33 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2026 Der Sanierungsstau lässt sich nicht mit Zollstock und Kelle wegmoderieren. Wer Tausende Wohnungen, Schulen oder Kitas auf den Stand der Technik bringen muss, braucht Tempo, wiederholbare Prozesse und bezahlbare Lösungen. Zahlen zeigen, warum serielles Sanieren an Gewicht gewinnt. In Projekten halbierten sich Baustellenzeiten von 14 auf sieben Wochen; die Kosten der Folgeprojekte sanken gegenüber den Pilotprojekten um 33 Prozent, während der Baukostenindex im gleichen Zeitraum um 40 Prozent stieg. Das ergab eine 2025 veröffentlichte Evaluation der Deutschen Energie-Agentur (dena). Digitale Aufmaße, BIMModelle und – in ersten Anwendungen – Künstliche Intelligenz erweitern den Werkzeugkasten. Industriell kosteneffizient vorgefertigte Fassaden- und Dachelemente mit bereits integrierten Fenstern oder Lüftungskomponenten verbessern zudem die Planbarkeit: Mehr Entscheidungen werden vor die Baustelle verlagert, vor Ort muss weniger improvisiert werden. Aber löst das den über Jahrzehnte gewachsenen Sanierungsstau? Fabian Viehrig, Leiter Bauen und Technik beim GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, 17 bis 18 Millionen, wurden zwischen 1950 und 1980 gebaut – also überwiegend vor der ersten Wärmeschutzverordnung. Serielles Sanieren ersetze zwar nicht jede konventionelle Sanierung, sondern eigne sich besonders dort, „wo Gebäude- und Portfoliostrukturen diese Skaleneffekte zulassen“, betont Sandra Kühberger vom Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA). Es sei aber ein „relevanter Baustein, um energetische Modernisierungen perspektivisch wirtschaftlicher umzusetzen“. Der Markt sei noch nicht dort, wo Standardisierung ihre volle Wirkung entfaltet. Besonders gut passt der Ansatz zu Mehrfamilienhäusern der 1950er bis 1980er Jahre mit einfachen Geometrien. Der Großteil der seriellen Sanierungen wird nach ZIA-Erkenntnissen bei drei- bis viergeschossigen Zeilenbauten realisiert. Neungeschosser seien bereits in der Umsetzung, auch Gebäude oberhalb der Hochhausgrenze würden beplant. Für bundesweite Gesamtlösungsanbieter seien meist mehr als 1.000 bis 2.000 Quadratmeter Nutzfläche eine wirtschaftliche Voraussetzung. Kühberger: „Der große Effekt entsteht bei der Skalierung.“ Es geht also nicht nur um ein anderes Fassadensystem, sondern um einen anderen Produktionsmodus: Bestandsanalyse, Planung, Produktion, Montage und technische Integration greifen ineinander. Skalierung entscheidet damit über Tempo und Kosten. Agora Energiewende, ein Berliner Thinktank zur Energie- und Klimapolitik, beziffert bei seriellen Lösungen die Montage vor Ort auf drei bis vier Wochen; konventionelle Verfahren benötigen zwei- bis dreimal so lange. Für die Wohnungswirtschaft ist das ein entscheidender Vorteil. „Wir sind in vielen Landesregionen bei der Sanierung im bewohnten Zustand unterwegs, weil wir keine Umzugswohnungen haben“, so GDW-Experte Viehrig. „Und es stehen nicht ewig Gerüste vor den Fenstern.“ NOCH AM FÖRDERTROPF Die Wirtschaftlichkeit bleibt der kritische Punkt; sie hängt vom differenziert: „Serielle Sanierung ist für uns kein Allheilmittel, mit dem wir alles lösen können“, sagt er. „Es gibt viele Gebäude, die eine hochwertige oder höherklassifizierte Sanierung erfahren müssen. Für unseren systematischen Wohnungsbestand ist sie allerdings eine Hoffnung, dass wir Sanierungen künftig besser hinbekommen: einfacher, schneller, kostengünstiger.“ Serielles Sanieren als Werkzeug für bestimmte Bestände – darin liegt die einsetzende Marktreife. REIF FÜR DEN MARKT „Die Pilotphase ist klar abgeschlossen, die Baufirmen rollen nun ihre Lösungen aus“, so Robert Rapscher, Seniorexperte Serielles Sanieren im dena-Kompetenzzentrum Serielles Sanieren/ Energiesprong. Der dena sind rund 5.000 Wohneinheiten im Bau oder fertiggestellt bekannt. Mehr als 550 Bauunternehmen seien aktiv, davon rund 50 als Gesamtlösungsanbieter. Um jedoch das volle Potenzial der seriellen Sanierung zu heben – insbesondere auf Kostenseite – werde ein Breitenmarkt benötigt. Die „Baujahreslogik“ gibt einen solchen rechnerisch her: Mehr als 40 Prozent der Wohnungen, also grob geschätzt OFFICE-SPACE IN BERLIN Die „Mall of BR“, eine ehemalige Fahrzeughalle aus den 1960er Jahren, wurde von der Berlin Recycling GmbH ohne Fördermittel in einen flexiblen Office-Space mit Coworking- und Eventflächen umgebaut (BGF 1.100 Quadratmeter). Das Investitionsvolumen lag bei 3,165 Millionen Euro. Das Projekt verbindet serielle Sanierung mit kreislauffähiger Konstruktion – und zeigt damit, dass der Ansatz nicht auf Wohnzeilen beschränkt bleiben muss. Schwerpunkt Bestandssanierung TEXT Manfred Godek D
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