tagen tagen 02.26 Marlene Kölln aus Wedemark ist seit fünf Jahren Breathwalk-Trainerin. Als ehemalige Marketingmanagerin in einem Großkonzern und außerdem auch noch Mutter kleiner Kinder bemerkte sie irgendwann bei sich selbst Symptome der Erschöpfung. Sie zog die Reißleine und ließ sich in der Methode Breathwalk („das neue Yoga-Walking“) ausbilden (www.breathwalk.de). Seitdem hat sie viele Gruppen von Menschen in die Kunst der achtsamen Atmung beim Gehen eingewiesen: Firmen buchen sie als Incentive für ihre Führungskräfte und manchmal auch Sportvereine, die die Resilienz ihrer Leistungsträger steigern wollen. Auch als Geburtstagsüberraschung wurde sie schon eingeladen. Jeder kann mitmachen, man braucht keine Ausrüstung. Man kommt ungezwungen in Kontakt mit anderen und lernt nebenbei nützliche Tools für den eigenen Alltag. Marlene Köllns Buchungen im Zusammenhang mit Businesstagungen nehmen in den letzten zwei Jahren ständig zu. Mit einigen Hotels hat sie feste Kooperationen und ist sogar oft auch Teil des Rahmenprogramms, das die Hotels ihren Businesskunden anbieten. Ich selbst habe Breathwalk im Rahmen eines Businessevents im Hotel Camp Reinsehlen in der Lüneburger Heide erlebt. Wir waren 15 Teilnehmende, die vor dem Beginn unserer Veranstaltung etwas für ihre Gesundheit tun wollten. Also: Schuhe an und mitgemacht. Als Erstes sollten wir uns vor dem Hotel im Stehen auf unsere aktuelle Atmung konzentrieren. Wo sind die Schultern? Atme ich flach oder tief, schnell oder langsam, durch Nase oder Mund? Eine Übung, die man jederzeit am Schreibtisch einstreuen kann: Rücken gerade machen, den Blick über die rechte zur linken Schulter wandern lassen, dabei durch die Nase ein- und ausatmen. Unsere Trainerin, wir dürfen Marlene sagen, ist es wichtig, ihrer Gruppe etwas mitzugeben, das sie auch in ihrem Alltag nutzen kann: „Mir ist bewusst, dass man nicht immer die Zeit hat, eine 60- oder 90-minütige Walkingrunde in den Alltag zu schieben. Achtsames Atmen geht eben auch zwischendurch, man muss nur dran denken.“ Bewusste, tiefe Atemzüge senken nachweislich schnell den Puls, was in stressigen Situationen sehr hilfreich ist. Die Gruppe setzt sich jetzt Richtung Wald in Bewegung. Jeder versucht, bewusst wahrzunehmen: Wie fühlen sich die Füße an, wie die Schultern, ist der Kopf gerade, schwingen die Arme locker neben dem Körper, wie atmen wir jetzt? „Unsere äußere Haltung beeinflusst die innere Haltung“, erklärt Marlene. „Atmen wir unbewusst flach und schnell, kann das unsere Stressreaktion verstärken. Wir nutzen die Atmung jetzt für das Gegenteil: für mehr innere Ruhe und Stressregulation.“ Als nächstes wird die Atmung in Segmente geteilt, zunächst im Stehen. Wir hacken einen Atemzug in zwei Teile: zwei Teile einatmen, zwei Teile ausatmen. Dann folgen drei Segmente, dann vier und wir schlendern wieder los. Im Folgenden versuchen wir unsere Schritte den Atemsegmenten anzupassen, bis hin zur Gleichung: ein Schritt ist gleich ein Atemsegment. Breath und Walk sind nun verknüpft. „Das klingt simpel, aber es ist zunächst sehr ungewohnt, und man muss es etwas einüben“, erklärt unsere Trainerin. Zum ersten Mal falle ich zurück, das Gehtempo der anderen ist sehr unterschiedlich. Ich kämpfe mit der angestrebten Synchronität von Atmung und Schritten. Drei-Drei geht mir deutlich besser von den Füßen als Vier-Vier. Ist aber okay, jeder sucht seinen eigenen Rhythmus. Ein Mann neben mir ist erkältet und kämpft mit der Nasenatmung. Nicht ohne Mantra Wir kommen wieder zusammen und lernen das nächste Element: die Fingerbewegung. Sie stammt aus dem Yoga und heißt Mudra. Beim Gehen berühren wir erst Daumen und Zeigefingerspitzen, dann Daumen und Mittelfinger, dann Daumen und Ringfinger, dann Daumen und kleinen Finger, dann wieder von vorn, idealerweise einmal Tippen pro Schritt. Verdammt, das sind vier Schritte, mein Dreierrhythmus ist hinderlich. Ich versuche auf vier Schritte pro Atemsegment zu kommen, doch wie soll ich denn jetzt noch auf die Finger achten? Ich befürchte einen Knoten im Kopf. Aber oh Wunder: Es ergibt sich durch die Fingerübung zum ersten Mal, seit wir losgewalkt sind, eine Einheit in mir. Es klappt jetzt mit vier Schritten, vier Atemsegmenten und vier Fingertipps im Gleichklang. Fühlt sich gut an, ich bin Bewusst gehen, atmen, abschalten Von Katrin Nauber-Happel Ein Zusammenspiel aus Atmung und Bewegung in der Natur gilt als einfache, aber wirksame Methode, um Stress abzubauen. Unsere Autorin hat das am Rande einer Tagung in der Lüneburger Heide ausprobiert. 24
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