34 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2026 Schwerpunkt Bestandssanierung Skalierungsgrad ab. Viehrig: „Erst wenn wir unter 1.000 Euro, besser unter 800 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche in der Sanierung kommen, wird daraus ein richtig breiter Markt.“ Derzeit bringt erst der „SerSan-Bonus“ serielle Sanierungen auf das Kostenniveau einer klassischen Sanierung im Wärmedämmverbundsystem. Der über die KfW abgewickelte Förderbonus des Bundes beträgt 15 Prozent der förderfähigen Sanierungskosten und wird als zusätzlicher Tilgungszuschuss zur normalen Effizienzhaus-Förderung gewährt. Voraussetzung sind ein digitales 3D-Aufmaß und mindestens 80 Prozent der relevanten Fassadenfläche mit werkseitig vorgefertigten Elementen. Sind Fenster Teil der Fassadenelemente, müssen Fenster oder Rahmen bereits im Werk integriert sein. Viehrig: „Aber der Bonus wird nicht ewig da sein.“ Auch das Vergaberecht kann eine Hürde sein. Klassische Ausschreibungen zerlegen Bauvorhaben häufig in Einzelgewerke. Serielles Sanieren braucht funktionale Leistungsbeschreibungen und mehr Spielraum für Systemlösungen. „Für viele Vergabestellen ist das Thema neu und die Unsicherheit dementsprechend groß“, sagt Robert Rapscher von Energiesprong. Ohne veränderte Vergabe bleibt die Systemlösung schwer beschaffbar. KI MACHT DAS SPIEL Industrialisierte Bauprozesse benötigen präzise Daten, damit Bauelemente korrekt und skalierbar hergestellt werden können. Das gilt erst recht für serielles Sanieren mit vielen integrierten Komponenten. „BIM, 3D-Scanning und digitale Tools helfen Bauelemente passgenau zu planen, Gewerke zu koordinieren und später auch den Betrieb zu unterstützen – etwa über digitale Zwillinge, die technische Systeme wie Heizung, Lüftung und Klima abbilden“, so dena-Expertin Paula Baptista. Bereits in der frühesten Projektphase kann KI eingesetzt werden, „um über Bilderkennung von Geodaten und 3D-Satellitendaten ganze Immobilienportfolios zu bewerten und wiederkehrende Gebäudetypen zu identifizieren“, heißt es von ecoworks. Das Berliner Unternehmen zählt zu den profilierten Anbietern serieller Sanierung in Deutschland. Über Laserscans werden millimetergenaue Punktwolken und daraus digitale Gebäudemodelle generiert. Im Idealfall wird daraus ein BIM-Modell, mit dem sich Gewerke vorab koordinieren lassen. So ließen sich bis zu 80 Prozent der Arbeiten von der Baustelle in die Fabrik verlagern. Die digitale Planung zeigt zugleich: Serielle Sanierung endet nicht an der Fassade. Es können Lüftungskomponenten integriert werden. Leitungsführungen, neue Heizzentralen oder Wärmepumpen, PV-Dächer und Schnittstellen zur bestehenden Haustechnik lassen sich darstellen. Gebäudehülle, Wärmeversorgung, Lüftung und Stromerzeugung werden zusammengedacht – auch darin liegt der Systemwechsel. MEHR ALS FASSADE Die Sanierung läuft nicht mehr nacheinander ab – erst Fassade, dann Fenster, dann Heizung, dann Lüftung. Sie wird als Paket geplant. „Seriell“ heißt aber nicht automatisch einfach. Alte Leitungsnetze, dezentrale Gasthermen, unklare Schächte oder fehlende Steigzonen lassen sich nicht beliebig in ein Raster pressen. Auch unterschiedliche Fenster- und Deckenhöhen, Außenwandneigungen oder Gebäudeversätze müssen planerisch aufgefangen werden. Der Engpass liegt dann nicht in der Fabrik, sondern am Gebäude. Serielles SCHULE IN WETTER Im Schulbau treffen mehrere Faktoren aufeinander: laufender Betrieb, kurze Bauzeiten und knappe öffentliche Haushalte. Die IGS Wollenbergschule im hessischen Wetter wurde bereits vor 14 Jahren in den 6 Wochen Sommerferien mit vorgefertigten Holzmodulfassaden modernisiert. Für die neue Fassade wurden 3.315 Quadratmeter vorgefertigte Elemente eingesetzt. Nach der Sanierung erreichte die Schule Passivhaus-Niveau. Der Fall zeigt, warum serielles Sanieren gerade im öffentlichen Bau interessant ist – wenn Vergabe und Planung mitspielen. PLATTENBAU IN LUDWIGSFELDE Ein Skalierungsmusterbeispiel: der WBS-70-Plattenbau. Saniert wurde ein 102 Meter langes Gebäude mit 82 Wohnungen, 5 Vollgeschossen und rund 5.328 m² Wohnfläche. Das Investitionsvolumen lag bei 6,7 Mio. Euro. Der Primärenergiebedarf soll von 97,4 auf 33,9 kWh/m²a sinken. Der WBS 70 war mit 600.000 Wohneinheiten der meistgebaute DDR-Plattenbautyp.
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