Personalmagazin bAV Spezial 12/2026

zuvor. Wir haben die historische Niedrigzinsphase erlebt, die länger gedauert hat, als viele erwartet haben. Wir hatten anschließend eine Phase der Inflation – die wiederholt sich jetzt. Und wir haben auch jetzt wieder steigende Zinsen. Für mich bestätigt dies: Altersversorgung ist ein Langstreckenlauf, kein Sprint. Produkte müssen entsprechend robust sein. Sie müssen unterschiedliche wirtschaftliche Phasen überstehen können. Für mich bestätigt dies: Altersversorgung ist ein Langstreckenlauf, kein Sprint. Produkte müssen entsprechend robust sein. Sie müssen unterschiedliche wirtschaftliche Phasen überstehen können. Ist die betriebliche Altersversorgung, die man ja oft wegen ihrer Komplexität kritisiert hat, einfacher geworden? Schminke: Die Komplexität der betrieblichen Altersversorgung ergibt sich durch das Zusammenspiel von Arbeitsrecht, Steuerrecht, Sozialversicherungsrecht, unterschiedlichen Förderlogiken, unterschiedlichen Durchführungswegen und anderen Rahmenbedingungen. Ich glaube nicht, dass die bAV vor diesem Hintergrund einfacher im Sinne von weniger komplex geworden ist – attraktiver allerdings schon. Gerade wenn ich an junge Menschen denke, die ja eher kapitalmarktaffin sind, glaube ich, dass die bAV in den vergangenen Jahren ihr verstaubtes Image verloren hat. Die Metallrente übernimmt hier eine Brückenfunktion. Wir bereiten die Dinge so auf, dass man sie einfacher verstehen kann, geben Orientierung und bieten durch die Tarifvertragsparteien eine Qualitätssicherung. Die Zinswende hat Garantieprodukte wieder attraktiver gemacht. Gleichzeitig zeigt die Jugendstudie Ihres Hauses, dass junge Menschen lieber in Aktien und Fonds investieren. Wie gehen Sie mit diesem Spannungsfeld um? Müllerleile: Ich empfinde dieses Spannungsfeld als völlig normal. Wenn man jung ist und noch mehrere Jahrzehnte bis zur Rente hat, denkt man anders über Risiken nach als kurz vor dem Ruhestand. Deswegen halte ich persönlich wenig von einer ideologischen Debatte nach dem Motto: Garantie versus Kapitalmarkt. Die meisten Menschen brauchen beides – und Sicherheit schafft Vertrauen, wie Kerstin Schminke schon betont hat. Vertrauen ist darum die wichtigste Währung, die wir als Versorgungswerk haben – und die Kunst besteht immer darin, diese beiden Elemente sinnvoll miteinander zu verbinden. Könnten mehr gesetzliche Automatismen in der bAV, wie beispielsweise Opting-Out-Regelungen, dazu beitragen, deutlich mehr Beschäftigte zu erreichen? Schminke: Es kann schon Fälle geben, bei denen Obligatorien, in welcher Art und Weise auch immer, hilfreich sind. Aber man darf dabei nicht aus den Augen verlieren, wie viel verpflichtende Regelungen ein Arbeitgeber als Unternehmen verträgt – oder auch die Beschäftigten. Sehr wichtig ist dabei auch der Aspekt, welche Rolle Tarifvertragsparteien spielen sollen, zumal vieles ja heute schon tarifvertraglich geregelt ist. Ich glaube also nicht, dass ein gesetzliches Obligatorium die Alleinlösung ist. Statt Menschen mit Verpflichtungen zu überfordern, muss man sie mitnehmen. Sie müssen verstehen, warum eine bestimmte Entscheidung vorteilhaft für sie ist. Nehmen Sie beispielhaft einen Handwerksbetrieb mit zwei Beschäftigten – hier muss man sehr aufpassen, weder hinsichtlich des Verwaltungsaufwands noch hinsichtlich der Finanzierungsmöglichkeiten zu überfordern. Mich stört die einseitige Fokussierung auf das Thema Verbreitung und darauf, möglichst viele Leute in ein System, welcher Art auch immer, zu holen. Das sehen wir auch beim Thema Kapitalrente. Müllerleile: Ich finde, gerade wir als Versorgungswerk reden zu wenig über das Absicherungsniveau. Es bringt nichts, alle Menschen in insuffiziente Altersvorsorge zu treiben, indem kleine Beiträge gesammelt werden. Es ist vielmehr wichtig, auf Versorgungstiefe abzuzielen. Und das ist etwas, bei dem wir bei Metallrente besonders stolz sind: Wir haben Durchschnittsbeträge, die weit oberhalb des Marktes liegen. Abgesehen von der Frage der Versorgungstiefe, wo sehen Sie heute die größten Lücken bei der Verbreitung der bAV? Müllerleile: Branchenübergreifend und in ganz Deutschland sehen wir die offensichtlichsten Lücken bei kleinen und mittleren Unternehmen. Genau das ist bei uns in der Metallrente anders. Die Metall- „ Das Schlechteste, was passieren kann, wäre, dass die bAV bei den Prioritäten des Gesetzgebers ins Hintertreffen gerät. Denn sie bietet deutliche Vorteile gegenüber rein privater Vorsorge.“ Kerstin Schminke 44 Betriebliche Altersversorgung personalmagazin bAV

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