Immobilienwirtschaft 4/2025

76 · Immobilienwirtschaft · 04 / 2025 Verwaltung & Vermarktung Immobilienvermarktung und der Sichtbarkeit“, sagt Prof. Raphael Spieker von der Immobilienhochschule EBZ Business School. Kritisch sieht er die Provisionsteilung bei Leads. Für starke Makler sei das ökonomisch kaum attraktiv. Weniger qualifizierte Anbieter könnten dagegen mit standardisierten Tools punkten. Sie gerieten dadurch allerdings in eine strukturelle Abhängigkeit, aus der es später schwer werde, sich zu lösen. „Scout lockt mit Zuckerbrot – und fordert dann die Peitsche“, so ein Marktakteur, der nicht genannt werden möchte. Wer einmal in einem solchen System sei, finde schwer einen Weg hinaus. ZWISCHEN SICHTBARKEIT UND ABHÄNGIGKEIT Jederzeit kommen und gehen können Makler hingegen bei „immobilie1“. Dieses Portal ist aus einer Kooperation der führenden Immobilienverbände Deutschlands hervorgegangen und positioniert sich als neutraler Branchenmarktplatz. Es finanziert sich ausschließlich über eine einheitliche Insertionsgebühr von zurzeit 480 Euro pro Jahr. Dafür erhalten Makler Zugang zu einer Datenbank mit tatsächlichen Verkaufs- oder Mietpreisen, anstelle von Angebotspreisspiegeln. Weitere Tools sind ein Grundriss-Service für optisch ansprechende Präsentationen und die Möglichkeit, Objekte automatisiert auf der eigenen Homepage zu spiegeln. „Damit kann die komplette Objektverwaltung der Maklerhomepage komfortabel über ‚immobilie1‘ abgebildet werden – ohne Zusatzkosten“, so Ralf Sorg, CEO der immobilie1 AG. Sorg betont einen weiteren systemischen Unterschied zu Scout besonders: „immobilie1“ gehört den Anbietern selbst – freie Makler, Banken- und Franchise-Makler sowie viele IVD-Mitglieder seien Miteigentümer und damit direkt an wichtigen Entscheidungen beteiligt. „BETREUTES MAKELN“ Die kommerzielle Ausrichtung des Konkurrenten „immowelt“ ergibt sich aus der Eigentümerstruktur. Das Portal gehört der AVIV Group, einer ehemaligen Tochter des Medienkonzerns Axel Springer SE, und ist heute zu 90 Prozent in Besitz der Investmentgesellschaften KKR und CPP Investments. Man biete einen mit OneSystem vergleichbaren Leistungsumfang, jedoch mit dem entscheidenden Vorteil der Flexibilität, betont immowelt-Geschäftsführer Dr. Robert Wagner. Die Preise variieren nach gebuchtem Objektkontingent und Region. Offen kommuniziert werden sie allerdings nicht, sondern individuell vereinbart. Eine Provisionsbeteiligung gebe es nur bei Profi-Leads, die in zwei Kategorien gebucht werden können (99 Euro/Lead oder 299 Euro/ Lead jeweils zzgl. MwSt.). Bei der günstigeren Option fallen zudem 1,5 Prozent des Verkaufspreises der Immobilie an. „Auf Wunsch unterstützen wir entlang der kompletten Wertschöpfungskette. Angefangen von Verkäufer-Leads, Wertermittlung und CRM-Software über die Insertion bis zur Reichweitensteigerung via Social Media; von der Beantragung des Energieausweises über die Finanzierungsvermittlung, Markenbildung sowie Erfüllung der Fortbildungspflicht: Immowelt bietet alle Leistungen aus einer Hand“, sagt Wagner. „Jeder Makler wählt bei immowelt flexibel die Services, die er benötigt. Zugleich wird seine unternehmerische Selbstständigkeit gewahrt.“ Man schnüre, je nach den Marktgegebenheiten, ein maßgeschneidertes Paket. Der Immobilienverband Deutschland IVD sieht OneSystem „durchaus als Chance – vor allem für Gründer, Neulinge und kleinere Makler ohne gewachsene Infrastruktur, ohne Kundenbestand, Datenbank, operative Prozesse und ohne Sichtbarkeit“. Bundesgeschäftsführerin Carolin Hegenbarth spricht von einem „Rundum-sorglos-Paket“, um sodann die Pointe nachzulegen: Eine Art „betreutes Makeln“ sei dies. Und zwar erkauft mit erheblichen Umsatzbeteiligungen. Sobald sich Makler erfolgreich im Markt etabliert hätten, stelle OneSystem für sie eigentlich keine Option mehr dar. Dann wären nur noch einzelne Teile davon oder Services anderer Partner gefragt. Hegenbarth: „Als leidenschaftliche Vertreter der Marktwirtschaft haben wir grundsätzlich nichts gegen Angebote, die von Teilen der Branche nachgefragt und angenommen werden, solange damit keine unauflösbare Abhängigkeit einhergeht.“ DER GATEKEEPER Fest steht, die Plattform ist der Gatekeeper: Wer nicht mitmacht, riskiert, Kundenkontakte zu verlieren. Wer sich einlässt, ist in seiner Entscheidungsfreiheit konditioniert. Denn ImmoScout24 ist ein Schwergewicht. Das Portal hält rund 70 Prozent Marktanteil, die Scout-Gruppe wird mit neun Milliarden Euro bewertet. 2024 stieg der Umsatz um mehr als elf Prozent auf 566 Millionen Euro. Kein anderes Unternehmen in der Branche agiert ähnlich kontrovers „AUF WUNSCH UNTERSTÜTZEN WIR ENTLANG DER KOMPLETTEN WERTSCHÖPFUNGSKETTE: ANGEFANGEN VON VERKÄUFER-LEADS, WERTER- MITTLUNG UND CRM-SOFTWARE ÜBER DIE INSERTION BIS ZUR REICHWEITENSTEIGERUNG VIA SOCIAL MEDIA. JEDER MAKLER WÄHLT FLEXIBEL DIE SERVICES, DIE ER BENÖTIGT.“ Dr. Robert Wagner, immowelt-Geschäftsführer 1 ONESYSTEM bündelt sämtliche bisherigen Einzelangebote von ImmoScout24, von EigentümerLeads, CRM, Exposé-Erstellung, Energieausweisen bis hin zur Finanzierungsvorbereitung 2 IMMOBILIE1 Dieses Portal ist aus einer Kooperation der führenden Immobilienverbände Deutschlands hervorgegangen und positioniert sich als neutraler Branchenmarktplatz

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