62 · Immobilienwirtschaft · 04 / 2025 Menschen & Märkte Reportage Recyclinganlagen in Neubauten zu installieren. Doch ihre Stunde scheint trotzdem gekommen – aus ökologischen wie aus wirtschaftlichen Gründen. „Mit dem gereinigten Wasser werden im ganzen Haus die Toiletten gespült“, sagt Erwin Nolde, der Umweltingenieur, der die Anlage geplant hat. Schon jetzt könnten durch das biologische Verfahren über 30 Prozent Trink- und Abwasser eingespart werden. Auch Wärme gewinne man zurück. „Wenn wir die Waschmaschinen anschließen würden, könnten wir noch mehr sparen“, sagt Nolde, doch da herrsche bislang eine gewisse Zurückhaltung. MINI-KLÄRWERKE FÜR DIE WASSERWENDE Wasserknappheit ist für den Ingenieur nichts Neues. Er hat in Tunesien, Marokko und der Türkei gearbeitet. „Seit dem Studium ist mir klar, dass auch wir davon betroffen sind“, sagt der 68-Jährige. Doch die Nachrüstung in bestehende Gebäude koste viel Geld. „Am sinnvollsten wäre es gewesen, bei den Sanierungen nach der Wende daran zu denken“, sagt Nolde. Das sei jedoch am mangelnden Interesse gescheitert: „Die Wasserversorger wollen so viel Wasser wie möglich verkaufen. Grauwasser sehen sie nicht als Ressource, sondern als Rückschritt.“ Tatsächlich steht auf der Homepage des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bis heute eine entsprechende Stellungnahme. 1 „VERLEIHT FLÜGEL“ – DAS KOSTET Die Red-BullAbfüllanlage in Baruth darf mehr Wasser verbrauchen als Tesla 2 LANGER KAMPF Katharina Bergmann und Maik Mugler vom Ressourcenbündnis Baruth kämpfen für einen ver- antwortungs- vollen Umgang mit Wasser Weil am grundsätzlichen Problem trotzdem niemand vorbeikommt, geraten zunehmend unkonventionelle Lösungen in den Blick. In Sachsen prüft das Umweltministerium, Wasser aus der Elbe in die Spree umzuleiten. Brandenburg hat eine Studie in Auftrag gegeben, wie man Ostseewasser entsalzen und per Pipeline nach Süden transportieren kann. Gegen beide Vorhaben erheben Umweltverbände Einwände: zu teuer, zu aufwändig, zu unkalkulierbar in Bezug auf ökologische Folgen. Umgekehrt stoßen die Appelle des Naturschutzbundes, Äcker so umzugestalten, dass mehr Wasser versickert, ebenfalls auf taube Ohren. Bleiben die Mini-Klärwerke. Mit jedem Dürresommer, mit jedem Bericht über Hitzetote und Wasserkonflikte steige das Interesse an seinem System, erzählt Ingenieur Nolde. 15 Anlagen hat er bisher umgesetzt, sein Auftragsbuch ist voll. Bei Neubauten erhöhe sich der Preis durch eine Grauwasser-Recyclinganlage um etwa 500 Euro pro Wohneinheit, sagt Nolde. Das liege vor allem daran, dass ein zweites Leitungsnetz eingebaut werden muss. Nach weniger als zehn Jahren hätten sich die Mehrkosten jedoch amortisiert. „Die Investoren fragen natürlich, was sie davon haben“, sagt Nolde, „und dann zähle ich es ihnen auf: Durch die Wärmerückgewinnung müssen sie weniger dämmen, wodurch mehr Wohnfläche zur Verfügung steht. Außerdem kommt man durch die Einhaltung von Ökostandards unter Umständen an günstigere Kredite.“ Am Ende stehe eine Wertsteigerung der Immobilie. Die überzeuge Investoren oft mehr als alle Argumente zu Klimawandel und Wasserknappheit. 1 „WENN DAS WASSER ERSCHÖPFT IST, ZIEHEN DIE UNTERNEHMEN EINFACH WEITER. UND WIR SITZEN AUF DEM TROCKENEN.“ Katharina Bergmann vom Ressourcenbündnis Baruth 2
RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==