22 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2026 Schwerpunkt Bestandssanierung rohstoff-Ersatz. Die Substitution schafft so doppelte Wirkung: Sie reduziert den Bedarf an Primärrohstoffen und senkt gleichzeitig den Embodied Carbon eines Gebäudes. Kurzum: Es existieren bereits verschiedene zirkuläre Strategien. Für die operative Umsetzung von Bau- und Sanierungsvorhaben eignen sich Checklisten als Leitplanken, um die individuelle Vorgehensweise auszuloten (s. Seite 25). Das enorme Potenzial von zirkulärem Bauen und Sanieren wird bislang nicht ausreichend ausgeschöpft. Einer der Gründe ist schlichtweg ein Defizit an Informationen: Häufig ist Bauherren, Städten und Kommunen unbekannt, welche Materialien in welchen Mengen in Gebäuden verbaut sind. WELCHE ROHSTOFFE SCHLUMMERN IN UNSEREN GEBÄUDEN? Doch es gibt Lösungsstrategien: So hat etwa die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) einen Gebäuderessourcenpass auf den Weg gebracht. Der Pass gibt Auskunft über die eingesetzten Materialien und welche Bauteile und Komponenten künftig demontierbar, trennbar und verwertbar sind. Auch die CO2-Emissionen, die beim Bau und Betrieb von Gebäuden entstehen, werden erfasst. Ähnlich wie der Energieausweis könnte in Zukunft ein Materialausweis ein wichtiger Faktor beim späteren Verkauf oder bei der Vermietung eines Gebäudes sein – und die Finanzierung und den Wert der Immobilie beeinflussen. Ein weiterer Ansatz: Das Umweltberatungsinstitut EPEA, eine Tochter von Drees & Sommer, hat gemeinsam mit der Plattform Madaster einen Urban Mining Screener entwickelt. Dieses digitale Tool schätzt, welche und wie viele Materialien in einem Gebäude vorzufinden sind – ohne aufwendige Begehungen, ausschließlich auf Basis von Daten wie Bauort, Baujahr, Gebäudevolumen und Gebäudetyp. So erhalten Bestandshalter wichtige Informationen über das Potenzial für die Wiederverwendung und das Recycling von Baumaterialien bei Sanierung, Rückbauplanung oder Abriss. Der Urban Mining Screener kam beispielsweise zum Einsatz, um ein Gebäudematerialkataster für Baden-Württemberg zu erstellen. Ziel war es, die Masse und zirkuläre Qualität der verbauten Ressourcen im gesamten Bundesland transparent zu machen. Mithilfe von Analysen, Workshops und Datenerhebungen kamen die Experten zu dem Ergebnis, dass die urbane Mine Baden-Württembergs einen Materialbestand von insgesamt 2.607 Millionen Tonnen Quelle: Madaster Germany Verbaute Materialmengen (in Millionen Tonnen in Baden-Württemberg) Mineralische Baustoffe sind am stärksten vertreten 1.174Beton 848Naturstein Metall 290Ton 127 Metall Sonstiges* * Kalk, Zement, Mörtel (60); Holz (34); Gips, Magnesium, Bindemittel (32); Füllstoffe (16); Glas (10); Bitumen (8); Kunststoffe, Kautschuk (4); anorganische Materialien (3); weitere organische Materialien (2); u.a. Hilfsstoffe. 1 SEKUNDÄRROHSTOFFZENTREN sind eine entscheidende Komponente der zirkulären Bauwirtschaft (schematische Darstellung) 1 Quelle: EPEA GmbH, Part of Drees & Sommer Zirkuläres Produktdesign Gebäude als Rohstoffdepots Zirkuläre Gebäude Bestandserhalt Industrial Re-Use-Prozesse Stoffstrommanagement Sekundärrohstoffzentren Verantwortungsvoller Rückbau / Urban Mining
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