21 · Immobilienwirtschaft · 03 / 2026 1 Aus den Augen, aus dem Sinn – so lässt sich unser Umgang mit Müll wohl am besten beschreiben. Und das trifft auch auf die derzeit größte Abfallquelle zu: den Abriss von Gebäuden. Rund die Hälfte des Abfallaufkommens in Deutschland machen Bau- und Abbruchabfälle aus, der Bausektor gehört damit zu den rohstoffintensivsten Branchen. In ganz Deutschland summiert sich die Materialsubstanz der Gebäude auf schätzungsweise rund 21 Milliarden Tonnen – ein gigantisches Rohstofflager. Beim Umbau oder Abriss von Gebäuden landen Baustoffe wie Beton, Stahl, Holz und Kunststoff oft als Abfall auf der Deponie. Zwar wird ein Teil wiederverwertet, aber meist in minderwertiger Form. Welche volkswirtschaftlichen Schäden die lineare Wirtschaftsweise etwa durch Ressourcenverluste, steigende Abhängigkeiten von Primärrohstoffen und externe Umweltkosten verursacht, verdeutlichen beispielsweise die Analysen der Circularity Gap Reporting Initiative. Die jährlichen Reports quantifizieren diese Defizite und zeigen, dass der globale Zirkularitätsgrad seit Jahren auf niedrigem Niveau stagniert. Vor diesem Hintergrund gewinnen zirkuläre Konzepte an Fahrt, etwa und Umnutzung anstelle von Abriss und Neubau. Eine weitere Strategie ist die Reduktion, etwa durch materialeffizientes Design oder modulare Bauweisen. Praxisbeispiele sind die Holz-Hybridbauweise im Geschossbau oder optimierte Betondecken mit reduziertem Zementanteil. Außerdem ist die Wiederverwendung ein wichtiges Prinzip. Gebrauchte Bauteile aller Art lassen sich erneut nutzen, von A wie Armaturen über Fenster, Türen und Treppen bis hin zu Z wie Zäunen. Voraussetzung sind rückbaubare Konstruktionen im Sinne des Design for Disassembly sowie sortenrein trennbare Materialien. Hinzu kommt das Prinzip Recycling. Ziel ist es, verwertbare Materialien hochwertig aufzubereiten und als Sekundärrohstoffe in neue Bauprodukte zu integrieren, beispielsweise als Ziegelgranulat oder Recycling-Beton (RC-Beton). Nicht zuletzt ist die Substitution ein zukunftsorientiertes Konzept: Konventionelle, ressourcenintensive Materialien wie Beton oder Stahl werden durch nachhaltige Alternativen ersetzt, etwa durch Holz, biobasierte Dämmstoffe, Sekundäraluminium in Fassadenprofilen oder hochwertige Rezyklate als PrimärTEXT Marcel Özer NUTZT DEN BESTAND ALS RESSOURCENQUELLE Der Umgang mit Abfall und Ressourcen steht vor einer Zeitenwende. Darin spielt die Immobilienwirtschaft eine Schlüsselrolle. Die Grundidee: Wir betrachten unsere Städte als Rohstoffdepots – und extrahieren wertvolle Materialien aus bestehenden Gebäuden und Infrastrukturen. Für Entscheider ist ZIRKULÄRES BAUEN UND SANIEREN die ökologische und ökonomische Antwort auf steigende Rohstoffpreise und strengere gesetzliche Anforderungen. Es gilt, Ressourcen zu schonen und dem Klimawandel zu begegnen. das Urban Mining. Dabei geht es darum, die Stadt als Rohstoffmine zu nutzen und Materialien aus der gebauten Umwelt in den Hochbau zurückzuführen. Auch das Cradle- to-Cradle-Prinzip zielt darauf ab, Produkte so zu gestalten, dass sie am Ende ihres Lebenszyklus nicht zu Abfall werden, sondern sich als Sekundärrohstoffe in biologische oder technische Stoffkreisläufe zurückführen lassen. Dabei kann das in den Baustoffen gebundene Kapital wie eine langfristige Wertanlage fungieren und Kosten für Instandsetzung, Rückbau oder Entsorgung minimieren. Selbst bei komplexen Großvorhaben integrieren Planer mittlerweile das Cradle-to-Cradle-Konzept, so etwa bei dem ZIN-Projekt in Brüssel (s. Seite 24). EINE RUNDE SACHE: SO SCHLIESSEN SICH DIE KREISLÄUFE Grundsätzlich gelten in der Immobilien- und Wohnungswirtschaft fünf Prinzipien als Basis für geschlossene Materialkreisläufe, wie die Studie „Kreislauffähigkeit des deutschen Gebäudesektors“ der Deutschen Energie-Agentur (dena, 2026) aufzeigt. Ganz oben in der Kreislaufhierarchie steht das Vermeiden, beispielsweise durch Bestandserhalt, Sanierung 1 URBAN MINING ist mehr als ein neuer Anstrich. Es nutzt die Stadt als Rohstoffmine und führt Materialien aus der gebauten Umwelt in den Hochbau zurück Schwerpunkt Bestandssanierung
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