Immobilienwirtschaft 4/2025

61 · Immobilienwirtschaft · 04 / 2025 und Leihroller vor der Tür – von außen nichts Besonderes, doch die wahre Innovation verbirgt sich im Keller. Sieben Rundbehälter, die wie riesige Regentonnen aussehen, bilden ein Mini-Klärwerk. Wenn oben jemand duscht oder sich die Hände wäscht, fließt das „Grauwasser“ in die Tonnen. Diese sind mit Schaumstoffwürfeln gefüllt, auf denen sich Mikroorganismen befinden. Kompressoren pumpen Luft hinein, sodass die Brühe ordentlich durchgeschüttelt wird: das so genannte Wirbelbettverfahren. Am Ende werden mögliche Krankheitserreger durch UV-Licht abgetötet. Das Wohnheim-Beispiel zeigt, was technisch heute schon möglich ist. Zwar gibt es weder in Berlin noch in Brandenburg behördliche Vorgaben, Wasser-­ BEST PRACTICE So gehen andere Länder mit Wassermangel um: • Dänemark: In Aarhus wird Regenwasser gesammelt, gefiltert und in umliegenden Gebäuden für die Toilettenspülung verwendet. • Israel: Eine 130 Kilometer lange Pipeline, der „National Water Carrier“, pumpt Wasser aus dem See Genezareth bis in die Negev-Wüste. • Kanada: In Vancouver kostet Wasser im trockenen Sommer mehr als im regenreichen Winter. • China: Ein Drittel des Wassers in Peking ist wiederaufbereitet. Es kommt zum Beispiel in Autowaschanlagen, für die Straßenreinigung oder in Toilettenspülungen zum Einsatz. • USA: In San Francisco müssen neu gebaute Mehrfamilienhäuser und Gewerbegebäude mit Grauwasser-Recyclinganlagen ausgestattet sein. Auf Nachfrage antworten mehrere Gemeinden, sie könnten diverse Bauprojekte wegen fehlender Wasserzusagen nicht umsetzen. „Dieser Stillstand schadet nicht nur den Städten und Gemeinden, sondern wirkt sich negativ auf die Attraktivität für potenzielle Investoren aus“, klagt etwa die Sprecherin der Stadtverwaltung Strausberg. Die Frage, was die Gemeinde selbst tut, um Wasser zu sparen, beantwortet sie nicht. Auch große Teile der Bauwirtschaft arbeiten weiter wie bisher. Neue Bauweisen, Auffangbecken, Wassersparsysteme? „Das ist bisher kein Thema für uns“, antwortet der Bauindustrieverband Ost. Ein Studierendenwohnheim in Berlin-Pankow. Sieben Etagen, 399 Apartments, Fahrräder begrenzt sind, will man nichts ändern.“ Selbst einen Verzicht auf Neubauten findet Bähler nicht völlig abwegig. „Ich glaube nicht, dass dieser Punkt schon erreicht ist, aber darüber müssen wir nachdenken.“ Er könne sich das Wasser ja nicht einfach herbeiwünschen. FORSCHUNGSINSTITUTE FÜR WASSERPREISERHÖHUNGEN An ein Instrument traut sich aber selbst der streitbare Verbandschef nicht heran: Mehrere Forschungseinrichtungen, darunter das Fraunhofer ISI und das Deutsche Institut für Wirtschaftsförderung, befürworten Wasserpreiserhöhungen, um der Knappheit zu begegnen. Bähler hält davon nichts: Statt zu sparen, würden die Menschen vermutlich eher auf die Barrikaden gehen, so wie beim Heizungsgesetz der Ampelregierung. „Wenn Sie mit Zwang operieren, wird das nichts. Das sehen viele als Grundrechtseingriff.“ Ein weiteres Problem: die kleinteilige Zuständigkeit. Die Kommunen entscheiden in Brandenburg eigenständig, wer wo bauen darf oder nicht. Im Kampf um Gewerbesteuern sagt niemand gerne Nein, schon gar nicht die in vielen Stadtparlamenten dominante AfD, die den Klimawandel schlichtweg leugnet. Am Ende müssen die Verantwortlichen vor Ort entscheiden, wie sie ihr Wasser rationieren – oder eben nicht. 1

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