Immobilienwirtschaft 4/2025

77 · Immobilienwirtschaft · 04 / 2025 fungsketten in der Vermarktung besetzen kann und ihrer Expansion keine Grenzen gesetzt sind. WAS BLEIBT VOM MAKLERBERUF? Wenn Tools, Leads, Prozesse und Vertriebskomponenten ausgelagert sind, bedeutet das für den Kunden klare Prozesse, schnelle Reaktion und stabile Qualität. Der Makler hat die Wahl zwischen unternehmerischer Freiheit und skalierbarem Komfort. Dieses Dilemma müsse jeder für sich lösen, so Prof. Spieker von der EBZ Business School. „Letztlich ist OneSystem ein Spiegel der Plattformökonomie: attraktiv, effizient, aber auch strukturverändernd. Wer mitmacht, profitiert – zahlt aber auch mit Autonomie. Wer draußen bleibt, muss um Sichtbarkeit und Marktanteile kämpfen. Die Zukunft wird zeigen, wie viele Makler bereit sind, diesen Preis zu zahlen – und welche Alternativen ihnen bleiben.“ Weise Kasse. Die Sparkassen und Banken übertragen ihre Verkaufsobjekte zum Angebot an ImmoScout. Wenn ein Objekt einen Interessenten anzieht und dieser die Schaltfläche Finanzierungsangebot anklickt, verkauft Scout diesen Lead wiederum an eine Sparkasse oder an ein anderes Institut – obwohl der Kontakt ursprünglich durch das von der Sparkasse oder Bank ausgelobte Objekt entstanden ist. „Wir kaufen unsere eigenen Kundenkontakte zurück“, klagt ein Bankenvertreter. Als Insider-Information kursiert, dass allein von Seiten der Sparkassen auf diese Weise ein zweistelliger Millionenbetrag an ImmoScout24 fließt. Die gute Nachricht: Sollte Scout künftig selbst Finanzierungen anbieten, müssten Kreditinstitute nicht mehr für Leads bezahlen. Die schlechte Nachricht: Sie verlören das Geschäft komplett. Das Beispiel macht deutlich, dass eine reichweitenstarke Plattform nach und nach ganze Wertschöpund zugleich hochprofitabel – zum Gefallen der Eigentümer. Mehr als ein Drittel der Aktien werden von zehn institutionellen Investoren gehalten. Angeführt wird die Liste von Blackrock Finance (6,4 Prozent), Baillie Gifford und Sun Life Financial (5,1 Prozent). Eine „Supermacht“, wie das Manager-Magazin kürzlich schrieb. Mit viel Geld im Rücken – und auf dem Konto. Der bereinigte Nettogewinn betrug im Jahr 2024 212 Millionen Euro (plus 14,1 Prozent). Ob der „The-winner-takes-it-all“-Marktmacht eine Ewigkeitsgarantie beschieden sein werde, müsse sich erst noch herausstellen, meint Tobias Just, Professor für Immobilienwirtschaft an der Universität Regensburg und Experte für Marktstrukturen und Immobilienmarktdynamiken. Entscheidend werde sein, ob Alternativen entstünden – technologisch wie unternehmerisch. Auch für ImmoScout24 könne es disruptive Umbrüche geben, wenn technologische Sprünge, etwa durch KI oder neue Vermittlungsansätze, einträten. Danach sieht es aber nicht aus. Einschneidende Veränderungen könnten eher andere betreffen. BANKEN IN SORGE Bei Banken und Sparkassen wächst die Sorge, dass ImmoScout24 über kurz oder lang auch ins Finanzierungsgeschäft einsteigen könnte. Hier macht das Unternehmen bereits auf andere 70 ImmoScout24 ist ein Schwergewicht. Das Portal hält rund 70 Prozent Marktanteil, die Scout-Gruppe wird mit neun Milliarden Euro bewertet. 1 2

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==