Immobilienwirtschaft 4/2025

60 · Immobilienwirtschaft · 04 / 2025 Menschen & Märkte Reportage 2 3 2024, als der Deutschlandfunk über einen höchst ungewöhnlichen Vorgang berichtete: Eine Gruppe junger Leute, die in Hoppegarten ein Stück Land gekauft hatte, konnte ihr Wohnprojekt nicht verwirklichen – trotz eines gültigen Bebauungsplans. Der zuständige Wasserverband hatte ein Veto eingelegt, der Grund: Wassermangel. Sven Siebert, der Bürgermeister von Hoppegarten, ist deswegen sauer. „Dieses No-Go beim Thema Wasser ist unerträglich“, sagt Siebert. „Wir haben hier Altflächen, die schon im Flächennutzungsplan ausgewiesen sind, können aber nicht bauen, weil das Wasser fehlt.“ Seine Kritik zielt auf den Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE), in dem sich 16 Gemeinden zusammengeschlossen haben. Überschreitet eine Gemeinde ihre zugeteilte Wassermenge, legt der WSE ein Veto ein. In Hoppegarten war das schon mehrfach der Fall, zuletzt bei einer geplanten Gesamtschule. Inzwischen ist der Verband zwar zurückgerudert, doch Siebert bleibt bei seiner Kritik: „Wenn das Land eine Wasserpolitik für alle machen würde, hätten wir das Problem nicht. Andere Verbände haben Reserven, wir haben nicht mal ein eigenes Klärwerk.“ Doch ganz so einfach ist die Sache nicht, denn auch anderswo wird das Wasser knapp. Laut einer Studie des Umweltbundesamts könnte die Spree bis zu 75 Prozent ihrer Wasserzufuhr verlieren, 1 AUFBEREITET In diesem Berliner Apartmentkomplex für Studierende wird Dusch- und Waschbeckenwasser im Keller aufbereitet 2 GEKLÄRT Durch das MiniKlärwerk im Keller spart das Berliner Studierendenwohnheim 30 Prozent Trink- und Abwasser ein 3 GEREINIGT In den Tonnen befinden sich Schaumstoffwürfel, auf denen Mikroorganismen sitzen. Diese werden umhergewirbelt und reinigen so das Wasser wenn nach dem Kohleausstieg im Jahr 2038 kein abgepumptes Grundwasser mehr in sie eingeleitet wird. Keine guten Aussichten für die Hauptstadt. Doch während dieses Szenario in der Zukunft liegt, ringen Bürgerinnen und Bürger in Brandenburg schon jetzt um das kostbare Nass. WASSER WIRD FÜR DIE INDUSTRIE VERHEIZT 80 Kilometer südlich von Berlin, in der Kleinstadt Baruth, sitzen Katharina Bergmann und Maik Mugler im Biergarten. Die Tierärztin und der kaufmännische Angestellte gehören dem Ressourcenbündnis Baruth an. Zwar haben sie die Bürgerinitiative erst im Juli gegründet, doch schon jetzt liegt ein prall gefüllter Aktenordner mit Studien, Zeitungsartikeln und Korrespondenz vor ihnen. „Unser Wasser ist so rein, dass es sich sogar für Babynahrung eignet“, sagt Bergmann. „Aber dann wird es für die Industrie verheizt.“ Abschätzig schaut sie auf die Getränkekarte des Biergartens: „Manches würde ich hier nicht bestellen.“ Der Ärger entzündet sich an einer Abfüllanlage der Baruther Urstromquelle, die seit 2022 den österreichischen Getränkeherstellern Red Bull und Rauch Fruchtsäfte gehört. Neben Mineralwasser und Schorlen, wie man sie im Biergarten kaufen kann, werden in Baruth auch Energy-Drinks abgefüllt. „In manchen Gebieten versiegen schon die Brunnen“, schimpft Bergmann, „und Privatpersonen sollen ihren Rasen nicht mehr sprengen. Aber diese Firma kann einfach so Unmengen an Wasser nutzen.“ Über zwei Millionen Kubikmeter Grundwasser stehen der Fabrik jährlich zu, mehr als Tesla. Für den Ausbau der Anlage sollen zudem 17 Hektar Wald weichen. Auch diese Debatte machte schon bundesweit Schlagzeilen: „Red Bull verleiht Dürre“, titelte die Tageszeitung taz. Die Gemeinde findet den Protest ungerechtfertigt. Sie verweist auf ein Gutachten, das die Grundlage für die Fördermenge bilde. Doch das berücksichtige den Klimawandel und die zunehmende Dürre nicht, kritisiert die Bürgerinitiative. „Wenn das Wasser erschöpft ist, ziehen die Unternehmen einfach weiter“, fürchtet Katharina Bergmann. „Und wir sitzen auf dem Trockenen.“ Ortswechsel: Zur Begrüßung serviert André Bähler ein Glas Wasser, natürlich aus dem Hahn. Der Chef des Wasserverbands Strausberg-Erkner sitzt in einem modernen Gebäudekomplex, dessen Carports mit Solarmodulen gepflastert sind. Überall wachen Videokameras – der Verband gewinnt keine Beliebtheitswettbewerbe in der Region. „In Gesprächen sagen mir alle, dass man Wasser sparen muss“, erzählt Bähler. „Dabei denken sie an ihre Nachbarn, aber nie an sich selbst.“ 125 Liter Wasser verbrauchen die Deutschen im Schnitt pro Person und Tag. Im WSEGebiet sind es 175 Liter, trotz aller Appelle. „Wir wachsen mit der Vorstellung auf, dass Wasser immer verfügbar ist“, sagt Bähler. „Dabei ist alles begrenzt.“ Bei vielen Bauvorhaben legt der Verband deshalb ein Veto ein. Private Neukundinnen und Neukunden erhalten Verträge, in denen eine Obergrenze für Wasser steht. Gegen all das regt sich heftiger Widerstand, vor Gericht, aber auch in kommunalen Gremien. 2023 versuchten mehrere Bürgermeister, Bähler abzuwählen. Der Antrag scheiterte. „Man will den Botschafter bestrafen“, glaubt Bähler, „aber am Fakt, dass unsere Ressourcen

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