Immobilienwirtschaft 3/2026

56 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2026 Menschen & Märkte Portrait I M M O - P O R T R A I T CHRISTINE BERNHOFER Geschäft ihres Vaters. Nach dem Abitur Banklehre bei der Sparkasse Oberland. Dann studiert sie BWL („Traumstudium“). Erhält Bafög, arbeitet während des Studiums bei der Sparkasse. Danach Kreditausbildung bei der HypoVereinsbank im Bereich Immobilien. Sachbearbeiterin Großkunden-Betreuung. Parallel Promotion zu Kreditnehmer-Einheiten. Später zur frisch gegründeten Meag, dort Prokuristin Back- und Frontoffice. Geschäftsführerin bei der Immobilien-Fondsgesellschaft TMW Pramerica, acht Jahre Backoffice-Geschäftsführerin bei UBS mit ihren 4,5 Milliarden Assets under management, der „big number“ damals. NICHT ALLES VERLÄUFT EBEN Sie erzählt auf eine Art, die mich gleich für sie einnimmt. In diesem Lebenslauf hat nicht alles nur geklappt. Ihr erfolgreicher Weg war gepflastert mit Widrigkeiten. So war bei der Meag der, der sie einstellte, bald wieder weg. Sie hatte dort zunächst keine Aufgabe, überlebte trotzdem. Auch die erste Geschäftsführung bei TMW Pramerica hatte ihren Preis. Aus vielen Gründen sei die Situation dort nicht einfach gewesen. Eine KVG sollte neu gegründet werden, die Zeit drängte. So bekam sie ihre Chance. „Eine renommierte KVG hätte mich mit 35 niemals als Geschäftsführerin genommen“, sagt sie. Ein Glück für ihre weitere Karriere. Wäre Christine Bernhofer hauptberuflich Kindergärtnerin geworden, hätten wir uns vermutlich nicht kennengelernt. Wie gut also, dass sie nach ihrem Sabbatical beschloss, das könne es für die Zukunft nicht sein. Ich möchte mit diesem Sabbatical beginnen, denn es ist etwas Besonderes, das hatte ich noch nie in meinen Portrait-Gesprächen. Mit 45, nach einer Station bei der UBS, die Frage: „Will ich das wirklich noch 20 Jahre machen?“ Jemand hatte gesagt, er kenne da wen, der mache Charity in Südafrika. Sie kam unter bei einem Freund, der dorthin ausgewandert war, und arbeitete ein Vierteljahr in einem Township im Kindergarten Jabulani. Sie hatte auf eine kreative Tätigkeit gehofft, doch die Realität habe so ausgesehen: zwei Betreuer, 50 Kinder – Hände waschen, aufs Klo gehen. Kochen, abspülen, bisschen Basteln. Sie hätte trotzdem weitergemacht, musste aber aus familiären Gründen schon nach drei Monaten abbrechen. Die Arbeit hat ihr viel gegeben, sie zeigte ihr aber keine besseren Lebensinhalte auf. Das, was sie beruflich bisher so getan hatte, insbesondere KVGs gründen und managen, war an sich schon das Richtige. Und vorher? Sie ist geboren in Weilheim, einer oberbayerischen Kleinstadt. Ein älterer Bruder, Vater Fernsehtechniker. Sie sei, sagt sie, mit Arbeit aufgewachsen, kann mit fünf Jahren schon Trecker fahren, bringt auf den Wiesen die Milch weg. Macht schon als Jugendliche die Buchhaltung im „ICH KOMME VOM LAND“ Dieser Satz ist mehr als eine bloße Herkunftsbeschreibung. Er ist Ausdruck eines UNPRÄTENTIÖSEN Wesens. Geradezu verwirrend in einer Welt der Selbstdarsteller. TEXT Dirk Labusch FOTOS Anna Aicher

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