78 · Immobilienwirtschaft · 04 / 2025 Verwaltung & Vermarktung Immobilienvermarktung Herr Amann, warum nutzen so viele Immobilienmakler das Angebot von ImmobilienScout24? Ein entscheidender Grund ist die Rolle von ImmobilienScout24 innerhalb dieser Anbieterfamilie. Obwohl das Portal bei vielen Maklern nicht besonders beliebt ist, generiert es nach wie vor den Großteil der Kaufanfragen – und damit auch der Notartermine. Das Problem liegt weniger in der Qualität der Leistungen, sondern in der intransparenten Preispolitik: ständige Preiserhöhungen, jährliche Verhandlungen und das Gefühl, am langen Arm verhungern zu müssen. Ironischerweise kritisiert kaum jemand die Leistung an sich – denn die ist tatsächlich stark. Was macht das Angebot von ImmobilienScout24 so attraktiv? Das 360-Grad-Angebot entlastet Makler enorm. Viele Einzelkämpfer schaffen es schlichtweg nicht mehr allein – ihnen fehlt die Sichtbarkeit, die Schlagkraft und letztlich auch der Umsatz. In dem Scout-Ökosystem Immobilienverkauf24 bekommen sie alles aus einer Hand: Maklersoftware, Verkaufs- und Kaufanfragen, Unterstützung bei der Unterlagenbeschaffung – sogar remote. Die Makler müssen sich im Grunde nur noch auf die persönliche Betreuung der Kunden konzentrieren – telefonisch, im Büro oder bei Besichtigungen. Für viele ist das ein echter Traum. Wie verändert sich dadurch das Geschäftsmodell des Maklers? Im Kern gibt der Makler vier unternehmerisch zentrale Aufgaben ab: Leadgenerierung, Softwarebetrieb, Vertriebsunterstützung und teilweise sogar das Backoffice. Das ist nicht weniger als eine strukturelle Auslagerung des Geschäftsmodells. Man teilt sich die Umsätze mit den verschiedenen Gesellschaften des Anbieters – behält aber nicht mehr alle Entscheidungen in der eigenen Hand. Kritiker vergleichen diese Entwicklung mit Plattformanbietern wie Uber oder Amazon. Sehen Sie das auch so? Absolut. Die Parallelen sind offensichtlich. Wie Uber bei den Fahrern oder Amazon bei Einzelhändlern entsteht auch hier ein Ökosystem, das den Markt durch hervorragenden Onlineservice dominiert – allerdings auf Kosten derjenigen, die die Dienstleistung eigentlich erbringen. Die Einnahmen vieler kleiner Anbieter wandern in Richtung eines großen Akteurs. Makler, die ihre unternehmerische Unabhängigkeit bewahren wollen, stehen hier vor einem echten Dilemma. Was raten Sie unabhängigen Maklerunternehmen? Sie sollten sich auf das konzentrieren, was sie tatsächlich verändern können. Es bringt nichts, sich über Plattformen zu beschweren, wenn man keine eigene Strategie entwickelt. Wer unabhängig bleiben will, muss sich differenzieren – durch persönliche Beratung, lokale Marktkenntnis und echte Kundenbindung. Nur so lassen sich die vier zentralen Unternehmensaufgaben in der eigenen Hand behalten. ACHIM AMANN stellvertretender Vorsitzender des IVD Berlin-Brandenburg und Geschäftsführer der BLP Investments GmbH „DER MAKLER GIBT VIER ZENTRALE AUFGABEN AB" Das 360-Grad-Angebot von ImmoScout24 ENTLASTET MAKLER ENORM. Was für viele Makler attraktiv ist: Sie müssen sich im Grunde nur noch auf die persönliche Betreuung der Kunden konzentrieren, meint Achim Amann. I N T E R V I E W ACHIM AMANN TEXT Manfred Godek
RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==