Immobilienwirtschaft 3/2026

Schwerpunkt Bestandssanierung 30 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2026 PV sind ausreichend große und geeignete Flächen erforderlich – die jedoch häufig fehlen oder statisch nicht geeignet sind (siehe auch „Eine Wärmepumpe kann zumeist allein das Gebäude beheizen“). BEST PRACTICE IM WOHNUNGSBESTAND Dennoch gibt es zahlreiche Beispiele aus der Praxis. So stellt die Rheinwohnungsbau in einem groß angelegten Projekt rund 800 Wohnungen auf Wärmepumpen in Kombination mit Photovoltaik und Batteriespeichern um. Trotz nur mäßiger Sanierung lassen sich die Heizkosten deutlich senken – von bis zu 85 Euro monatlich auf rund 23 Euro. Auch VIVAWEST bewertet die Kombination als wirtschaftlich tragfähig, insbesondere im Zusammenspiel mit Mieterstrommodellen, so Gregor Boldt, Fachbereichsleiter Unternehmenskommunikation. In der Praxis zeigt sich die Lösung vor allem in Mehrfamilienhäusern mit vier bis acht Parteien als effizient. VIVAWEST setzt hier auf PV-Anlagen mit Leistungen zwischen 20 und 30 kWp. Allerdings sind Netzanschlüsse häufig nicht ausreichend dimensioniert. In einem Projekt in Westfalen konnten beispielsweise von 18 installierten Anlagen nur vier in Betrieb gehen, da notwendige Netzverstärkungen durch den Netzbetreiber nicht rechtzeitig umgesetzt wurden. Langfristig sieht sich das Unternehmen dennoch auf Kurs. Geplant sind rund 8.000 PV-Anlagen mit etwa 140 MWp Gesamtleistung, über die rund 40.000 Mieterinnen und Mieter versorgt werden sollen. Mieterstrom spielt dabei eine zentrale Rolle: Zunächst wird der Strom vor Ort genutzt, Überschüsse fließen in den Betrieb von Wärmepumpen. Vor dem Hintergrund stark schwankender Energiepreise sieht VIVAWEST in der Kombination aus PV, Wärmepumpe und Mieterstrom einen entscheidenden Baustein für eine bezahlbare und zukunftsfähige Energieversorgung im Bestand. INVESTITIONEN SIND ANSPRUCHSVOLL, ABER DARSTELLBAR Bei Mehrfamilienhäusern mit 20 bis 30 Wohneinheiten liegen die Investitionskosten für integrierte Systeme aus Wärmepumpe, Photovoltaik und Peripherie heute meist zwischen 150.000 und 400.000 Euro. Die Amortisationszeiten variieren: Im Neubau liegen sie typischerweise bei acht bis zwölf Jahren, im sanierten Bestand bei zehn bis 15 Jahren. Auch im unsanierten Bestand sind Lösungen möglich, allerdings mit längeren Zeiträumen und höherem Planungsaufwand. Vier Faktoren sind entscheidend für die Wirtschaftlichkeit: • die Optimierung des Eigenverbrauchs (z. B. durch Speicher und Lastmanagement), • die Nutzung von Förderprogrammen, • eine präzise Dimensionierung der Systeme • sowie der Fokus auf stabilen und planbaren Betriebskosten. Je nach Ausgangssituation ergeben sich daraus unterschiedliche Strategien: Im Neubau ist die Kombination aus Wärmepumpe und Photovoltaik faktisch Standard. Im sanierten Bestand bietet sie besonders attraktive Voraussetzungen. Im unsanierten Bestand sind häufig schrittweise oder hybride Ansätze sinnvoll. Großes Potenzial liegt zudem in Quartierslösungen, die Skaleneffekte bei Erzeugung, Speicherung und Betrieb nutzen. Heizkostenentwicklung 2021 – 2025 Wärmepumpe als Referenz, Kosten in Euro pro m2 und Jahr Quelle: dena, eigene Darstellung 18 16 14 12 10 8 6 2021 2022 2023 2024 2025 Erdgas Fernwärme Heizöl Wärmepumpe Quelle: eigne Recherche Projekt / Unternehmen Gebäudetyp System- kombination Besonderheiten Wirtschaftlicher Effekt Rheinwohnungsbau (NRW) Bestand (C/D) WP + PV + Speicher + KI 800 WE, kaum saniert Heizkosten Rückgang ~60–70 % Bauverein Lünen Bestand WP + PV Quartierslösung CO2-Reduktion, stabilere Kosten Fördern & Wohnen Hamburg Neubau, mehrere Projekte WP + PV + Mieterstrom Sozialwohnungsbau Niedrige Betriebskosten VIVAWEST Großbestand WP + PV (Pilotprojekte) Skalierung auf Tausende Wohnungen Vorbereitung Portfolio- Transformation Typische Projekte im Überblick

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==