Immobilienwirtschaft 4/2025

55 · Immobilienwirtschaft · 04 / 2025 Regionreport Frankfurt/M. Unternehmerrunde Letztes Jahr gab es ja das Thema, dass Unternehmen nicht nach Frankfurt kommen, weil sie keine Wohnungen für ihre Mitarbeitenden finden … Kaleve: Hier hat sich durchaus etwas getan. Die Stadt hat ein Programm aufgelegt auch für studentisches und für Azubi-Wohnen, was ich für sehr wichtig halte. Wir sind zunehmend in sehr konkreten Gesprächen mit Arbeitgebern. Das geht dann in Richtung eines Modells mit Belegungsrechten für den Arbeitgeber oder eines Generalmietvertrags. Es könnte z. B. sein, dass der Arbeitgeber ein Grundstück zur Verfügung stellt, das wir bebauen und exklusiv für ihn vermieten. Pufe: Gerade mit unserem Neubauprojekt haben wir die Erfahrung gemacht, dass große Arbeitgeber in Frankfurt auf uns zukommen, die Global-Mieter einer Immobilie mit 83 Wohneinheiten sein wollen. Wir waren zunächst überrascht, haben das dann aber als Rekrutierungsinstrument wahrgenommen, um neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach Frankfurt zu holen. Sehr spannend. Gerade in den letzten zwölf Monaten haben wir die Erfahrung gemacht, dass das durchaus ein Thema sein kann. Wie hat sich das Thema „Wohnen gegen Gewerbe“ entwickelt? Gibt es diesen Kampf weiter? Grieb: Das Schönhof-Viertel ist ein gutes Beispiel: Aus einem Gewerbegebiet wird ein Wohngebiet. Um den Preis, dass das Gewerbe teilweise aus Frankfurt weggegangen ist. Die Konkurrenz gibt es also nach wie vor. Im Moment gibt es etwa einen größeren Handwerksbetrieb, der circa 20.000 Quadratmeter Gewerbefläche sucht. Es ist extrem schwierig, überhaupt passende Flächen in Frankfurt zu identifizieren. Im letzten Jahr hat sich die NHW im Wesentlichen auf das Bauen im Bestand konzentriert. Was hat sich hier gegenüber 2024 geändert? Afshar: Vieles. Wir haben uns in der Vergangenheit als großer Bestandshalter mit 20.000 Wohneinheiten bei der Instandhaltung unseres Bestandes stark auf größere Maßnahmen konzentriert. Allerdings hat sich die Kulisse um uns herum geändert. Wir haben jetzt Themen wie CO2-Abgaben, Strafzahlungen, die auf uns zukommen. Die gilt es abzuwenden. Wir mussten deshalb weitaus mehr geringinvestive Maßnahmen vornehmen hinsichtlich der energetischen Sanierung. Ein Großteil unserer knapp 127 Millionen Euro Budget geht in die Richtung energetische Sanierung. Wir arbeiten viel kleinteiliger mit mehr Masse, packen mehr Wohnungen an, aber nicht in der Intensität wie in der Vergangenheit. Pufe: Für uns ist Bauen im Bestand auch ein großes Thema. Mit all den Herausforderungen im Bereich Brandschutz, Schallschutz etc., die in der Revitalisierung stecken. Bei einem unserer Gebäude waren etwa die Stellplätze sehr klein ausgelegt, weil die Autos damals deutlich kleiner waren. Damit muss man umgehen können. Wir haben gute Lösungen mit guten Partnern gefunden. Afshar: Bitter ist, dass Aufstockungen per se gar nicht mehr zu finanzieren sind. Wir haben vor Corona im Jahr 2018 etwa 2.800 bis 3.000 Euro pro Quadratmeter Aufstockungen bezahlt. Nachdem wir die Zahlen jetzt auf dem Tisch haben, werden wir bei knapp 5.400 Euro liegen, haben den Wert also annähernd verdoppelt. Unser Thema ist jetzt, die Grundrisse so weit zu vereinfachen, dass wir wieder in Richtung 3.000 Euro pro Quadratmeter zurückmarschieren … Konversion müsste hier ein großes Thema sein … Klingler: Nein, es ist ein sehr individuelles Thema. Bei manchen Gebäuden funktioniert es, bei manchen nicht. Insbesondere bei klassischen Bürotürmen ist die Umnutzung in Wohnen in der Regel nicht wirtschaftlich. So etwas rechnet sich nur, wenn Sie solch ein Objekt sehr, sehr günstig bekommen. Aber das Thema Konversion darf man nicht nur im Zusammenhang mit einem einzelnen Objekt sehen, sondern auch mit ganzen Stadtteilen. Gibt es dafür Beispiele? Grieb: 2024 sind in Frankfurt über 4.200 Wohnungen fertiggestellt worden, das ist der drittbeste Wert der vergangenen zehn Jahre. 630 Wohnungen sind durch Umnutzung geschaffen worden, 37 Prozent mehr als im Vorjahr. Das ist ein beachtlicher Wert. Konversion von Stadtteilen … das ist ein langer Weg. Wir sehen das in Niederrad. Dort ist aus einer reinen Bürostätte, in die am Wochenende niemand reinwollte, nun ein Mix aus Büro und Wohnen entstanden. Klingler: Niederrad hat zwar noch einen BürostadtCharakter. Aber hier kommt das Wohnen immer „ZWEI BOTSCHAFTEN SIND WICHTIG: 1. INVESTITIONEN IN GEFÖRDERTES WOHNEN SIND ATTRAKTIV GEWORDEN, 2. DIE STADT MUSS AN IHRER REPUTATION ARBEITEN.“ Fabian Klingler, abrdn Alle Highlights des Gesprächs in unserem L’Immo-Podcast

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==