliche Interessen gibt. Während diejenigen, die unvermietete Büroflächen im Bestand haben, ein konsequentes Vorgehen der Behörden gegen eine gewerbliche Nutzung von Wohnraum unterstützen dürften, sieht das bei Investoren, die Wohnungen an Büronutzer vermietet haben, ganz anders aus. Denn trotz gestiegener Wohnkosten liegen die Mieten für Büros deutlich über denjenigen für Wohnungen. Das zeigt das Beispiel des Berliner Kurfürstendamms, wo viele hochherrschaftliche Gründerzeitwohnungen seit Jahren als repräsentative Firmenadressen dienen: Während der Berliner Mietspiegel für Wohnungen am Kurfürstendamm eine Miete von um die zwölf Euro pro Quadratmeter ausweist, beträgt schon die Durchschnittsmiete für Büros in Berlin rund 27 Euro pro Quadratmeter. 1 MÜNCHEN spart sich laut Sozialreferat durch die Rückgewinnung von Wohnraum einen zweistelligen Millionen- betrag 2 BERLIN Während der Berliner Mietspiegel für Wohnungen am Kurfürstendamm eine Miete von um die zwölf Euro pro m2 ausweist, beträgt schon die Durchschnittsmiete für Büros in Berlin rund 27 Euro pro m2 Behörden profitieren. Nimmt man an, dass eine gewerblich genutzte Wohnung im Durchschnitt 100 Quadratmeter groß ist, so ergibt sich bei 108 Wohnungen eine Gesamtfläche von 10.800 Quadratmeter Büro- und Praxisfläche, deren Nutzer sich neue Räume suchen mussten. Das entspricht immerhin einem Anteil von etwa zwei Prozent am Münchner Büroflächenumsatz im Jahr 2025 (rund 580.000 Quadratmeter). WIDERSPRÜCHE IN LEIPZIG Noch einmal anders ist die Lage in Leipzig. Dort zeichnete im Frühjahr der Kommunikationsberater Robert Hesse auf dem Businessnetzwerk LinkedIn das Schreckbild einer Verdrängung von Büros und Praxen aus ihren angestammten Domizilen. Unter Bezug auf die Antwort des Dezernats Stadtentwicklung und Bau auf eine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen äußerte Hesse die Befürchtung, bis Herbst dieses Jahres müssten sich in der Messestadt bis zu 750 Büros, Kanzleien und Praxen neue Flächen suchen. Die Stadtverwaltung Leipzig gibt jedoch Entwarnung. Nach ihren Angaben bezieht sich die örtliche Zweckentfremdungs2
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