31 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2026 Herr Kretschmar, wie groß ist das Potenzial von Wärmepumpe mit Photovoltaik im Bestand? Das Potenzial ist erheblich. Wärmepumpen dominieren bereits im Neubau von Einfamilienhäusern und werden zunehmend auch in Mehrfamilienhäusern im Bestand eingesetzt. In Kombination mit Photovoltaik lassen sich die Betriebskosten deutlich senken – unabhängig vom solaren Deckungsanteil. Besonders im Sommer kann PV-Strom effizient für die Trinkwassererwärmung genutzt werden. Feldmessungen von Fraunhofer ISE und dem Institut Wohnen und Umwelt zeigen, dass sich in Einfamilienhäusern etwa 15 bis 40 Prozent des Wärmepumpenstroms über PV decken lassen. In Mehrfamilienhäusern fällt dieser Anteil aufgrund begrenzter Dachflächen geringer aus. In welchen Gebäuden funktioniert die Kombination besonders gut? Grundsätzlich ist sie in allen Gebäudetypen umsetzbar. Je größer die Dachfläche und je geringer der Wärmebedarf – etwa bei gut gedämmten Gebäuden –, desto höher der Eigenverbrauch. Mit Batteriespeicher kann knapp die Hälfte des Wärmebedarfs gedeckt werden. Aber auch bei ungünstigeren Voraussetzungen lohnt sich die Kombination, da sie die Wirtschaftlichkeit der PV-Anlage verbessert. Welche Rolle spielt PV-Strom für den Betrieb von Wärmepumpen? Vor allem eine wirtschaftliche: Weniger Netzstrom muss bezogen werden. Die Effizienz der Wärmepumpe selbst verändert sich kaum. Mit intelligenter Steuerung kann überschüssiger PV-Strom zur Wärmespeicherung genutzt werden. Das kann die Effizienz teilweise erhöhen, führt aber auch zu Speicherverlusten. Entscheidend ist: Selbst bei leicht sinkender Effizienz lohnt sich der Einsatz, weil der selbst erzeugte Strom deutlich günstiger ist. Reicht die Kombination aus oder braucht es hybride Systeme? In den meisten Fällen reicht eine Wärmepumpe allein aus. Die PV-Anlage deckt jedoch nur einen Teil des Strombedarfs, weshalb ein Netzanschluss weiterhin notwendig bleibt. In Einzelfällen können hybride Lösungen sinnvoll sein, etwa bei sehr hohem Wärmebedarf oder bei besonderen Anforderungen an Trinkwarmwasser und Schallschutz. Wo liegen die größten Hürden? Vor allem bei Investitionskosten und Integration in Bestandsgebäude – etwa bei Platzbedarf, Wärmeverteilung und Schallemissionen. Auch Netzanschlüsse können insbesondere in Mehrfamilienhäusern mit hohen Anschlussleistungen zum Engpass werden. Hinzu kommen organisatorische Hürden, etwa in Wohnungseigentümergemeinschaften. Wichtig sind zudem flexible Systeme mit Speicher und intelligenter Steuerung. JOHANNES KRETSCHMAR Experte für Monitoring und Wärmepumpensysteme im Fachbereich Klimaneutrale Gebäude bei der dena „EINE WÄRMEPUMPE KANN ZUMEIST ALLEIN DAS GEBÄUDE BEHEIZEN“ WÄRMEPUMPEN gibt es für alle Gebäudetypen. Am besten gleich mit Strom aus Photovoltaik. Doch auch Platzbedarf, Wärmeverteilung und Schallemission müssen stimmen. I N T E R V I E W JOHANNES KRETSCHMAR TEXT Frank Urbansky
RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==